Umeå
Studie: So wichtig ist die Booster-Impfung auch für Jüngere
Die Corona-Impfstoffe verlieren nach einiger Zeit deutlich an Wirkung. Sowohl der Schutz vor einer Ansteckung, als auch vor einem schweren Verlauf nimmt ab. Für welche Impfstoffe und Altersklassen das besonders gilt.
Die Corona-Impfstoffe schützen nach einigen Monaten deutlich weniger als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der schwedischen Universität Umeå, über die das Magazin „Spektrum“ berichtete. Bei der Studie handelt es sich um eine „Preprint“-Studie. Das bedeutet, dass eine Qualitätsprüfung für die Veröffentlichung in Fachzeitschriften noch bevorsteht.
So lange schützen Impfstoffe vor Corona-Ansteckungen
Die Dauer des Impfschutzes hängt auch vom jeweiligen Impfstoff ab. Geimpfte, die den Impfstoff Moderna erhalten hatten, waren nach sechs Monaten um 59 Prozent seltener an dem Virus erkrankt als Ungeimpfte. Es gab zu wenige Daten, um zu einem Ergebnis nach einem längeren Zeitraum zu kommen. Das gleiche Problem hatten die Wissenschaftler mit der Kreuzimpfung Astrazeneca und einem mRNA-Impfstoff. Nach sechs Monaten waren die Ansteckungen vergleichbar mit den Zahlen des Moderna-Impfstoffes.
Bei vollständig Geimpften mit dem Biontech-Impfstoff war nach sieben Monaten keine Wirkung mehr nachweisbar (ab 23 Prozent ist die Wirksamkeit statistisch gesehen nicht mehr relevant). Nach vier bis sechs Monaten bestand noch ein Schutz von 47 Prozent. Bei Astrazeneca gab es bereits vier Monate nach der Impfung keinen nachweisbaren Schutz mehr vor Ansteckungen.
Schutz vor schweren Verläufen
Effektiver erweist sich der Schutz vor schweren Verläufen, aber auch hier nimmt der Schutz ab. Nach der Impfung bestand ein 89-prozentiger Schutz vor einem ernsten Verlauf, mit in der Folge Krankhausaufenthalt oder Tod. Nach sechs Monaten hatten Geimpfte noch einen 42-prozentigen Schutz.
Jüngere Menschen allerdings seien auch nach sechs Monaten noch deutlich geschützter: Bei ihnen haben die Impfstoffe eine Effektivität von 80 Prozent nach sechs Monaten. Besonders stark nimmt der Schutz bei Älteren, Menschen mit Vorerkrankungen und Männern ab. Frauen hatten nach sechs bis neun Monaten einen 73-prozentigen Schutz vor einem schweren Verlauf, Männer hingegen einen 52-prozentigen.
Für die verschiedenen Impfstoffe wurden keine spezifischen Ergebnisse festgestellt, da die Fallzahlen zu niedrig waren.
Warum die Zahlen anders sind als vorher gedacht
Gerade den Impfstoffen von Biontech und Astrazeneca wurden in früheren Studien eine höhere Wirksamkeit zugeschrieben. Das Team erklärt sich die neuen Zahlen damit, dass im Vergleich zu früheren Untersuchungen nun andere Bedingungen herrschen. Ein Beispiel sei das Auftreten der Delta-Variante, die bei früheren Untersuchen noch nicht so stark verbreitet war. Außerdem könne es sein, dass aufgrund der Delta-Variante die Impfstoffe schon anfänglich schwächere Wirkungen erzielen.
Video: Corona-Impfstoffe verlieren laut Studie schneller an Wirkung als angenommen.
Wer soll zuerst geboostert werden?
Die Autoren der Studie argumentieren, dass die Booster-Impfung notwendig sei. Auch bei den Erwachsenen unter 60 Jahren nimmt die Schutzwirkung ab. Bei unter 50-Jährigen fiel der Schutz vor Covid-Symptomen auf unter 40 Prozent. Für Jüngere sei eine Booster-Impfung also ebenfalls sinnvoll. Zuerst sollten allerdings die Menschen mit einem höheren Risiko geimpft werden.
Auch eine Studie aus Israel kommt zu dem Ergebnis, dass Booster-Impfungen äußerst effektiv seien. Die Chance, bei einer Infektion nicht ins Krankenhaus zu müssen, erhöhe sich bei Drittgeimpften um 93 Prozent. Auch die Zahl der Neuinfektionen sank in Israel nach den Booster-Impfungen deutlich. Studien haben ebenfalls bewiesen, dass die Ansteckungsgefahr nach der Booster-Impfung sinkt.
So ist das Forschungs-Team vorgegangen
Das Team hat die Ergebnisse von mehr als 840.000 geimpften Menschen mit denen von Ungeimpften verglichen. Dafür wurde jedem Geimpften eine ungeimpfte Person zugeordnet, mit denen sie im Geschlecht, Alter und Wohnort übereinstimmen. So verglichen sie, wie gut die Menschen jeweils vor einer Ansteckung beziehungsweise vor einer schweren Infektion geschützt sind. Die Daten stammen aus dem Register der schwedischen Gesundheitsbehörde, der Zeitraum der Studie umfasste neun Monate.