Berlin
#allesindenArm: Twitter-Kampf von Impfgegnern und Impfbefürwortern
„Lasst euch impfen!“, twitterte am Sonntag der Komiker Florian Hacke unter dem Hashtag #allesindenArm. Damit ist ein Kampf um die Social-Media-Charts entbrannt. Von Smudo bis hin zu Manuela Schwesig sind alle dabei.
Am Sonntag hat der Schauspieler und Comedian Florian Hacke um 17.34 Uhr diesen Tweet geschrieben: „Hallo. Ich bin Florian Hacke und ich bin Schauspieler. Ich bin geimpft. Wissenschaft und Solidarität sind der Weg aus der Pandemie. Deshalb: Lasst Euch impfen!“ Dazu setzte er den Hashtag #allesindenArm, der unübersehbar auf die impfskeptische Kampagne #allesaufdenTisch anspielt.
#allesindenArm dominiert die Twitter-Trends
Wenn der Branchendienst „Meedia“ richtig liegt, war das wohl der Auslöser eines mächtigen Twitter-Trends. Über 70.000 weitere Tweets wurden binnen 17 Stunden mit demselben Hashtag geschrieben, einige davon erreichen im Alleingang über 30.000 Likes. Und nicht nur der eigentliche Hashtag trendet; auch die Einzelteile des Tweets stehen in den Charts: „Wissenschaft und Solidarität“ zum Beispiel (über 30.000 Tweets) oder der bloße Satzbeginn „Lasst euch“ (über 40.000). Und die Debatte ist - wie sollte es anders sein - hochkontrovers.
Wer unterstützt die Impfkampagne?
Viele Prominente teilen den Aufruf zur Corona-Impfung. Der Komiker Torsten Sträter erreicht damit über 30.000 Follower. Auch der Pianist Igor Levit und der Meteorologe Jörg Kachelmann machen mit. Smudo, Rapper und Gesicht der Luca-App, ist ebenfalls mit dabei.
Auch aus der politischen Szene heraus wird die Botschaft verbreitet. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig ist dabei, der CDU-Mann Peter Tauber und Hubertus Heil (SPD) ebenfalls. Mit Melanie Brinkmann beteiligt sich außerdem eine der bekanntesten Virologinnen des Landes.
Mit ihr melden sich auch viele persönlich Betroffene zu Wort: Mediziner, die in Kliniken und Praxen beruflich mit dem Virus konfrontiert sind. Patienten, die eine Corona-Infektion schon hinter sich haben oder denen der Impfschutz wegen einer Vorerkrankung verwehrt bleibt. (Wobei die Geschichten von Privatpersonen sich kaum verifizieren lassen.)
Und nicht zuletzt lockt der Trend auch mehr oder weniger charmante Trittbrettfahrer auf den Plan. Der Chefredakteur der „Titanic“ nutzt die Aufmerksamkeit für einen Abo-Aufruf; das Social-Media-Team von eBay-Kleinanzeigen betreibt mit einem Gag zum Thema Imagepflege.
Gegen-Hashtags: #ImpftEuchInsKnie
In einer derart polarisierten Debatte folgt auf den Twitter-Trend natürlich umgehend der Konter. Auch etliche Impfskeptiker äußern sich direkt unter dem Hashtag, darunter so exponierte wie Dietrich Brüggemann. Der Filmemacher war sowohl bei der #AllesDichtMachen-Kampagne als auch bei #AllesAufDenTisch dabei und dürfte sich von #allesindenArm persönlich angesprochen fühlen. Den Impfaufruf parodiert er nun mit dem Vers: „Dogmatismus, Massenhysterie und Herumtrampeln auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind der Weg aus der Pandemie.“
Nicht alle Kritiker antworten mit so liebevoller Ironie. Andere Nutzer lassen lieber den alternativen Hashtag #ImpfEuchInsKnie trenden. Das klingt ruppig und entsprechend drastisch sind denn auch die Tweets. Mal wird die Impfung in finsteren Memes zum Heroinschuss von Junkies. Mal wird Jens Spahn in eine NS-Uniform montiert, auf der statt Hakenkreuz das WHO-Logo. Und eine Mutter verkündet: „Zuerst müssen Sie mich umbringen, bevor mein Kind diese Impfung bekommt.“
Hier und da werden auch Zweifel laut, die nur die Methode der Twitter-Kampagne betreffen. Dschungelcamp-Autor Micky Beisenherz lanciert einen Seitenhieb auf das Virtue Signalling - also die Lust, bei Twitter die eigene Tugend zu demonstrieren. Und die Aya Velázquez, Sexworkerin und Autorin der Corona-Protest-Zeitung „Demokratischer Widerstand“, weist darauf hin, dass der tausendfach wortgleich wiederholte Slogan von #allesindenArm kaum von automatisierten Tweets zu unterscheiden ist.