Pandemie
Drohen in der neuen Corona-Welle mehr Todesfälle?
Die Zahl der Corona-Patienten auf ostfriesischen Intensivstationen hat zugenommen. Was ist von der neuen Corona-Verordnung zu erwarten, an der die niedersächsische Landesregierung gerade arbeitet?
Ostfriesland/Dresden/Hannover - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) befürchtet mehr Tote als bei den bisherigen Corona-Wellen – aufgrund der Verschärfung der Pandemie. „Wir stehen erst am Anfang eines harten Winters: Die Welle, die wir vor uns haben, wird alle bisherigen Wellen in den Schatten stellen“, sagte er der „Bild am Sonntag“.
Die Bevölkerung seines Bundeslandes ist am schlechtesten gegen das Virus geschützt: Die Quote der vollständig Geimpften in Sachsen lag – nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Freitag – bei 57,4 Prozent. Niedersachsen kam auf 69,3 Prozent.
Politiker tendieren zur Ausweitung der 2G-Regelung
„Diese vierte Welle wird mehr Opfer, auch mehr Todesopfer, verlangen als alles, was wir bisher kannten“, sagte Kretschmer. Er stellte die Menschen darauf ein, dass die angespannte Situation noch Monate andauert. „Aus dem vergangenen Jahr wissen wir: Wir müssen bis Ostern durchhalten. Vorher wird diese Welle nicht zu Ende sein.“
Noch habe Deutschland die Chance, einen Lockdown in der Weihnachtszeit zu verhindern, betonte Kretschmer. „Aber die Zeit läuft uns davon.“ Er forderte eine 2G-Regel in ganz Deutschland, um Ansteckungen von Ungeimpften zu vermeiden. Auch müssten Kontakte reduziert und möglichst viele größere Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte im ganzen Land abgesagt werden.
Ausnahmeregelungen für Kinder und Jugendliche
Immer mehr Bundesländer setzen darauf, dass Restaurants sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen nur noch von Geimpften und Genesenen besucht werden dürfen. Ausnahmen von dieser 2G-Regel gibt es nur für wenige Personengruppen. Zum Beispiel für Kinder und Jugendliche. Für die unter Zwölfjährigen, für die noch kein Impfstoff freigegeben ist, aber auch für die Älteren, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) seit 19. August ausdrücklich eine Impfung empfiehlt.
Niedersachsen arbeitet an einer neuen Corona-Verordnung, die mehr auf das 2G-Modell setzt. Wie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Freitag sagte, soll es aber nach wie vor bei den Ausnahmen für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren bleiben – auch, weil Schüler in Niedersachsen aktuell dreimal wöchentlich vor der Schule getestet werden.
Sicherheitsmaßnahmen in Schulen verringert
Hinzu kommt: „In Niedersachsen sind wir mit der Impfquote der Zwölf- bis 17-Jährigen im Bundesvergleich durchgehend unter den Spitzenreitern“, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mit – 49,8 Prozent seien vollständig geimpft. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erwägt momentan sogar tägliche Tests und, auch vollständig geimpfte Schüler der Testpflicht zu unterziehen, wie er unserer Redaktion am Wochenende sagte.
Vergangene Woche hat Tonne die Vorsichtsmaßnahmen jedoch gelockert. Am 10. November schrieb er an die Schulleiter: „Ein Bereich, in dem wir trotz steigender Infektionszahlen schon jetzt zu einer Neuregelung kommen können, ist das Kohortenprinzip.“ Er begründete das mit veränderten Quarantäneregelungen und den regelmäßigen Tests. In den Rundverfügungen der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung steht: „Der Kohortenzuschnitt kann die gesamte Schulgemeinschaft umfassen, das heißt Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Schulbegleitungen und weiteres […] Personal.“ In der vorangegangenen Verfügung hieß es noch: „Das Kohorten-Prinzip umfasst im Ganztagsbereich maximal zwei Schuljahrgänge.“
Die aktuelle Corona-Lage in Ostfriesland
Durch die Neuerung könnte auf die Gesundheitsämter zusätzliche Arbeit zukommen. Denn nach der Infektion eines Schülers können sich die möglichen Kontaktpersonen nicht mehr nur auf maximal zwei Schuljahrgänge, sondern auf die gesamte Schule verteilen.
Dabei sind die Gesundheitsämter bereits jetzt belastet, aufgrund der steigenden Inzidenzen. In Niedersachsen lag sie am Sonntag bei 129,8. In Ostfriesland betrugen die Werte 159,8 (Landkreis Leer), 56,8 (Landkreis Aurich), 47,1 (Landkreis Wittmund) und 102,3 (Stadt Emden). Insgesamt sieben Covid-19-Patienten lagen am Sonntag auf Intensivstationen ostfriesischer Kliniken.
Mit Material von dpa.