Weltklimakonferenz
Zu viel heiße Luft
Viel heiße Luft, wenig Substanz: Der Weltklimagipfel in Glasgow endet mit einer Enttäuschung. Umso mehr lastet jetzt der Druck auf den einzelnen Regierungen - auch in Deutschland.
Düstere Mahnungen, flammende Appelle, Wutreden und Tränen: Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow haben sehr, sehr viele Teilnehmer alles gegeben und doch nur wenig erreicht – viel zu wenig. Man müsse eine Bombe entschärfen, hatte Gastgeber Boris Johnson zum Auftakt des Gipfels gesagt. Doch die Lunte brennt immer noch.
Es ist zweifellos zu begrüßen, wenn das Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad zu begrenzen, in den Vordergrund rückt und nicht länger nur von weniger als zwei Grad die Rede ist. Auch darf man sich darüber freuen, wenn im Abschlussdokument erstmals ausdrücklich anerkannt wird, wie extrem klimaschädlich die Verbrennung von Kohle ist. Doch mehr als eine Selbstverständlichkeit ist dies nicht. Auch sonst sind die Zusagen von Glasgow unzureichend: Das Umweltbundesamt rechnet vor, damit lasse sich der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 weltweit um fünf bis sieben Gigatonnen verringern- es seien aber 20 Gigatonnen nötig.
Glasgow wird der Klimaschutzbewegung global neuen Schwung geben. Vor allem die Industriestaaten stehen unter Druck, sich radikal zu verändern. Auch die neue Bundesregierung muss Zeichen setzen. Es braucht ein Klimakabinett, das bereit ist, auf dem Weg in eine neue Zeit voranzugehen.
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