Silvester
So läuft es mit den Böllern in diesem Jahr
Böller durften im vergangenen Jahr bundesweit nicht verkauft werden. Derzeit wird erneut über ein Böllerverbot diskutiert. Die Niederlande sind einen Schritt weiter. Was bedeutet das?
Rheiderland/Niederlande - An belebten Plätzen waren nur Knallerbsen und Co. erlaubt: Im vergangenen Jahr gab es ein deutschlandweites Verkaufsverbot von Böllern und Feuerwerk, öffentliche Feuerwerke wurden gestrichen. Auf belebten Straßen und Plätzen waren Böller und Raketen verboten. Die Landkreise und Städte hatten dafür Allgemeinverfügungen erlassen, nachdem ein niedersachsenweites Verbot nach einer Klage gekippt worden war. Große Menschenansammlungen und Verletzte, die Krankenhäuser zusätzlich belasten, sollten verhindert werden.
Was und warum
Darum geht es: Im vergangenen Jahr kam das Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper spät. Wir haben nachgefragt, wie sich Einzelhandel und Polizei auf ein mögliches Verkaufs- und Böllerverbot hierzulande vorbereiten. Und was ein Verbot für die feuerwerksbegeisterten niederländischen Nachbarn bedeutet.
Vor allem interessant für: Menschen, die wissen wollen, was an Silvester los sein wird.
Deshalb berichten wir: Bis Silvester ist es noch ein bisschen hin, aber angesichts der steigenden Inzidenzwerte fragen sich viele, ob es wieder ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper gibt. Derweil tut sich viel in den Niederlanden. Die Autorinnen erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de und v.vogt@zgo.de
Gibt es wieder ein Böllerverbot in diesem Jahr? „In mehreren Städten in Niedersachsen und Bremen sind bereits Böllerverbote für den anstehenden Jahreswechsel ausgesprochen worden oder in Planung.“ Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervor. „Bürger sollen so unter anderem vor Verletzungen geschützt werden und Gebäude vor Bränden“, heißt es weiter. Eines der weitreichendsten Verbote plane das Land Bremen. Und im Landkreis Leer? „Über mögliche Maßnahmen, wie ein Verbot von Feuerwerkskörpern, entscheidet das Land Niedersachsen durch die Niedersächsische Corona-Verordnung“, teilt die Pressestelle auf Nachfrage mit.
Verstärkte Kontrollen an der Grenze
Die Niederlande sind da einen Schritt weiter: „Vergangenes Silvester gab es ein Böller- und Feuerwerksverbot wegen der Corona-Pandemie und dem hohen Druck auf das Gesundheitssystem“, so Kirsten Olthuis, Sprecherin der Gemeinde Oldambt. Wie die niederländische Zeitung AD am Freitag berichtete, soll eine Kabinettsentscheidung zum Böllerverbot frühestens kommende Woche fallen. Es werde unter anderem noch über Kompensationszahlungen für Händler gesprochen Im vergangenen Jahr seien 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Derweil kündigte Ministerpräsident Mark Rutte bei einer Pressekonferenz am Freitagabend verschärfte Corona-Regeln für die Niederlande an..
Wenn das Böller-Verbot kommt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Kunden aus den Niederlanden versuchen, sich in Deutschland mit Feuerwerkskörpern einzudecken. Bei der Polizeieinheit Noord-Nederland, hat man sich bereits auf das Feuerwerksverbot eingestellt. Man plane „verstärkte Grenzkontrollen“ mit Blick auf das Feuerwerksverbot, sagte Anne Carlijn Kok, Pressesprecherin der Polizei Noord-Nederland, auf Nachfrage. Es werde nicht mitgeteilt, wann und wo diese Kontrollen geplant seien. Zusätzlich sollen die Basisteams, die im Grenzbereich arbeiten, Kontrollen durchführen – auch „ad hoc“. Außerdem werde die Überwachung im Grenzgebiet generell hochgefahren. Ralf Löning, Sprecher der Bundespolizei, wollte Spekulationen über ein mögliches Verkaufsverbot von Silvesterfeuerwerk in Deutschland nicht kommentieren.
Das sagen die Händler
Die Sonderpostenmärkte haben zum Jahreswechsel viel zu tun. Im vergangenen Jahr waren viele auf den Feuerwerkskörpern sitzen geblieben. Die Werbeprospekte mit den Angeboten waren bereits in Auftrag gegeben worden, als das Verkaufsverbot kam. Weil einige Kunden davon nichts mitbekommen hatten, standen sie enttäuscht vor den Geschäften. „Wir haben die Feuerwerkskörper ein Jahr lang im Bunker eingekellert und wollen sie jetzt an den Mann bringen“, sagte Wolfgang Hainke, der mit seiner Familie die Hawo-Sonderpostenmärkte unter anderem in Aurich, Moordorf und Möhlenwarf betreibt. „Ein Kollege aus Hamburg hat sogar ein Probeschießen veranstaltet“, so Hainke. Er gehe bislang davon aus, dass es in diesem Jahr kein Böllerverbot geben wird. .
Erika Sinning, Marktleiterin des Sonderpostenmarktes Zimmermann in Möhlenwarf, ist da nicht so optimistisch. „So wie sich die Zahlen bei den Neuinfektionen entwickeln, kann ich mir derzeit ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es ein großes Feuerwerk gibt“, sagt die Marktleiterin. Im vergangenen Jahr seien wegen des Verbots gar keine Feuerwerkskörper zur Filiale nach Bunde geliefert worden. Das werde von der Zentrale gesteuert. Dort warte man sicher die weitere Entwicklung ab.