Gesundheit

Riesen-Andrang bei Impfaktion im Emder Stadtzentrum

Heiko Müller
|
Von Heiko Müller
| 11.11.2021 17:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Heißes an einem trüben November-Tag: Mitarbeiter des Cafés und Bistros „Störte“ schenken gratis Kaffee an Impfwillige in der Warteschlange aus. Fotos: H. Müller
Heißes an einem trüben November-Tag: Mitarbeiter des Cafés und Bistros „Störte“ schenken gratis Kaffee an Impfwillige in der Warteschlange aus. Fotos: H. Müller
Artikel teilen:

Mehr als 350 Leute standen am Donnerstag auf dem Neuen Markt Schlange. Der Zuspruch war so groß, dass nicht alle an die Reihe kamen. Die allermeisten wollten eine Auffrischung.

Emden - Monika Stahmer hat die Kapuze ihres „Ostfriesen-Nerzes“ weit ins Gesicht gezogen. Es nieselt und es ist nasskalt an diesem Donnerstagvormittag auf dem Neuen Markt. Das hält die Rentnerin aus Emden nicht davon ab, sich ihre Auffrischungs-Impfung als Schutz für den Winter abzuholen. Die 62-Jährige hat sich eingereiht in die Warteschlange, die über die ganze Länge des Platzes reicht. Sie steht ziemlich am Ende, muss also noch ausharren.

Was und warum

Darum geht es: Die Stadt Emden bietet bis zum Jahresende Corona-Impfungen ohne Anmeldung an einer mobilen Station im Stadtgarten an.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die Entwicklung der Corona-Pandemie interessieren und diejenigen, die sich impfen lassen oder eine Auffrischung ihrer Impfung wollen

Deshalb berichten wir: Ein mobiles Impfteam ist jetzt wöchentlich im Emder Stadtzentrum im Einsatz. Wir haben uns bei der jüngsten Aktion am Donnerstag auf dem Neuen Markt umgesehen und umgehört.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Ersten in der Schlange hatten sich schon etwa eine Stunde vor Öffnung der mobilen Impfstation eingefunden. Auf dem Marktplatz hat das insgesamt elfköpfige Team der Stadt und der von ihr beauftragten Firma IFAS Safety aus Schortens zwei Fahrzeuge aufgestellt. Die nötigen Formalitäten werden unter den Dächern von Gartenpavillons erledigt. Sie schützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar nicht vor der durchdringenden Kälte, aber immerhin deren Laptops vor dem Regen.

„Stinksauer“ auf den Hausarzt

Monika Stahmer ist inzwischen ein paar Plätze aufgerückt. Sie bleibt gelassen, schimpft aber auf ihren Hausarzt. „Ich bin stinksauer“, sagt die 62-Jährige und schildert, dass der Arzt sie ihren Wunsch nach der genannten Impf-Verstärkung abgewiesen habe. Er habe auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission beharrt. Demnach müssten zwischen der zweiten Corona-Impfung und dem sogenannten „Booster“ sechs Monate liegen.

Die Warteschlange vor der mobilen Impfstation auf dem Neuen Markt in Emden riss bis in den Nachmittag hinein nicht ab.
Die Warteschlange vor der mobilen Impfstation auf dem Neuen Markt in Emden riss bis in den Nachmittag hinein nicht ab.

Das mobile Impfteam der Stadt sieht das offenbar nicht so eng und legt das offenbar großzügiger aus. Es gibt die verstärkenden Spritzen schon nach fünf Monaten. Monika Stahmer freut das. Schließlich will sie mit ihrem Mann Walter Stahmer-Schultz demnächst Urlaub im Ausland machen und auch deshalb besser geschützt sein.

Ohne Test in die Disco

Auch andere Leute in der Schlange berichten, dass sie bei den Hausärzten bislang nicht zum Zuge gekommen seien – beispielsweise wegen Urlaubs oder mangels Impfstoff. „Unsere Arztpraxis wusste nicht, wann sie wieder Impfstoff bekommt“, erzählt Johanne Broer. Die Emderin steht mit ihrer jüngsten Tochter Amelie in der Warteschlange. Die 14-Jährige will sich die erste Impfung abholen. „Damit ich zum Beispiel bei McDonald’s oder in die Disco auch ohne Test reinkomme“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Bammel vor der Impfung habe sie nicht. „Nur auf das Reiten muss sie heute verzichten“, sagt die Mutter.

Ähnliche Artikel

Trotz des trüben Novembertages ist die Stimmung auf dem Neuen Markt gut. Dazu tragen gegen Mittag auch Mitarbeiter des Cafés „Störte“ bei, vor dem die mobile Impfstation steht. Die Servicekräfte schenken kostenlos heißen Kaffee an die Wartenden aus. Mittlerweile hat auch der Nieselregen aufgehört.

Kritische Lage sorgt für Verunsicherung

Harald Wiers weiß schon am Vormittag angesichts des großen Zuspruchs, dass das mobile Impfteam pausenlos zu tun haben wird. Während einige ahnungslose Passanten noch rätseln, was auf dem Marktplatz los ist, ist der Chef von IFAS Safety nicht verwundert über den Andrang. „Wir haben das erwartet“, sagt Wiers. Er weist auf die zusehends kritischere Corona-Lage und die damit wachsende Verunsicherung hin. Vor allem die Nachfrage nach dem „Booster“ sei „gewaltig“.

Das Impfteam der Stadt nahm die Impfwilligen in Pavillons in Empfang und erledigte die nötigen Formalitäten.
Das Impfteam der Stadt nahm die Impfwilligen in Pavillons in Empfang und erledigte die nötigen Formalitäten.

Gut 100 Leute hat Wiers kurz nach Öffnung der mobilen Impfstation in der Warteschlange gezählt. Und die lange Reihe der Impfwilligen wird bis in den Nachmittag hinein nicht kürzer. Bei einer durchschnittlichen Zeit von anderthalb Minuten pro Impfung lässt sich ausrechnen, dass die für diesen Tag angesetzten fünf Stunden kaum ausreichen werden, wenn es bei diesem Andrang bleibt.

Weitere Impfangebote bis zum Jahresende

Das mobile Impfteam, das in beiden Fahrzeugen gleichzeitig impft, ist mittlerweile eingespielt. Die Aktion auf dem Neuen Markt ist die dritte innerhalb von sieben Tagen. Vor einer Woche hatte die Station am Stadtgarten gestanden, am Sonntag folgte der Einsatz vor der Nordseehalle während des Flohmarktes - mit ebenfalls großem Zuspruch.

Bis zum Ende des Jahres will die Stadt vorerst jeweils donnerstags von 10 bis 15 Uhr weitere freie Impfaktionen ohne Anmeldung in der Innenstadt machen. Wenn die Nachfrage so hoch bleibe wie bisher, reichten diese Angebote wohl kaum aus, meint Wiers. „Auf Dauer ist das nicht durchzuhalten“, sagt er.

Team setzt 355 Spritzen

Monika Stahmer hat durchgehalten. Sie ist nach knapp zwei Stunden durch, kann jetzt besser geschützt gegen Covid-19 in den Winter gehen und den bevorstehenden Urlaub genießen. Die Emderin ist laut Stadt eine von insgesamt 355 Leuten, die sich an diesem Tag auf dem Neuen Markt impfen lassen.

„Das ist schon sehr gut“, sagt Stadtsprecher Eduard Dinkela am Ende der Aktion, 80 Prozent der Impfwilligen standen für die Auffrischung Schlange, der Rest waren Erst- und Zweitimpfungen. Der Andrang blieb aberbis zum Nachmittag so groß, dass nicht alle versorgt werden konnten. „Wir mussten etwa 50 Leute auf den nächsten Termin vertrösten“, so Dinkela.