Pandemie

Einzelhändler holen im Netz dank Krise auf

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 11.11.2021 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Weihnachtsgeschäft steht für den Einzelhandel vor der Tür – auch in der Oldenburger Innenstadt. Mögliche Corona-Einschränkungen könnten jedoch wachsende Umsätze verhindern. Foto: Dittrich/DPA
Das Weihnachtsgeschäft steht für den Einzelhandel vor der Tür – auch in der Oldenburger Innenstadt. Mögliche Corona-Einschränkungen könnten jedoch wachsende Umsätze verhindern. Foto: Dittrich/DPA
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Corona hat viele Einzelhändler hart getroffen, zeigt eine aktuelle Studie der Commerzbank. Zugleich bietet die Krise aber auch Chancen im Online-Handel. Das Weihnachtsgeschäft ist dennoch unsicher.

Ostfriesland/Berlin - Knapp zwei Drittel der Einzelhändler in Ostfriesland mussten im Zuge der Corona-Krise Umsatzeinbußen hinnehmen. In einer von der Commerzbank in Auftrag gegebenen Studie gaben dies insgesamt 61 Prozent der befragten Händler an, 46 Prozent sprachen gar von starken oder sehr starken Einbußen. „Bei jedem Fünften herrschte eine Existenzbedrohung“, sagt Uwe Borrmann, Leiter des Bereichs Unternehmerkunden der Commerzbank-Niederlassung in Oldenburg. Das Kreditinstitut ließ für die Umfrage nach eigenen Angaben bundesweit 3500 Einzelhändler – nicht nur aus dem eigenen Kundenstamm – befragen, 50 davon in Ostfriesland.

Die Ergebnisse zeigen aber auch: 37 Prozent der Einzelhändler verzeichneten keine Einbußen oder sogar steigende Umsätze. Dies betreffe etwa große Lebensmittelhändler und Discounter, die während der Lockdowns weiterhin öffnen durften, ihre Produktpalette erweitert und somit von der Schließung kleinerer Läden profitiert hätten, sagt Borrmann: „Das war schon interessant, was die auf einmal im Angebot hatten.“

Wer schon im Internet aktiv war, profitierte zu Pandemiebeginn

Überhaupt hätten sich die ostfriesischen Einzelhändler während der Krise bisher äußerst flexibel gezeigt: Laut Studie veränderten 40 Prozent ihr Angebot – im Bundesschnitt waren es nur 31 Prozent. 27 Prozent führten Online-Beratungen und -Kundenveranstaltungen ein (bundesweit: 14 Prozent). „Wir haben hier eine hohe Innovationskraft“, sagt Borrmann.

Das bestätigt auch Johann Doden vom Einzelhandelsverband (EHV) Ostfriesland – zugleich gibt der Hauptgeschäftsführer aber auch zu, dass es in der Region in Sachen Online-Handel durchaus einige Rückstände gegeben habe, die es aufzuholen galt: „Da war man vielleicht an der einen oder anderen Stelle teilweise noch nicht so weit.“ Die Händler, die schon vor der Krise im Internet präsent gewesen seien, hätten während der Lockdowns davon profitiert. Andere hätten hingegen erst, als sie durch die Schließung die Zeit für solche Überlegungen gehabt hätten, Konzepte für ein Online-Geschäft entwickelt. „Bei denen, die das Thema beiseitegeschoben haben, hat ein Umdenken stattgefunden“, sagt Doden. Dank Corona habe es in dieser Hinsicht „einen Schub gegeben“.

Verbände sind angesichts hoher Infektionszahlen besorgt

Trotz Krise machen sich die ostfriesischen Einzelhändler laut Commerzbank-Umfrage relativ wenig Sorgen um ihre Zukunft: 79 Prozent gaben an, sehr oder eher optimistisch zu sein, zwölf Prozent zeigten sich immerhin weniger optimistisch. Zu bedenken ist hierbei aber, dass diese Daten in der Zeit von Ende Juni bis zum 20. August dieses Jahres erhoben wurden. Am letzten Tag der Umfrage wurde laut Robert-Koch-Institut (RKI) mit 3377 die höchste Zahl an Corona-Neuinfektionen während dieses Zeitraums gemeldet. Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert: Am Mittwoch wurden laut RKI bundesweit 50.196 Infektionen gemeldet – der höchste Wert sei Beginn der Pandemie.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet im Einzelhandel für November und Dezember dennoch bundesweit mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – im Online-Handel sogar mit mehr als 17 Prozent, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. „Die hohen Sparguthaben und die gute Verbraucherstimmung stellen die Weichen für einen versöhnlichen Jahresausklang nach einem für viele Händler mit den Lockdowns existenzbedrohendem ersten Halbjahr“, wird HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zitiert. Es gebe allerdings ein großes Risiko, dass den Händlern das Weihnachtsgeschäft verhageln könnte: „Alles hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen ab“, so Genth.

Von erneuten Ladenschließungen ist in der Bundespolitik trotz steigender Infektionszahlen bisher nicht die Rede. Doden stellt in diesem Zusammenhang klar: „Es darf keinen neuen Lockdown geben. Das kann die Branche nicht mehr schultern.“ Auch 2G- oder 3G-Regelungen – also Zugang nur für Geimpfte, Genesene und gegebenenfalls für Getestete – hält er im Einzelhandel für nicht umsetzbar. „Wer soll denn in der Lage sein, das an der Ladentür zu kontrollieren?“

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