Hautschmuck
Verbot: Verunsicherung bei Tattoo-Freunden
Ab Januar dürfen wegen einer neuen EU-Verordnung fast alle Farben, die derzeit zu kriegen sind, nicht mehr benutzt werden. Tattoo-Freunde sind verunsichert. Es gibt aber Hoffnung.
Den Vorschriften entspricht fast keine der Farben, die derzeit auf dem Markt zu bekommen sind. Bleibt die Haut dann farblos? Diese Frage stellen sich derzeit viele – auch in Ostfriesland: „Wir kriegen jede Menge Anrufe von Kundinnen und Kunden, die Termine im kommenden Jahr haben. Sie wollen wissen, ob das wegen des Verbots überhaupt geht“, sagt Isabel Lerbs, sie führt das Studio „Inkside-Out Tattoo“ in Ihlow. Viele namhafte Hersteller hätten bereits angekündigt, dass sie mit Hochdruck daran arbeiten, konforme Farben auf den Markt zu bringen – wenn auch nicht die ganze Palette auf einmal, erklärt Lerbs. „Vielleicht fehlt eine bestimmte Farbe, zum Beispiel Babyblau, aber das bricht uns nicht das Genick.“ Wie und wann genau die Farben auf den Markt kommen, wisse man jedoch noch nicht.
Was und warum
Darum geht es: Geht Tätowierern bald die Farbe aus? Ab 2022 werden die Farben, die es derzeit gibt, wegen der Änderung einer EU-Richtlinie fast alle verboten. Wir haben bei Tätowieren in Ostfriesland nachgefragt, wie es nun weitergeht.
Vor allem interessant für: Freunde des Körperschmucks.
Deshalb berichten wir: Der Stichtag, an dem die EU-Verordnung greift, rückt näher. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Bittere Pille trotz Hoffnung
Auch Nina Voskamp, Inhaberin des Tattoostudios „Glitzerstich“ in Leer, hofft darauf, dass es bald genauere Infos gibt. „Hersteller haben zugesichert, dass es weitergeht. Es soll wohl Richtung Weihnachten ein Statement geben“, sagt sie. Es sei allerdings die Frage, ob man dann schnell genug Farben bekommen könne – und: „Zu welchem Preis?“, fügt Voskamp hinzu. Sie könne sich vorstellen, dass die Preise der Reach-konformen Farben zunächst in die Höhe schnellen könnten: „Bei der großen Nachfrage.“ Das werde sich aber normalisieren, ist sie überzeugt.
Ananda Ayral aus Leer ist seit zehn Jahren Tätowierer. Er findet, dass die Hersteller früher hätten reagieren können. „Man weiß seit Jahren, dass sich das Verbot anbahnt“, sagt er. Nun müssten schnell neue Farben auf den Markt gebracht werden, über die man wenig wisse, gleichzeitig würden jahrzehntelang erprobte Farben in den Mülleimer wandern. „Wenn man überlegt, dass wir durch Corona zwangsweise zu hatten, Unterstützung bekamen und jetzt vielleicht wieder eine Zwangspause machen müssen, ist das bitter“, so Ayral. Hinzu komme, so Lerbs, dass „alle Tätowierer nach dem Lockdown neue Farben kaufen mussten, weil die anderen abgelaufen waren. Wir haben bestimmt 100 neue Farben hier stehen, die wir im Januar alle wegwerfen müssen.“
Pigmente sollen ebenfalls verboten werden
Aber nicht nur bei den Chemikalien wird es strenger. Auch den beiden Pigmenten Blau 15:3 und Grün 7 geht es an den Kragen. Sie sollen ab 2023 verboten sein. „Die Pigmente braucht man für weit mehr als die Hälfte aller Farben“, sagt Tätowierer Ayral. Farbkünstlern könne das Verbot die Grundlage ihrer Existenz rauben. Eine EU-Petition stellt sich dagegen: Rund 53.000 Unterstützer gibt es für die Initiative „Save the pigments“ (deutsch: Rettet die Pigmente) aus ganz Europa.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält die Pigment-Verbote offenbar nicht für angemessen. In einer Stellungnahme vom 8. September 2020 heißt es, dass die Datenlage „unvollständig“ sei, aber die Daten bis jetzt auf eine geringe Giftigkeit hinwiesen. „Es ist paradox: Es gibt nicht ausreichend viele Studien, deshalb das Verbot. Aber die Studien werden nicht angeschoben, weil die Pigmente zu harmlos sind“, meint Ayral. Aus Sicht des BfR sei zu berücksichtigen, dass beide Pigmente seit mehr als zehn Jahren in Tätowiermitteln eingesetzt werden, ohne dass Auffälligkeiten bekannt seien. Außerdem könne es sein, dass statt der Pigmente Blau 15:3 und Grün 7 „auch weniger gut untersuchte Stoffe zum Einsatz kommen könnten.“