Umwelt

„Saubere Luft“ auch in Glasgow auf der Straße

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 10.11.2021 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mitglieder der Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ demonstrierten am vergangenen Wochenende in Glasgow. Foto: privat/BI
Mitglieder der Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ demonstrierten am vergangenen Wochenende in Glasgow. Foto: privat/BI
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Mitglieder der Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ haben beim Klimagipfel in Glasgow demonstriert. Außerdem haben Initiative und Partner jetzt eine neue Klage in den Niederlanden gestartet.

Ostfriesland/Glasgow - Noch bis zu diesem Freitag, 12. November, findet im britischen Glasgow die 26. UN-Klimakonferenz statt. Der „Weltklimagipfel“, wie die Konferenz meist genannt wird, wird auch in diesem Jahr wieder von Protesten vor allem durch Klimaschützer und Umweltorganisationen begleitet. Mittendrin in der großen Demonstration waren, erneut, auch Mitglieder der Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ (BI).

Was und warum

Darum geht es: Die Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ klagt in den Niederlanden gegen die Umstellung eines Kohlekraftwerks auf Biomasse.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Umweltschutz und Klima interessieren

Deshalb berichten wir: Die BI hat an einer Großdemo in Glasgow teilgenommen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Am vergangenen Wochenende seien sechs Mitglieder der Bürgerinitiative nach Glasgow gefahren, um gemeinsam mit mehr als 100.000 Mitstreitern aus der ganzen Welt in einem fünfstündigen Demonstrationszug durch Glasgow zu ziehen, heißt es seitens der BI in einer Mitteilung. Die Forderung sei deutlich gewesen: Die Regierungen dieser Welt sollen „ihrem Versprechen von Paris nun endlich Taten folgen lassen“. Gemeint ist hier das 2015 in Paris getroffene Abkommen zum Klimaschutz. „Es ist wichtig, dass wir Druck ausüben“, sagt Bernd Meyerer aus dem Vorstand der Bürgerinitiative im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Man kann so eine Demonstration nicht ignorieren“

Von der Wirksamkeit eines solchen Protestes ist er überzeugt. „Wir waren schon öfters bei solchen Demonstrationen dabei“, so Meyerer. Ferner verweist er auf die „Fridays for Future“-Bewegung in Deutschland, die durch Kontakte auf anderen Demonstrationen ebenfalls an Fahrt aufgenommen habe.

„Man kann so eine Demonstration nicht ignorieren“, sagt Meyerer mit Blick auf den „kilometerlangen Demonstrationszug“, der am Wochenende den Klimagipfel begleitet hat. Was sich in diesem Jahr als schwierig herausgestellt habe, sei die Anreise gewesen. „Wir wollten eigentlich mit dem Zug fahren“, so Meyerer. Die Buchung der entsprechenden Tickets habe sich aber aufgrund der Corona-Pandemie und der verschiedenen Vorschriften als unmöglich herausgestellt. Also sei man notgedrungen auf Auto und Schiff umgestiegen.

BI klagt erneut

Doch bei der Teilnahme an Demonstrationen bleibt es bei der BI bekanntermaßen nicht. Um eine Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen, klage die Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“ nun erneut zusammen mit „Mobilisation for the Environment“ aus den Niederlanden bei der Rechtbank Noord-Nederland gegen eine kürzlich von der Provinz Groningen erteilte neue Umweltgenehmigung für das RWE-Kraftwerk Eemshaven. Da in den Niederlanden ab 2030 keine Kohle mehr zur Energiegewinnung verbrannt werden darf, will man das Kohlekraftwerk in mehreren Schritten zu einem Biomasse-Kraftwerk umbauen, so die BI in einer Mitteilung. RWE bekomme für den Umbau seiner zwei Kohlekraftwerke in den Niederlanden insgesamt 2,68 Milliarden Euro an Subventionen vom Staat. Was sich auf Anhieb positiv anhört, stelle sich laut BI schnell als Mogelpackung heraus.

„Denn beim Verbrennen von Holz entsteht nach Berechnungen des Weltklimarates ein Drittel mehr klimaschädliches CO2“, heißt es. Für den Betrieb von nur einem Kohlekraftwerk werde mehr als doppelt so viel Holz benötigt, wie in den Niederlanden jedes Jahr nachwächst. Das Holz muss daher aus Amerika und der ganzen Welt angeliefert werden. Bei der Verbrennung von Biomasse entstehen sehr ähnliche Emissionen wie bei der Verbrennung von Kohle, allerdings sei der Anteil an Feinstaub größer als bei Kohle. „Es funktioniert nicht, jetzt einfach Kohlekraftwerke auf Biomasse umzustellen“, so Meyerer. Daher klagt die BI erneut.

Der Demonstrationszug zog sich über mehrere Kilometer durch die Stadt. Foto: privat/BI
Der Demonstrationszug zog sich über mehrere Kilometer durch die Stadt. Foto: privat/BI

Die ostfriesische Initiative hatte kürzlich zudem erreicht, dass die Genehmigung für das Müllheizkraftwerk von EEW Delfzijl erneut beantragt werden muss, da der Transport des Brennstoffes mit hunderten von Schiffen durch das Weltnaturerbe Wattenmeer nicht hinreichend in den Stickstoff-Bilanzen berücksichtigt worden ist. Das gleiche trifft nun auch auf die Anlieferung der Biomasse nach Eemshaven zu, so Bernd Meyerer von der Bürgerinitiative. Ein weiterer gewichtiger Klagegrund für die BI ist, dass RWE die Umstellung der Anlage ohne die Beantragung einer Naturschutzrechtlichen Genehmigung durchführen will. Somit würden die möglichen schädlichen Auswirkungen auf die deutsche Seite der Ems ein weiteres Mal nicht überprüft und bewertet.

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