Tourismus
Ab 2023 lockt Entspannung mit Blick auf den „Friesensee“
Der Campingplatz Isums soll in den kommenden Jahren zu einem familienfreundlichen Kleinod umgewandelt werden. Ein Restaurant am Wasser könnte auch Einheimische anziehen.
Wittmund - Touristen, die naturnahe Erholung in der gehobenen Campingsparte suchen, sollen ab 2023 am Wittmunder Stadtrand, in Isums, fündig werden. Die „Friesensee Touristik GmbH“ will aus dem seit Jahren brachliegenden Campingplatz mit einer Investition in Höhe von voraussichtlich zehn bis zwölf Millionen Euro ein familienfreundliches Kleinod machen. Sie setzt dabei auf eine Mischung aus Camping und Glamping. Letzteres ist ein glamouröser Zweig des Campings, der sich auf gehobene Ausstattung und außergewöhnliche Standorte sowie Übernachtungsmöglichkeiten spezialisiert. Die Anlage soll mit digitaler Technik ausgestattet werden und ihren Strom dafür selbst produzieren, erläuterten die Investoren. Hauptgesellschafter sind Jürgen Frechen, Geschäftsführer der Hoffmann Interior GmbH & Co. KG in Rosendahl-Holtwick im Münsterland, und Christian Janssen, Geschäftsführer der Firmengruppe Janssen in Middels.
Was und warum
Darum geht es: Der Campingplatz in Isums wird zur Ferienanlage.
Vor allem interessant für: Erholungsuchende
Deshalb berichten wir: Die Pläne der Investoren wurden erstmals 2020 bekannt. Damals sollte das Gelände für Angelurlaub erschlossen werden. Seither begleiten wir das Projekt. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Gemeinsam mit ihren an der Projektverwirklichung ebenfalls beteiligten Ehefrauen Lisa Frechen und Imke Janssen und mit dem Hamburger Architekten Holger Moths stellten die beiden Investoren kürzlich bei einem Ortstermin im Beisein von Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos) die Planung für die rund 25 Hektar umfassende Fläche neben dem Freibad Isums vor. Eine Planung, die sich in den vergangenen eineinhalb Jahren maßgeblich geändert hatte: Ursprünglich hatte Frechen im Jahr 2020 das Gelände gekauft, um aus dem sechs Hektar großen See einen sogenannten Besatzteich eines Angelparadieses zu machen. Das scheiterte an der Kompensation der Wasserfläche. Frechen sieht es mittlerweile gelassen: Der Boom der Campingbranche setze voraus, das auch auf der ostfriesischen Halbinsel mehr Stellplätze entstehen müssen. 2022 sollen die ersten Plätze fertiggestellt werden, die Öffnung des Platzes ist für 2023 geplant.
Platz für die viele neue Wohnmobile schaffen
Das Projekt geriet ins Stocken und schlug eine neue Richtung ein: Angeln wird hier zwar möglich sein, steht aber nicht mehr im Mittelpunkt. Das auf den Namen „Friesensee“ getaufte Areal wird zum Erholungsraum, vorrangig für Campingfans. Etwa 200 Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen sowie 170 Mobilheime werden in verschiedenen Ausbaustufen entstehen, kündigte Frechen an. Zur Infrastruktur gehören wie üblich Empfang, Shop und Sanitärgebäude für die Camper. Was ihn von vielen anderen Plätzen der Region unterscheiden wird, sind private Baderäume, die Gäste exklusiv anmieten können. Und ein Restaurant, das auch Einheimische auf den Platz locken. „Von dort wird man einen traumhaften Blick über den See haben“, unterstrich Moths.
Camping erfreut sich seit Jahren steigender Beliebtheit. Der Caravaning Industrie Verband, zu dem sich nahezu alle deutschen und europäischen Hersteller von Freizeitfahrzeugen zusammengeschlossen haben, meldet seit Jahren steigende Zulassungszahlen. Corona befeuerte den Trend zum Urlaub in den eigenen mobilen vier Wänden: „Seit Jahresbeginn steht ein Wachstum der Neuzulassungen von Reisemobilen und Caravans von 2,2 Prozent zubuche. Mit 90.245 neu zugelassenen Fahrzeugen erlebte die Caravaningbranche in diesem Jahr die erfolgreichsten ersten neun Monate ihrer Geschichte“, teilen die Hersteller mit. Fast 83.000 neue Wohnmobile wurden dieses Jahr bisher neu zugelassen. 2020 waren es knapp 70.000. Im Vergleich dazu waren es 2018 noch unter 46.000, 2019 schon mehr als 53.000 Fahrzeuge. Hinzu kamen seit diesem Jahresbeginn rund 26.000 Wohnwagen.
Wer nicht mit dem eigenen Fahrzeug anreist, kann auf Mobilheime setzen. Ein glamouröser Campingtrend, der andere Zielgruppen bedient als die, die beispielsweise mit eigenem Wohnwagen oder Zelt anreisen. Und auch die entdeckt Ostfriesland zunehmend, weiß Oliver Knagge von der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer: „Der Trend wurde in der Region recht früh erkannt. Wir sind bundesweit ziemlich weit vorn.“ Die Auswahl sei groß, die Nachfrage auch.