Osnabrück
Zum Corona-Fall von Nationalspieler Süle: Man darf Kimmich dankbar sein
Fußball-Nationalspieler Niklas Süle wird positiv auf Corona getestet - dann müssen vier weitere Stars das Quartier der Nationalelf verlassen, auch Joshua Kimmich. Ihm darf man dankbar sein, meint unser Kommentator.
Der positive Coronatest des doppelt geimpften Niklas Süle schickt vier weitere Topkicker in Quarantäne, auch Impfskeptiker Joshua Kimmich. Die Querdenker-Blase wettert daraufhin in den sozialen Netzwerken: Impfungen und Quarantäneregeln seien sinnlos. Dank der bemerkenswerten, maximal möglichen Offenheit in der Kommunikation seitens des DFB liegen allerdings einige Fakten vor, die den komplett gegenteiligen Schluss nahelegen.
Zuerst: Ein doppelt Geimpfter wird positiv getestet. Wer daraus die Unwirksamkeit von Impfungen folgert, noch dazu in einer Zeit, in der die Fallzahlen in der Gesellschaft so hoch sind wie nie, ignoriert wissenschaftlich belegte Tatsachen.
Süle war direkt zuvor quer durch Deutschland angereist in einer neunköpfigen Reisegruppe: Acht Bayern-Profis plus Karim Adeyemi aus dem nahen Salzburg. Wer nun in Quarantäne musste, hing ab von der Intensität des Austausches mit Süle sowie vom Impfstatus der Personen - wobei doppelt Geimpfte nicht mehr in Quarantäne müssen, wenn sie keine Symptome zeigen.
Das ist der Moment, in dem man Kimmich - ohne Ironie - dankbar sein darf dafür, dass er zuvor öffentlich erklärt hatte, nicht gegen Corona geimpft zu sein. Weniger deshalb, weil dies Rückschlüsse zulässt auf den Status seiner Mitreisenden Jamal Musiala, Serge Gnabry und Karim Adeyemi, die auch in Isolation gehen - im Gegensatz zu Thomas Müller, Manuel Neuer, Leroy Sané und Leon Goretzka.
Sondern vor allem deshalb, weil die vielbeachtete Entscheidung der Behörden das Vertrauen darauf stärkt, dass die Corona-Regeln für alle gelten. Auch für hochbezahlte Stars, die nun zwei Länderspiele verpassen, in denen sie hätten glänzen können. Und nun überlegen dürfen, ob es nicht bessere und einfachere Wege gibt, selbst aktiv mitzuarbeiten an dem über allem stehenden Ziel der Eindämmung der Pandemie, als nur tagelang tatenlos in Quarantäne rumzuhängen - mit der Angst, selbst zu erkranken oder gegebenenfalls das Virus an die eigenen Lieben weiterzugeben.