Verkehr
Emden: Autofahrer müssen sich auf neue Versuche einstellen
Die Stadt Emden hat erstmals eine Zeitschiene für Änderungen der Verkehrsführung in der Innenstadt vorgelegt und neue Tests angekündigt. Vorentscheidungen könnten schon an diesem Donnerstag fallen.
Emden - Verkehrsteilnehmer in Emden müssen sich in diesem und in den nächsten beiden Jahren wohl auf weitere Experimente in der Innenstadt einstellen. Sie sind Teil der Gesamtstrategie für den Wandel weg von klassischen Einkaufsmeilen hin zu attraktiven Orten mit einem Mix aus Gastronomie, Handel, Kultur und Veranstaltung, die die Stadtverwaltung am Montagabend in der Nordseehalle bei dem ersten Bürgerdialog zum Verkehr in der Innenstadt vorstellte.
Was und warum
Darum geht es: Die Emder Innenstadt steht am Anfang eines tiefgreifenden Strukturwandels.
Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher Emdens sowie Verkehrsteilnehmer, die in der Stadt mit dem Auto, mit dem Bus, mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind, sowie alle, die sich für die Zukunft der Innenstädte interessieren.
Deshalb berichten wir: Am Montagabend richtete die Stadt den ersten Bürgerdialog zum Verkehr in der Innenstadt aus. Das Thema war zuletzt heftig umstritten. Wir haben die Veranstaltung verfolgt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), die neue Stadtbaurätin Irina Krantz, Chef-Stadtplaner David Malzahn, Innenstadt-Koordinatorin Martje Merten und Hinrich Post von der Straßenverkehrsbehörde legten dabei erstmals auch einen groben Zeitplan für den bereits seit Monaten laufenden Versuch in der Neutorstraße sowie für neue Experimente auf dem Rathausplatz und der Straße Am Delft vor. Demnach sollen sie noch etwa bis Mitte des Jahres 2024 dauern, bevor es möglicherweise an die endgültige Umsetzung neuer Verkehrsführungen geht.
OB: Mensch soll im Vordergrund stehen
Alle Versuche haben zum Ziel, den Verkehr auf diesen Hauptachsen der Innenstadt zu beruhigen, den Durchgangsverkehr zu verdrängen sowie Fußgängern und Radfahrern mehr Raum zu geben. „Im Vordergrund soll künftig der Mensch und nicht das Auto stehen“, sagte Kruithoff. Die Stadt wolle aber „das Auto nicht verteufeln, sondern an den Rand bringen.“
In der Neutorstraße soll im Abschnitt zwischen Agterum und Rathausplatz am 20. Dezember die zweite von drei Stufen des Modellversuchs gestartet werden. Von diesem Tag an können Autofahrer die Straße nur in Richtung Rathaus befahren, also in umgekehrter Richtung wie zurzeit. Ursprünglich sollte die Verkehrsführung bereits am 6. Dezember geändert werden. Warum der Termin um zwei Wochen verschoben wurde, ließ die Stadtverwaltung offen.
Auch am Delft geht‘s bald los
Am Delft soll es noch in diesem Jahr losgehen - und zwar zunächst phasenweise anlässlich von Veranstaltungen, wie es beim Bürgerdialog hieß. Ein längerer Modellversuch soll sich dort etwa Mitte des kommenden Jahres anschließen. Details nannte die Stadtverwaltung nicht. Noch stehen alle Planungen auch unter einem Vorbehalt. Denn zunächst muss sich die Politik damit befassen und grünes Licht geben.
Eine Vorentscheidung könnte es bereits an diesem Donnerstag geben, wenn sich der Ausschuss des Emder Rates für Stadtentwicklung und Umwelt mit den Verkehrsexperimenten beschäftigen wird. Bei dieser Sitzung sollen auch die Ergebnisse eines neuen Verkehrsgutachtens vorgestellt werden. Der Rat der Stadt soll sich am 16. Dezember noch einmal mit dem Thema beschäftigen und die Weichen für das weitere Vorgehen stellen.
Kruithoff will jetzt handeln
Während des Bürgerdialogs bekräftigte der Oberbürgermeister noch einmal seine Auffassung, dass die Verkehrsexperimente in der Innenstadt keinen Aufschub dulden. „Wir können nicht damit warten, bis die Trogstrecke fertig ist“, sagte Kruithoff. Vielmehr müsse Emden seine strategischen Vorteile jetzt nutzen.
Sie lägen unter anderem in vielen kleinen Ladenflächen, die individuell gestaltet werden könnten. Größere Läden, an denen es mangele, hätten hingegen an Bedeutung verloren. Zudem müsse die Finanzlage der Stadt berücksichtigt werden, meint der Verwaltungschef. In den nächsten Jahren würde es nämlich „nicht einfacher“ werden, den Umbau der Innenstadt finanziell zu stemmen.
Fahrrad ist bei Emdern beliebt
An der Präsenzveranstaltung unter 2G-Bedingungen in der Nordseehalle nahmen knapp 70 Besucherinnen und Besucher teil. Im sozialen Netzwerk Facebook verfolgten bis zu 178 Nutzer zeitgleich die Live-Übertragung, bei Youtube sahen das Video bis zum Dienstagnachmittag mehr als 1000 Leute.
Die Teilnehmer konnten über eine interaktive Plattform auch an einer Befragung zum Thema teilnehmen. Dabei kam unter anderem heraus, dass das Fahrrad für die Emderinnen und Emder das wichtigste Verkehrsmittel ist. Dieses Ergebnis ist allerdings nicht repräsentativ. Bei den Wünschen wurde eine autofreie Innenstadt mit am häufigsten genannt. Die ganz große Mehrheit der Teilnehmer an der Umfrage gab an, dass ihnen die Veranstaltung gefallen habe.
Interview: „Eingriff in die sogenannte individuelle Freiheit“
Es lebe die Erlebnisstadt!
Laut Kruithoff war dieser Bürgerdialog nur der erste Aufschlag. An den weiteren Prozessen sollen die Bewohnerinnen und Bewohner ebenfalls beteiligt werden. Die Stadtverwaltung kündigte auch eine neue Mobilitätsbefragung an, die Aufschlüsse darüber geben soll, wie der öffentlichen Nahverkehr in der Innenstadt verbessert werden kann.