Klima

Geplanter Moorschutz: Noch ist alles völlig vage

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 10.11.2021 14:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Torfabbau in Marcardsmoor mit Blick vom Grünen Weg auf die Zweite Reihe: In der Nachbarschaft dieser Flächen ist, mit Land, Stadt und Ortsbewohnern in einem Kompromiss vereinbart, weiterer Torfabbau beantragt worden. Foto: Cordsen
Torfabbau in Marcardsmoor mit Blick vom Grünen Weg auf die Zweite Reihe: In der Nachbarschaft dieser Flächen ist, mit Land, Stadt und Ortsbewohnern in einem Kompromiss vereinbart, weiterer Torfabbau beantragt worden. Foto: Cordsen
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Kürzlich haben Bund und Länder erklärt, die Moore und damit das Klima besser schützen zu wollen. Auf Nachfrage wird nun deutlich: Mit konkreten Zeitplänen verbunden ist das offenbar noch nicht.

Wiesmoor - Zahnloser Tiger? Heiße Luft? Die politische Willensbekundung, die Moore zu schützen und trocken gelegte Flächen wiederzuvernässen, ist da – sie bleibt aber vorerst weitgehend folgenlos. Vor Kurzem haben Bund und Länder eine gemeinsame Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz abgenickt. Man wolle möglichst viele der verbliebenen Hochmoorflächen in Deutschland schützen und wiedervernässen, hieß es. Weil entwässerte und im Abbau befindliche Flächen CO2 freisetzen, will man hier eingreifen und Areale wieder unter Wasser setzen, um den Ausstoß des klimaschädlichen Gases zu verringern.

Was und warum

Darum geht es: Die Moorschutzpläne von Bund und Ländern lassen viele Fragen unbeantwortet.

Vor allem interessant für: Landwirte, die Flächen auf Moorböden nutzen, Klimaschutz-Interessierte, Anrainer von Torfabbauflächen

Deshalb berichten wir: Bund und Länder haben vor wenigen Wochen eine Zielvereinbarung getroffen, mehr Moorböden wiedervernässen zu wollen, um das Klima zu schützen. Wir haben nachgefragt, wie das konkret aussehen soll.

Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de

Laut der Deutschen-Presseagentur haben Bund und Länder sich in der auch darauf verständigt, dass keine neuen Abbauanträge mehr genehmigt werden sollen. Unsere Redaktion hat daraufhin in Hannover nachgefragt, was das konkret für Ostfriesland bedeuten könnte und eventuell auch für Marcardsmoor, wo auf insgesamt rund 85 Hektar zusätzlicher Fläche an zwei Standorten im Dorf zusätzlich abgetorft werden soll und entsprechende Anträge zur Genehmigung beim Landkreis Aurich vorliegen.

Keine Angaben zum Zeitplan

Auswirkungen darauf wird die Absichtserklärung der Bundes- und Landespolitiker kaum haben: Es handelt sich laut Umweltministerium „um eine politische Willensbekundung, nicht jedoch um eine verbindliche Vereinbarung rechtlich verpflichtender Maßnahmen“. Entsprechend ergeben sich daraus auch „keine unmittelbaren Auswirkungen“ auf Anträge zum Torfabbau und diesbezügliche Genehmigungen nach der aktuellen Praxis. „Für eine Reglementierung des Torfabbaus wäre zunächst eine Anpassung der Rechtslage erforderlich.“ Wie sieht der Zeitplan dafür aus? Ab wann könnte es dazu kommen? Ab wann sollen Regelungen greifen und zu Recht werden? Dazu teilte das Land auf Nachfrage nichts mit. Allerdings stellt das Umweltministerium klar: „In der Bund-Länder-Zielvereinbarung wird zudem klargestellt, dass die bisherigen Genehmigungen unberührt bleiben.“

Der Wiesmoorer Torfabbau-Gegner Edgar Weiss hatte sich beispielsweise unlängst noch hoffnungsvoll gezeigt, die neue Abmachung könnte schnell in geltendes Recht überführt werden, rasch greifen und dann womöglich aktuelle Abbau-Pläne in Ostfriesland noch verhindern. Wobei solch ein Eingreifen in Genehmigungsprozesse, deren Anträge auf der Basis von geltendem Recht entstanden sind, auch zu massiven Schadenersatzforderungen hätte führen können.

Erhebliche CO2-Emissionen

Insgesamt kommen in Niedersachsen rund 200.000 Hektar Hochmoorböden vor, sei es naturnah, wiedervernässt oder entwässert. Aktuell werden landesweit mehr als 8000 Hektar Fläche noch abgetorft, für Ostfriesland liegen hierfür keine aktuellen Zahlen in Hannover vor. In der Region geht es bei Anträgen für weiteren Torfabbau aber noch einmal um Flächen von insgesamt 760 Hektar, teilt das Ministerium mit.

In Moorböden sind gigantische Mengen CO2 gespeichert. Sie setzen das Treibhausgas aber auch wieder frei, sofern die Flächen nicht mehr unter Wasser stehen. Das geschieht beim Torfabbau in deutlich schnellerem Maße, aber auch etwa entwässertes, landwirtschaftlich genutztes Hochmoorgrünland „gast aus“. Nach einer Berechnung im Rahmen des Programms „Niedersächsische Moorlandschaften“ aus dem Jahr 2016 betragen die Treibhausgas-Emissionen aus Moorböden und weiteren kohlenstoffreichen Böden mit Bedeutung für den Klimaschutz, die zusammen etwa 13 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Land ausmachen, insgesamt 10,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Das sind etwa elf Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Dazu kommen noch 1,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr aus der Torfnutzung, so das Ministerium.

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