Serie „Das kostet!“

Ein Verstoß gegen das Schnitzellimit kostet zehn Euro

| | 09.11.2021 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Klassiker in den Strafenkatalogen vieler Fußballteams: Wer im Eckchenspiel den Ball durch die Beine gespielt bekommt, muss einen kleinen Geldbetrag bezahlen. Für Verspätungen, Unsportlichkeiten oder gar unentschuldigtes Fehlen sind da ganz andere Summen fällig. Foto: Homes
Der Klassiker in den Strafenkatalogen vieler Fußballteams: Wer im Eckchenspiel den Ball durch die Beine gespielt bekommt, muss einen kleinen Geldbetrag bezahlen. Für Verspätungen, Unsportlichkeiten oder gar unentschuldigtes Fehlen sind da ganz andere Summen fällig. Foto: Homes
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Innerhalb Sportteams gelten gewisse Regeln. Wer sich nicht dran hält, wird zur Kasse gebeten. In einer Serie stellen wir Kuriositäten aus Strafenkatalogen vor – und beginnen mit dem vom OHV Aurich.

Ostfriesland - Der Strafenkatalog – er ist so etwas wie die Zehn Gebote bei Sportmannschaften. Die allermeisten Seniorenteams aus Ostfriesland haben einen geltenden Strafenkatalog – die Gründe dafür sind vielfältig. Das größte Anliegen besteht sicherlich darin, dass Recht und Ordnung innerhalb einer Mannschaft und deren Kabine herrscht. So ist für verspätetes Erscheinen, Sachen vergessen oder das Tragen falscher Klamotten in der Regel ein kleiner, festgeschriebener Geldbetrag fällig.

Die Strafgelder summieren sich, nicht bei wenigen Teams kommt über eine Saison ein hoher dreistelliger Betrag zusammen, der bei Feten und Fahrten gerne mal auf den Kopf gehauen wird. Der finanzielle Vorteil durch einen Strafenkatalog darf also nicht außer Acht gelassen werden. Auch ein dritter Aspekt ist zu berücksichten, nämlich die Stimmung der Mannschaft. Der Strafenliste ist wöchentlich Gesprächsthema innerhalb der Mannschaft, sorgt regelmäßig für Lacher. Erst recht, wenn Kuriositäten im Katalog mitaufgenommen sind. Genau solchen Besonderheiten in Strafenkatalogen von Sportteams aus Ostfriesland widmet unsere Zeitung nun eine Serie. „Das kostet!“ heißt diese. In der ersten Folge durchleuchten wir, wofür beim Handball-Drittligisten OHV Aurich in die Mannschaftskasse eingezahlt werden muss.

Die ausgefallensten Strafen

Im Strafenkatalog der OHV-Mannschaft werden gleich mehrere originelle Aspekte aufgeführt – zum Beispiel das „Schnitzellimit überschreiten“. Nach den Spielen gibt es für die OHV-Spieler Schnitzel, für jeden sind zwei vorgesehen. Wer schon zu einem dritten Stück greift, bevor jeder seine Anspruch geltend gemacht hat, muss dafür blechen. Zehn Euro ist für dieses „Vergehen“ an Strafgeld vorgesehen. Für das OHV-Team gilt in der kalten Jahreszeit draußen zudem eine Mützenpflicht nach Trainingseinheiten und Spielen. „Den genauen Zeitpunkt der Pflicht bestimmt Trainer Arek Blacha“, sagt Torwart und Kassenwart Frederick Lüpke. „Von Oktober bis Ostern trifft es ganz gut.“ Fünf Euro kostet es den Spieler, wenn er die Mütze nicht auf hat. „Manchmal muss man echt aufpassen, dass man die Mütze erst im Auto absetzt“, sagt Lüpke. „Wir haben da so unsere Spezialisten“, möchte der 26-Jährige keine Namen nennen.

Frederick Lüpke ist seit dieser Spielzeit Kassenwart beim Handball-Drittligisten Aurich. Foto: Ortgies
Frederick Lüpke ist seit dieser Spielzeit Kassenwart beim Handball-Drittligisten Aurich. Foto: Ortgies

Ausgefallen ist auch die „Strafe“ für das 30. Tor des OHV Aurich in einem Spiel. Dafür ist eine Kiste Bier fällig. „Sollte ein Spieler einen Wurf zum 30. Tor offensichtlich verweigern oder verwerfen, gilt das als Vorsatz und wird ebenfalls mit einer Kiste Bier bestraft“, sagt Frederick Lüpke. „Im Spiel ist man meist so fokussiert, dass man hinterher in der Kabine sitzt und sich fragt, wer das 30. Tor überhaupt geworfen hat.“ Die Strafe für den Fußball an die Hallendecke schießen beim Training wurde mittlerweile aus dem Strafenkatalog genommen. „Wir spielen zweimal die Woche im Training Fußball – und dann Jung gegen Alt. Für den Ball an die Decke schießen gibt es ohnehin einen freien Schuss von der Mittellinie aufs leere Tore. Da ein Team bei zehn Niederlagen ein Fest schmeißen muss, ist ein Deckentreffer Strafe genug“, begründet Frederick Lüpke.

Die Höchststrafe

Die höchste Strafsumme beim OHV – satte 250 Euro – ist für das unentschuldigte Verpassen eines offiziellen Termins fällig. Dazu gehört neben Spielen beispielsweise auch, wenn ein Sponsor zu einem Tag der offenen Tür eingeladen hat. „Der Betrag geht in die Mannschaftskasse. Möglicherweise kommt dazu noch eine disziplinarische Strafe. Denn wir haben alle Angestelltenverträge beim Verein“, sagt Frederick Lüpke.

Auch unentschuldigtes Fehlen beim Training wird mit 100 Euro richtig teuer. Eine blaue Karte (Disziplinarkarte) kostet den Spieler 150 Euro. „Diese krassen Dinge sind in den fünf Spielzeiten, in denen ich jetzt schon beim OHV bin, aber noch nicht vorgekommen“, betont Lüpke.

Der Kassenwart

Zu dieser Saison hat Torwart Frederick Lüpke das Amt von Wilke de Buhr übernommen. Lüpke führt zu jedem Spieler eine Strafen-Liste in einem Notizbuch – aktualisiert sie entsprechend nach jeder Einheit teils noch in der Kabine. „Für diesen Job muss man schon irgendwie schadenfroh sein und auch die Kleinigkeiten eintragen, ehe sie vergessen werden“, sagt Lüpke, der in Wilhelmshaven Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Zu Beginn eines Monats schickt der 26-Jährige seinen Mitspielern eine Auflistung, wie viel sie vom Vormonat bezahlen müssen. Dann haben sie zwei Wochen Zeit, die Summe Lüpke in bar zu geben. Den Posten als Kassenwart hat Wilke de Buhr abgetreten, „Bierwart“ bleibt er aber. Er behält die Übersicht darüber, welcher Spieler – sei es für ein neues Auto, einen Umzug, einen Geburtstag, etc. – noch eine Kiste Bier ausgeben muss. Das Amt „Sauber-Zauber“ hat Kevin Wendlandt inne. Er passt auf, dass die Auricher Spieler die Halle, die Kabine und den Bus sauber verlassen – bleibt was liegen, kostet es den Spieler fünf Euro.

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