Hamburg

Max Giesinger: „Die glücklichste Zeit seit Jahren“

Dagmar Leischow
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Von Dagmar Leischow
| 09.11.2021 16:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Max Giesinger. Foto: Christoph Köstlin
Max Giesinger. Foto: Christoph Köstlin
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Im Interview spricht der Musiker über sein neues Album, coole Frauen, seine erfolgreiche Pause von Social Media und darüber, ob er sich in Hamburg noch wohlfühlt.

Obwohl Max Giesinger in immer größeren Hallen auftritt, ist der Sänger erstaunlich bodenständig geblieben. Beim Interview im Bullerei Studio im Hamburger Schanzenviertel bietet der 33-Jährige Bananenbrot an, ein Kumpel von ihm hat es gebacken. Dazu gibt es Cappuccino mit Hafermilch. Denn der Wahlhamburger hat sich angewöhnt, mehr auf sich und seine Ernährung zu achten. Vielleicht sind die Songtexte seines am Freitag erscheinenden Albums „Vier“, die eingängiger Pop umschmeichelt, deshalb so nachdenklich.

Herr Giesinger, während des Lockdowns wurde jeder auf sich zurückgeworfen. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Ich hatte zum ersten Mal richtig Zeit, all das, was sich bei mir beruflich getan hat, sacken zu lassen. Nach fünf turbulenten Jahren tat mir ein bisschen Ruhe gut. Ich bin total runtergekommen. Aber nach zwei, drei Wochen direkt wieder das Bedürfnis, Songs zu schreiben - ohne durch irgendwelche TV-Shows oder Interviews aus dem Kreativmodus gerissen zu werden. Das hat meinen Liedern gutgetan. Ich bin noch etwas tiefer gegangen.

Bedeutet das, Sie sind ganz gut ohne Auftritte klargekommen? Aus den sozialen Medien haben Sie sich ebenfalls eine Weile komplett zurückgezogen...

Ich hätte gedacht, dass ich das Musikerleben und die permanente Social-Media-Bestätigung mehr vermissen würde. Tatsächlich hatte ich aber in den vier, fünf Monaten, in denen ich off war, phasenweise die glücklichste Zeit seit Jahren. Das hat mir gezeigt: Ich habe zwar einen wunderschönen Beruf, aber mein Glück ist anscheinend nicht davon abhängig. Lange Zeit war das nämlich so. Natürlich war ich auch in einer luxuriösen Situation, weil ich über die letzten Jahre ein bisschen was gespart hatte. Da konnte ich guten Gewissens mehrere Wochen in Portugal abhängen und surfen.

Was macht Sie heute wirklich glücklich?

In der Natur zu sein. Mich mit guten Menschen zu umgeben und eine gute Partie Tischtennis.

Eines Ihrer Lieder heißt „Berge“. Zieht es Sie eher ins Gebirge als ans Meer?

Berge, Meer mit Klippen - ich will da jetzt gar kein Ranking aufstellen. Die beste Konstellation wäre vielleicht ein Haus am See mit Bergen im Hintergrund. Morgens könnte man dann gleich raus aufs Wasser zum Stand-Up-Paddling.

Sie sind in einem Dorf aufgewachsen, wohnen aber in Hamburg. In dem Stück „Irgendwann ist jetzt“ offenbaren Sie, dass Sie sich vorstellen könnten, wieder aufs Land zu ziehen.

Ich denke des Öfteren darüber nach. Andererseits habe ich in der Stadt einen sehr stabilen Freundeskreis mit tollen Leuten. Die würde ich sicher vermissen. Doch wir unterhalten uns schon darüber, irgendwo eine Kommune aufzubauen. Eine Family und Kids könnten mir irgendwann bestimmt zusätzliche Stabilität geben. Es hat ja einen Grund, warum dieses Modell bereits so lange erfolgreich ist.

Dennoch singen Sie in dem Titel „Deine Zweifel“: „Ich tu mich schwer zu vertrauen. Wird es mir zu eng, muss ich gehen.“

Dieses Gefühl löst sich langsam auf, ich befinde mich gerade in einer Hybridphase. In der Vergangenheit war es so: Wenn da eine coole Frau war und sich eine krasse Nähe aufzubauen schien, habe ich gesagt: „Okay, tschüss!“ Ich wollte nicht so viel Verantwortung für die Emotionen haben. Allmählich erkenne ich aber, dass das etwas sehr Schönes sein kann. Gerade in meinem verrückten Musikerleben tut es mir gut, eine Person zu haben, bei der ich nicht der Max Giesinger sein muss, der in der Öffentlichkeit steht. Für die ich einfach immer cool bin - egal was gerade passiert. Das ist sehr befreiend.

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