Greven

FMO: Wenn Luftfracht nicht immer per Flugzeug kommt und geht

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 09.11.2021 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Foto: FMO
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Insgesamt 12.000 Tonnen Luftfracht sollen in diesem Jahr am Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) abgefertigt werden. Nicht alles verlässt den Flughafen wirklich per Flugzeug. Warum Unternehmen die Infrastruktur schätzen.

Sportklamotten aus Vietnam befinden sich laut Aufschrift in einigen Kartons. Andere beinhalten Kühlbehältnisse mit Embryonen aus den USA für die Rinderzucht in Deutschland. In wiederum anderen der braunen Pappboxen im Lagerhaus der Wisag FMO Cargo Service GmbH & Co. KG neben dem Terminal des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) befinden sich Pflanzen. Für sie geht es von Greven aus nach Japan.

Noch sind Mitarbeiter jedoch damit beschäftigt, den Laderaum eines Lkw zu entladen. Es ist wieder Ware in Pappkartons. Das sei typisch, sagt Margot Kriege. Sie ist Geschäftsführerin der Wisag FMO Cargo Service GmbH & Co. KG. Doch auch ein deutlich größeres Frachtstück für die Erdgas- und Erdölindustrie steht verzurrt in der Lagerhalle und wartet darauf, weiter auf die Reise zu gehen.

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Allzeithoch am FMO lag bei mehr als 17.000 Tonnen Waren

Vor der Corona-Pandemie wickelte der FMO zuletzt 15877 Tonnen Fracht ab. Zum Vergleich: Am Flughafen Frankfurt waren es 2019 etwas mehr als zwei Millionen Tonnen. Das Allzeithoch in Greven lag 2018 bei 17.519 Tonnen. Im Pandemie-Jahr 2020 waren es deutlich weniger. Doch die Wirtschaft zieht wieder an, beobachtet man im Lager am Flughafen. „In den vergangenen drei Monaten hat das Frachtvolumen wieder deutlich mehr geworden“, sagt Margot Kriege. 1200 Tonnen habe die Wisag jeweils pro Monat abgefertigt. „Etwas mehr als die Hälfte, 750 Tonnen Ware, gehen davon in den Export“, so Kriege. Insgesamt geht die Wisag-Geschäftsführerin davon aus, dass im Jahr 2021 wieder die 12.000 Tonnen Fracht geknackt werden.

Obwohl von Luftfracht am FMO die Rede ist, landet nur ein sehr geringer Teil der Waren tatsächlich in einem der Flugzeuge auf der Landebahn des Flughafens. „Etwa 98 Prozent kommen und gehen per Luftfrachtersatzverkehr mit dem Lkw“, so Kriege. Getruckte Luftfracht nennt sich das. Der Grund dafür ist für die Wisag-Geschäftsführerin in Greven ganz einfach. „Bei uns landen keine B-747 oder andere große Frachtflugzeuge.“

Für 100 Airlines tätig - doch nicht jede Ware fliegt den ganzen Weg

Diese Lkw-Verkehre operieren jedoch unter einer Flugnummer der Airlines - für knapp über 100 von ihnen sei der FMO tätig, macht Margot Kriege die Bedeutung deutlich. Die Lkw machten sich von Greven aus auf den Weg zu nationalen und internationalen Luftfracht-Hubs wie Frankfurt und München oder Düsseldorf und Amsterdam oder Luxemburg machen - oder kämen von dort. „Wie bei ,echter' Luftfracht kann Platz auf einem solchen Lkw gebucht werden“, erklärt die Wisag-Geschäftsführerin.

Das Angebot nutzen nicht nur Unternehmen aus dem Raum Münster und Osnabrück, sondern auch aus Ostwestfalen, wie Kriege betont. Eines dieser Unternehmen aus OWL ist die Gerry Weber AG aus Halle. „Bei Gerry Weber wickeln wir primär Ware aus der Türkei via FMO ab. Aber auch Ware aus Asien wird über den FMO geroutet“, heißt es seitens des Modekonzerns auf Anfrage. Ein Teil der Ware für Gerry Weber gehört auch zu den 2 Prozent, die auch tatsächlich per Flugzeug am FMO landen. „Teilweise wird aber auch via Frankfurt zum FMO geroutet.“ Doch die geografische Lage beziehungsweise die Nähe und Performance des Flughafens in Greven würden den Standort als Drehkreuz besonders wertvoll machen.

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Unterschiedliche Branchen nutzen den FMO

Die Textilindustrie ist einer der Wirtschaftszweige, die Margot Kriege zufolge vor allem den FMO nutzen. Aber auch die chemische Industrie, die Pharma- und Möbelindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau seien stark mit Fracht vertreten. Lebensmittel hingegen werden Kriege zufolge eher weniger über den Flughafen an der A1 abgewickelt, doch ab und zu rieche es in der 2500 Quadratmeter großen Lagerhalle auch schon mal nach Gewürzen. „Unser Kerneinzugsgebiet erstreckt sich auf einen Umkreis von rund 150 Kilometern“, so Kriege.

In diesem Umkreis liegt auch der Maschinenbauer Windmöller & Hölscher (W&H) aus Lengerich. An diesem Tag steht eine mannshohe Kiste im Lager am FMO, die in die USA geflogen wird. „Für W&H als Maschinenbauer mit über 90 Prozent Umsatz außerhalb Deutschlands hat der Flughafen Münster/Osnabrück zwei enorm wichtige Bedeutungen“, erklärt CEO Peter Steinbeck.

Mehr als 300 Servicetechniker von W&H fliegen ab FMO

Zum einen sei das die gute Erreichbarkeit des Technologiezentrums zur Präsentation und zum Test von Produkten für die weltweiten Kunden des Unternehmens. Immerhin rund 5000 Besucher kommen Steinbeck zufolge pro Jahr. Hinzu kommt: Für die mehr als 300 W&H-Servicetechniker aus Lengerich ist der FMO Startpunkt für weltweite Einsätze. „2019 waren dies rund 1700 Flüge vom FMO, der Großteil zu europäischen oder interkontinentalen Zielen“, sagt Steinbeck. In 2020 sei das Flugaufkommen aufgrund der Corona-Situation deutlich geringer ausgefallen.

Insofern sagt auch Margot Kriege: „Gäbe es den FMO nicht, würde das für Unternehmen einen deutlichen Mehraufwand bedeuten.“ Zumal die Abfertigung an einem kleinen Flughafen wie in Greven deutlich schneller gehe als in einem Logistik-Hub wie Frankfurt. „Auch der Zoll direkt nebenan ist für Firmen ein Vorteil“, so die Wisag-Geschäftsführerin.

Montags wird vor allem Importware abgewickelt

Ob das auch für die Ware in der mannshohen Holzkiste eine Rolle spielt? Laut CEO Steinbeck bietet der Flughafen Münster/Osnabrück die „äußerst wichtige Infrastruktur, Luftfracht täglich zu übernehmen“. Wie auch bei Gerry Weber gilt jedoch: Nicht alles ist von Anfang an direkt geladene Luftfracht. Der Anteil sei aufgrund des derzeitigen Flugplans eher gering, so Steinbeck. „Doch insbesondere von den ansässigen Spediteuren am FMO profitiert W&H“, betont er. Der FMO fungiere so als Annahmestelle und bietet durch den Weitertransport den täglichen Anschluss an alle weltweiten Destinationen. Und: „Das vorhandene Netzwerk ist auch in der Lage, kurzfristig ungeplante oder zeitkritische Sendungen zu übernehmen.“

Diesen Montagmorgen sei es vor allem Importware, die abgewickelt werde, sagt Wisag-Geschäftsführerin Margot Kriege. Am Wochenende würden viele Interkontinentalfrachter in Deutschland und den Nachbarländern landen. 14 Mitarbeiter arbeiten aktuell im Lager. Vor Corona waren es etwas mehr. Dass lediglich 2500 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung stünden - viele Supermärkte sind größer - ist Kriege zufolge nicht schlimm. „Nur ein Bruchteil dessen, was heute angeliefert wird, ist morgen noch hier. Daher reicht der Platz.“

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