Hafenviertel

Immer noch dicht: Hafenkiste kommt nicht aus der Kiste

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 09.11.2021 09:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Hafenkiste besticht mit rustikalem Charme. Foto: Archiv
Die Hafenkiste besticht mit rustikalem Charme. Foto: Archiv
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Für eine Öffnung des seit fast einem Jahr geschlossenen Restaurants am Hafen sieht Betreiber Ewald Maas keine Perspektive. Es fehle an Personal. In der Politik wird diese Haltung kritisch betrachtet.

Aurich - Über dem Auricher Hafen hängen am frühen Morgen noch Herbstnebel. Der Ausflugsdampfer MS „Aurich“ hat seinen Dienst eingestellt, Tret- und Ruderboote sind eingelagert, die Saison ist vorbei. Für das Restaurant Hafenkiste hat sie gar nicht erst angefangen. Die Gaststätte ist jetzt seit fast einem Jahr coronabedingt geschlossen und wird es auch auf nicht absehbare Zeit bleiben. Dem Betreiber Ewald Maas von der Auricher Firma Marema fehlt das Personal: „Wir haben über alle erdenklichen Kanäle versucht, Mitarbeiter zu gewinnen. Wir benötigen Servicekräfte, einen Küchenchef und Köche, insgesamt sechs bis sieben Personen.“

Er habe zwar die „ein oder andere Bewerbung erhalten“, das nütze aber nichts. „Diejenigen, die sich für einen Job bei uns interessieren, sind noch in Lohn und Brot. Es würde eine Weile dauern, bis die zur Verfügung stünden“, sagte der Unternehmer. Um nach einem Jahr wieder den Betrieb aufnehmen zu können, müsse man erst ein funktionierendes Team bilden.

Keine Ende in Sicht

Der Mangel an Personal für die Gastronomie wird bundesweit beklagt. Etliche Restaurants mussten schon Gäste abweisen, weil sie nicht bedient werden konnten. Besonders drastisch ist das Problem dort, wo auch ein Hotelbetrieb geführt wird. „Da haben in der Regel die Hotelgäste Vorrang, wenn es um die Vergabe von Tischen geht“, sagte ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Die Folge: Fast jedes zweite Restaurants habe seine Öffnungszeiten eingeschränkt, indem es den Mittagstisch nicht mehr anbietet oder die Zahl der Ruhetage ausweitet. Ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht, weil viele Kellnerinnen und Köche sich monatelanger Kurzarbeit und unsicheren Aussichten im Job in anderen Branchen etabliert haben.

„Das kann ich niemand verdenken“, sagt Ewald Maas. Er würde in einer ähnlichen Situation ebenso reagieren. In dieser Woche habe sich die Zahl der Corona-Infizierten auf einen Höchststand zubewegt. Kaum jemand verspüre wahrscheinlich Lust in dieser unsicheren Situation einen Jobwechsel zu vollziehen. Das Positive an der Entwicklung: Mehr als die Hälfte der Betriebe bezahlt seinen Mitarbeitern mehr Lohn. Wäre das auch ein Weg für Ewald Maas? „Wir zahlen bereits sehr gut“, sagt er. Damit könne man auch keine neuen Mitarbeiter herbeizaubern.

Stadt sind die Hände gebunden

A propos Geld: Wie nimmt es die Stadt auf, dass eine Immobilie ihrer Tochtergesellschaft, der Auricher Hallen- und Bäderbetriebsgesellschaft (abh) leer steht? Dass der ursprüngliche Zweck, der 2018 mit der teuren Modernisierung des Gebäudes verbunden war, nämlich die Belebung des Hafenviertels, jetzt konterkariert wird? Zu dieser Frage möchte Bürgermeister Horst Feddermann keine Stellung beziehen: „Das ist eine unternehmerischer Angelegenheit, die wir nicht beurteilen können.“ Die Stadt sei froh, dass Ewald Maas sich in engagiere. Er betreibe unter anderem die Stadtperle an der Kirchdorfer Straße. Die sei schließlich geöffnet, so der Bürgermeister. Die Pacht werde regelmäßig gezahlt. Auf die Entscheidungen des Betreibers wolle man keinen Einfluss nehmen, sagte Horst Feddermann.

Deutlicher wird SPD-Ratsfrau Ingeborg Hartmann-Seibt: „Das ist ein Trauerspiel.“ Den ganzen Sommer hindurch sei die Hafenkiste geschlossen gewesen: „Dort liegen ja auch viele Boote, der Wohnmobilstellplatz ist in der Nähe. Wir wollten mit der Gaststätte einen touristischen Anlaufpunkt schaffen.“ Dafür habe man unter anderem für 23.000 Euro im Mai 2020 ein zehn Meter hohes Seezeichen restauriert, 650.000 Euro hatte die Erneuerung der Steganlage gekostet.

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