Osnabrück
Migration: Konsequenter Außengrenzschutz ist nicht unmenschlich
In der Auseinandersetzung Polens mit Belarus um Migranten zeigt sich, wie wichtig ein entschiedener Schutz der EU-Außengrenzen ist. Und da gibt es noch viel Luft nach oben.
Was sich seit gut zwei Monaten an der polnischen Grenze zu Belarus abspielt, ist eine Tragödie. Nicht nur für die Menschen, die verzweifelt versuchen, von dort in die EU zu gelangen, aber unter Gefahr für Leib und Leben im Nirgendwo des Grenzlandes stranden.
Es ist auch eine Tragödie für die EU, die sich von einem zynischen Diktator vorführen lässt und es mal wieder nicht schafft, einem Mitgliedsland frühzeitig und angemessen bei der Bewältigung illegaler Einwanderung zur Seite zu stehen.
Erinnerungen an 2015 werden wach
Auch von Berlin müsste Warschau mehr Unterstützung erfahren. Schließlich will die große Mehrheit der über Belarus kommenden Migranten respektive Flüchtlinge nicht in Polen bleiben, sondern weiter nach Deutschland. Die aktuellen Bilder von der polnisch-belarussischen Grenze sind fast so verstörend wie die von 2015 als hunderttausende Menschen auf der Balkanroute Richtung Deutschland zogen. Das gemahnt daran, die Lage nicht weiter zu unterschätzen.
Irreguläre Einwanderung wird in den nächsten Jahren für die EU eine Herausforderung bleiben. Infolge des Klimawandels sind neue Migrationswellen aus Afrika zu erwarten; schon heute sind weltweit Konflikte auch auf Hunger und Wasserknappheit zurückführen. Die EU ist für eine solche Entwicklung längst nicht gerüstet. Mehr Einigkeit tut Not. Um eine gewisse Abschottung wird die Gemeinschaft nicht herumkommen.
Die Außengrenzen eines Landes beziehungsweise einer Gemeinschaft zu schützen und Einwanderung stärker zu regulieren, ist nicht unmenschlich. Unmenschlich ist es, Menschen überhaupt erst in eine so ausweglose Situationen kommen zu lassen, wie wir sie in diesen Tagen an der polnisch-belarussischen Grenze sehen.
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