Fortschritt
Endlich ruckelt das Schul-WLAN nicht mehr
Die Gemeinde Großefehn hat sich um Fördergeld von Bund und Ländern bemüht und rund 730.000 Euro in Technik an Schulen investiert. Jetzt klappt vieles besser – es bleibt aber noch eine Menge zu tun.
Großefehn - Es ist noch nicht lange her, da hat Andrea Janßen im Computerraum der Grundschule Spetzerfehn, die sie leitet, „locker eine halbe Stunde gewartet, bis sich eine Internetseite geöffnet hat“. Ihr Amtskollege Joachim Speckmann aus Mittegroßefehn berichtet davon, dass seine Grundschule zwar einen Laptopwagen hatte. „Der wurde aber kaum noch genutzt, weil andauernd die Verbindung zusammengebrochen ist, sobald alle Schüler einer Klasse gleichzeitig ins Netz wollten.“
Und Erwin Renken, an der KGS Großefehn als Lehrer für Digitales zuständig, sagt: „Mit Ausnahme weniger ,Zapfstellen‘ hat digitales Arbeiten bei uns zuletzt nicht geklappt, weil das WLAN immer wieder Abbrüche hatte, weil Leistung und Zuverlässigkeit nicht gegeben waren. Die Gemeinde hat sich nach Kräften bemüht, uns auszustatten. Die Ausrüstung hat für die Größe unserer Schule aber nicht ausgereicht, es fehlte an Technik und Mitteln.“ Es sei nicht selten vorgekommen, dass sich beim Versuch, Videos aus dem Internet im Unterricht einzubinden, vor allem die Sanduhr gedreht habe. „Da hat man dann erzählt, was die Schüler eigentlich selbst hätten sehen sollen – ein bisschen wie im Physikunterricht, wenn man nach einem fehlgeschlagenen Experiment sagt, ,so hätte der Versuch aussehen sollen‘.“
Mehr als 730.000 Euro geflossen
Aktuell schwärmen alle drei Pädagogen aber. Passenderweise am 88. Geburtstag des „Vaters der Glasfaser“, Nobelpreisträger Charles K. Kao, berichten die Schulen und die Gemeinde nun darüber, wie viel besser insbesondere die Netzanbindung geworden ist und wie sich ihre technische Ausrüstung ansonsten verbessert hat. Die Gemeinde hat sich ins Zeug gelegt, um in engem Miteinander mit den Schulen und fast vollständig durch Fördergeld aus Töpfen von Bund und Land neue Ausrüstung anzuschaffen. Gut 730.000 Euro sind nach Großefehn geflossen, der Großteil über den Digitalpakt von Bund und Ländern, der allein für Niedersachsen mit insgesamt 522 Millionen Euro gefüllt war, 90 Prozent davon aus Berlin.
Allein gut 300.000 Euro sind in Verkabelung und Technik geflossen, fast 140.000 Euro in neue WLAN-Technik und knapp dieselbe Summe in Beamer, Leinwände und Smart Displays. Hinzu kamen rund 300 Tablets, die zum Teil an Schüler verliehen werden, die sonst keine Chance zur Nutzung eines solchen Gerätes hätten. Auch Laptops und weitere Technik sind angeschafft worden. „Wir wären längst nicht soweit ohne das Fördergeld, das geflossen ist“, sagt Bürgermeister Erwin Adams.
Endlich stabiles WLAN
„Dass wir jetzt ein stabiles WLAN haben, das lückenlos funktioniert, ist das Allerbeste“, sagt KGS-Lehrer Erwin Renken. „Das ist wirklich ein riesiger Fortschritt“, sagt auch KGS-Direktorin Silvia Fleßner. Egal welcher der Schulleiter aus Großefehn zu Wort kam, alle zeigten sich begeistert, nun endlich ruckel- und störungsfrei digitale Inhalte aus dem Netz im Unterricht einsetzen zu können. Und übereinstimmend prasselte Lob in Richtung der Gemeinde und deren EDV-Abteilung. „Das lief wirklich wie geschmiert und war ein unglaublich tolles Miteinander“, sagte Fleßner. Der Strackholter Grundschulleiter Andreas Moritz ergänzte: „Das Normale ist, dass es eigentlich immer einen Kampf mit dem Schulträger, hier also der Gemeinde, gibt. Egal, was man möchte: neue Spielgeräte, Renovierung, neue Ausstattung, da wird normalerweise immer erstmal Nein gesagt. Pauschal. Das ist hier völlig anders. Ich war lange Seminarleiter, bin mit vielen Lehrern aus anderen Regionen vernetzt, und ich kann beurteilen und sagen, das ist besonders“, sagt er. „Hier gibt es das gemeinsame Weiterbringen und man tut sich zusammen, um etwas Gutes auf die Beine zu stellen.“
Um den Schulen bei ihrer Digitalisierung voranzuhelfen, hat die Gemeinde sogar zwei zusätzliche EDV-Mitarbeiter eingestellt. Schließlich erfordert mehr Technik auch mehr Wartung. „Wir haben über den Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund mit dem Land gerungen, dass nicht nur Sachmittel übernommen werden“, sagt Bürgermeister Adams. „Das wirkt sich auf defizitären Haushalt nicht gerade positiv aus, aber das war es uns wert, das muss ja aufgearbeitet werden – und das konnten wir unserer EDV allein nicht zumuten, die haben schon genug zu tun“, setzt er hinzu und fügt an: „Fürs erste Jahr gehen wir jetzt davon aus, dass wir bei den zusätzlichen Personalkosten einen Eigenanteil von 18.000 Euro haben werden, das sind in etwa zwei Drittel. Aber diese Folgekosten bleiben ja. Es geht ja nicht nur ums Anschließen, sondern auch ums dauerhafte Instandhalten. Und da müssen wir eine Lösung finden“, sagte er in Richtung des Auricher SPD-Landtagsabgeordneten Wiard Siebels, der auch bei dem Termin zugegen war. Die EDV-Chefin der Gemeinde, Karin Juilfs, ergänzte: „Wichtig ist, dass man daran denkt, dass die Geräte keine unendliche Lebenszeit haben. Können kaputt gehen. Da sehe ich Probleme auf uns zukommen, die zu Unmut führen können. Es nützt nichts zu sagen, wir zahlen einmal die Sofortausstattung und dann Hurra, das war’s bis ans Ende der Welt.“
„Müssen am Ball bleiben“
Siebels pflichtet den Fehntjern bei und verspricht, sich für eine Lösung einzusetzen. „Wir müssen das verstetigen. Digitale Infrastruktur entwickelt sich rasant weiter, und wenn wir nicht abgehängt werden wollen, müssen wir am Ball bleiben. Und das wollen wir. Die Entwicklung geht noch steiler durch die Decke als bisher, so dass wir laufend in Erneuerung investieren müssen“, sagt er und fügt an: „Zunächst haben wir jetzt einen ersten Meilenstein erreicht. Es liegt aber noch ganz viel vor uns, und da ist auch der Bund in der Pflicht, damit wir weiter vorangehen können – und das müssen wir.“ Kritisch wendet er ein: „Es ging lange gar nicht, wie schlecht die Schulen ausgestattet waren, aber wir haben nicht nur in den Schulen noch ganz viel vor uns. Das trifft Unternehmen genauso und Privatleute. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Digitalpakt ist noch vor der Pandemie verabschiedet worden, dann hat sich aber gezeigt, wie bitter notwendig diese Investitionen waren – und wie viel immer noch zu tun ist, gerade bei der Breitbandanbindung auf dem Land.“
Eine Mutter aus Akelsbarg, deren Kinder zur KGS nach Großefehn gehen, hatte sich kürzlich im Kreistag beim Stand des Breitbandausbaus darüber beklagt, dass während des Homeschoolings in der Pandemie Video-Unterricht unmöglich war, weil die Datenverbindung zu Hause zu schlecht war. Andrea Janßen berichtet von Kindern aus Spetzerfehn, „die mussten ihre mobilen Daten am Handy nutzen, um an Videokonferenzen teilzunehmen, weil die Kabelverbindung so schlecht war“. Siebels pflichtet bei: „Genau da müssen wir dringend ran. Es passiert jetzt auch im Landkreis Aurich einiges, aber viele Kreise sind dem Kreis voraus, und es wird Zeit, dass wir da noch mehr Tempo an den Tag legen. Es geht dabei um nicht weniger als einen immens wichtigen Baustein für unsere Zukunft.“ Andrea Janßen sagt: „Bei mir zu Hause ist es auch bislang eine Katastrophe. Aber ich kann jetzt zur Not in die Schule fahren, andere können das nicht.“
Tempo! Jetzt!
Ein Kommentar von Ole Cordsen
Dass noch vor etwa zwei Jahren die Netze in Schulen kollabiert sind, nur weil eine ganze Klasse gleichzeitig ins Internet wollte, ist alarmierend. Um nicht zu sagen: Es ist ein Skandal. Zum zweiten Mal in Folge ist Deutschland im Vergleich der wichtigsten Industrieländer (G7) auf dem vorletzten Platz gelandet. Die Erkenntnis, dass sich etwas tun muss, sickert langsam durch, und durch die Pandemie ist durchaus etwas passiert. Diesen Schwung muss man jetzt aber mitnehmen. Und bei diesem Schwung darf der Bund die Länder und vor allem die Kommunen nicht allein lassen. Und dabei geht es beileibe nicht nur um die Ausstattung von Schulen. Die Zukunftsfähigkeit unseres gesamten Landes hängt in einer immer digitaler werdenden Welt gerade an guten Netzen und funktionierender Technik. Daher müssen wir nicht nur am Ball bleiben. Wir brauchen Tempo! Jetzt! Den Autor erreichen Sie per Mail an o.cordsen@zgo.de