Osnabrück
Polizeigewerkschaften fordern Böllerverbot an Silvester
Auch in diesem Jahr könnte wegen der Corona-Pandemie Silvester stiller ausfallen. Die Polizeigewerkschaften fordern erneut ein Verbot von Feuerwerkskörpern.
Wegen der Corona-Pandemie fordern die Polizeigewerkschaften auch in diesem Jahr ein Böllerverbot an Silvester. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft DPolG, Rainer Wendt, sagte gegenüber unserer Redaktion: „Wir fordern die Kommunen auf, so genannte Böllerverbote möglichst restriktiv auszusprechen und genügend Ordnungskräfte zur Überwachung bereitzuhalten.“ Wendt fügte hinzu: „Angesichts der steigenden Infektionszahlen durch Corona ist es ohnehin derzeit nicht angezeigt, sich in großen Gruppen zu treffen und die Risiken noch zu vergrößern.“
Die Niederlande als Vorbild
Auch die Polizeigewerkschaft GdP sprach sich für Einschränkungen der klassischen Böllerei vor allem mit Blick auf Sicherheitsfragen aus. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek verwies gegenüber unserer Redaktion auf die Nachbarn Niederlande, die bereits in mehreren Kommunen reagiert und ein entsprechendes Böllerverbot für den Jahreswechsel ausgesprochen hätten. „Eine Entscheidung, die unter dem Aspekt der Sicherheit total nachvollziehbar und aus unserer Sicht nachahmenswert ist“, sagte Radek. In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam dürfen Bürger an diesem Silvester das neue Jahr nicht mit Böllern und Raketen begrüßen. Der Gemeinderat hat bereits Anfang Oktober ein Verbot der Knallerei festgelegt und als Gründe etwa die zahlreichen Verletzungen und auch Brände genannt.
Laser-Show als Alternative
Radek fügte hinzu, dass dies nicht ein absolutes Verbot von Böllerei bedeuten müsse: „Niemand will den Menschen die Feierfreude an Silvester nehmen.“ Die GdP befürworte aber ein „kontrolliertes Abbrennen von Feuerwerk an zentralen Orten“ - dies sei eine „sichere Alternative zur klassischen Böllerei“. Radek sagte: „Es muss ja nicht immer knallen. Eine Laser-Show mit musikalischer Untermalung ist auch eine denkbare Alternative.“
Wendt: „Mit Böllern wird viel Unsinn gemacht“
Die Polizeigewerkschaften verweisen vor allem auch auf die Gefahr in der Silvesternacht, wenn Menschen Feuerwerkskörper unkontrolliert abbrennen oder missbrauchen. Polizeigewerkschafts-Chef Wendt argumentierte, dass mit Böllern „unfassbar viel gefährlicher Unsinn gemacht und teilweise schwerste Straftaten begangen“ würden. Vor allem mit illegal eingeführten Feuerwerkskörpern, die nicht deutschen Sicherheitsstandards entsprächen, käme es immer wieder zu Unfällen.
An Silvester werden viele Einsatzkräfte verletzt
Wendt sagte, ein Böllerverbot diene auch dem Schutz von Polizisten: „Wir haben immer wieder erlebt, dass Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gezielt mit Silvesterraketen beschossen werden, dabei wird einfach hingenommen, dass schwerste Verletzungen dadurch verursacht werden können.“ Seit Jahren meldet die Polizei rund um die Silvesternacht vermehrt Angriffe auf Einsatzkräfte.
Schon 2020/21 gab es ein Verkaufsverbot für Feuerwerk
Beim vergangenen Jahreswechsel 2020/2021 hatte es wegen der Corona-Pandemie ein deutschlandweites Verkaufsverbot von Feuerwerk gegeben. Das Böllern auf öffentlichen und belebten Plätzen war verboten und sämtliche öffentliche Feuerwerke wurden gestrichen. Das Ziel war, Ansammlungen von Menschen angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen zu verhindern. Verboten war das private Böllern deswegen aber nicht. Da die einzelnen Länder und Gemeinden die Umsetzung in der eigenen Hand haben, gab es im vergangenen Jahr regional verschiedene Lösungen - in einigen Bundesländern war Silvester-Feuerwerk komplett verboten, in anderen lediglich an belebten Plätzen und Straßen.