Geschichte

Historischer Gulfhof füllt sich wieder mit Leben

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 04.11.2021 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hinrich Winterboer, Vorsitzender des Vereins Open Dören, freut sich, dass die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Foto: Gettkowski
Hinrich Winterboer, Vorsitzender des Vereins Open Dören, freut sich, dass die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Foto: Gettkowski
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Unter Denkmalschutz steht das Haus am Kirchring 15 nicht. Dennoch prägt der einzige im Zentrum von Bunde erhaltene Gulfhof das Ortsbild. Jetzt erhielt er eine Verjüngungskur – nicht äußerlich.

Bunde - An der Wand im Haus Nummer 15 am Kirchring hängt ein Schwarz-Weiß-Foto von einem Mann mit einer fast halben Meter langen Pfeife. Einige ältere Bunder mögen sich noch an ihn erinnern. „Die lange Pfeife war das Markenzeichen von Koko Diddens. Bis in die 70er Jahre hat er hier Landwirtschaft betrieben, mitten im Ort“, erzählt Hinrich Winterboer vom Verein Open Dören. Mit der Sanierung des letzten erhaltenen Gulfhofs im Ortskern von Bunde, sorgt der Verein nun dafür, dass die historische Bausubstanz vor dem Verfall bewahrt wird und sich mit neuem Leben füllt.

Was und warum

Darum geht es: Der letzte im Ortskern von Bunde erhaltene Bauernhof wurde saniert. Das Haus hat eine bewegte Geschichte.

Vor allem interessant für: alle, die sich für den Erhalt historischer Gebäude interessieren.

Deshalb berichten wir: Die Sanierung ist abgeschlossen. Das alte Haus füllt sich mit neuem Leben.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Dass das gelungen ist, war mit großem Aufwand verbunden. Der Verein hat das Haus vom Monumentendienst begutachten und sich von einem Planungsbüro beraten lassen. Ein harter Brocken war die Sanierung der Kellerräume. Dort gab es massive Feuchtigkeitsschäden. An den Wänden hatte sich Schimmel- und Algenbefall gebildet. „Das Haus wurde einst auf Kleiboden errichtet. Dadurch waren innen die Wände immer feucht“, berichtet Winterboer. Schon Jahre zuvor hatte der Verein vergeblich versucht, das Feuchtigkeitsproblem mit einer Drainage zu lösen. „Es musste eine Horizontalsperre eingebaut werden, damit die Feuchtigkeit nicht weiter in Wände aufsteigen kann“, so Winterboer. Zuvor musste allerdings der gesamte Putz von der Wand geschlagen werden.

Hinrich Winterboer steht vorm Aufgang zur sogenannten „Upkamer“ – ein typisches Merkmal vieler historischer Gulfhöfe. Foto: Gettkowski
Hinrich Winterboer steht vorm Aufgang zur sogenannten „Upkamer“ – ein typisches Merkmal vieler historischer Gulfhöfe. Foto: Gettkowski

Zuschuss für Sanierung

An den Außenmauern wurden kaputte Klinkersteine ausgetauscht und das Mauerwerk neu verfugt. Zwei Türen und 21 Fenster seien ebenfalls nach historischem Vorbild erneuert worden. „Ohne Fördergeld hätten wir das alles nicht geschafft“, so Winterboer. „Ingesamt hat die Sanierung 562.179 Euro gekostet.“ Weil der Verein als gemeinnützig anerkannt ist, bekommt er aus Mitteln der Dorfentwicklung einen Zuschuss für die „Maßnahme zum Erhalt eines ortsbildprägenden und landschaftstypischen Gebäudes“ in Höhe von 391.161 Euro.

An den Wänden des sanierten Teil des Gulfhofs hängen alte Ansichten des Gebäudes und einiger seiner Bewohner. Foto: Gettkowski
An den Wänden des sanierten Teil des Gulfhofs hängen alte Ansichten des Gebäudes und einiger seiner Bewohner. Foto: Gettkowski

Erbaut wurde der Gulfhof 1896. „Bei der Sanierung haben wir alte Zeitungen von 1876 gefunden, die man damals wohl als Dämmmaterial verwendet hatte“, erzählt der Vorsitzende des Vereins. Viele Jahrzehnte sei der Bauernhof im Besitz der Familie Oorlog gewesen. Während der vordere Gebäudeteil als Wohnung diente, wurde im Scheunentrakt das Vieh gehalten und das Futter gelagert.

Hinrich Winterboer, Vorsitzender des Vereins Open Dören, freut sich, dass die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Foto: Gettkowski
Hinrich Winterboer, Vorsitzender des Vereins Open Dören, freut sich, dass die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Foto: Gettkowski

Barrierefreier Umbau

Der Verein, der seit 1984 das Wohn- und Pflegeheim betreibt, hat das Gebäude 1991 gekauft. „Durch einen Brandstifter, der in Bunde sein Unwesen trieb, wurde 1994 der hintere Wirtschaftsteil bei einem Großbrand zerstört“, so Winterboer. Der Verein hat diesen Teil wieder neu aufgebaut. Seitdem dient die alte Scheune als Haus der Begegnung – ein beliebter Treffpunkt vor allem für Bunder Senioren. Dort finden Teenachmittage, Basare und andere Veranstaltungen statt. Der vordere Teil des Gebäudes war als Wohnung vermietet. Außerdem war dort jahrelang eine Abteilung der Verkehrsbehörde des Landkreises untergebracht.

Die alten Fliesen konnten zum Teil erhalten bleiben. Foto: Gettkowski
Die alten Fliesen konnten zum Teil erhalten bleiben. Foto: Gettkowski

Die ehemaligen Wohnräume wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten behindertengerecht umgebaut. Weil im Wohn- und Pflegeheim der Platz knapp war, haben Heimleiter Marc Hilbrands und Open Dören-Geschäftsführerin Insa Franzen dort ihre Büros bezogen, in denen Beratungsgespräche angeboten werden.

In dem historischen Gebäude können sich Hochzeitspaare auch das Ja-Wort geben. Das Trauzimmer der Gemeinde Bunde hat nach der Gebäudesanierung dort seinen Standort behalten. Für einen kleinen Umtrunk mit der Hochzeitsgesellschaft stellt der Verein seine Räume zur Verfügung.

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