Berlin
Coronavirus, Booster und Spahn: Deshalb bricht die vierte Welle Dämme
Die vierte Coronawelle baut sich auf. Werden die Schutzdämme in diesem Winter halten? Hysterie ist unangebracht, doch es gibt trotz der Verfügbarkeit von Impfstoffen drei Schwachstellen. Ein Versäumnis wirkt gar skandalös.
Bis zu drei Millionen Deutsche über 60 ungeimpft
Die Impflücke macht den Unterschied. Wären alle Erwachsenen ausreichend geschützt, könnte sich das Land entspannt auf Weihnachten vorbereiten. Doch wahrscheinlich sind zwei bis drei Millionen Menschen über 60 weiterhin ungeimpft. Das kann für den Einzelnen dramatische Folgen haben - aber auch für die Gesellschaft insgesamt. Die steigende Auslastung der Intensivstationen deutet auf einen erneuten Stresstest für das Gesundheitssystem hin. Die teils dramatischen Bilder aus osteuropäischen Ländern mit niedrigeren Impfquoten lassen erahnen, was wäre, wenn nicht immerhin mehr als zwei Drittel der Deutschen geimpft wären.
Alten- und Pflegeheime besonders gefährdet
Die zweite große Schwachstelle scheint ausgerechnet der Teil der Pflegekräfte in Altenheimen zu sein, der sich nicht hat impfen lassen. Bei einem Massenausbruch in einer Einrichtung war gerade einmal die Hälfte der Belegschaft geschützt.
Der Chef soll sogar trotz eines positiven Tests zur Arbeit gegangen sein. Ein solches Verhalten ist skandalös. In Teilen der USA und in Frankreich gilt für spezielle Berufsgruppen eine Impfpflicht, um das Risiko für besonders schutzbedürftige Personen zu minimieren. Deutschland hat diesen Konflikt gescheut. Das rächt sich jetzt.
Booster-Impfungen kommen zu langsam voran
Das dritte Problem ist der schleppende Verlauf der Drittimpfungen. Das beweist die steigende Zahl von Impfdurchbrüchen. Die so genannte Booster-Spritze benötigten mehr als sechs Millionen Deutsche, da der Schutz der Impfung besonders bei älteren Menschen mit den Monaten abnimmt. Umso verwunderlicher ist, dass bislang aber weniger als zwei Millionen Menschen die Auffrischung erhalten haben. Das Krisenmanagement von Jens Spahn erweist sich einmal mehr als unzureichend.
Der noch geschäftsführende Gesundheitsminister stellt jetzt sogar die Booster-Impfung für alle Erwachsene in Aussicht, obwohl Ärzteverbände und Stiko die Auffrischung zunächst nur für die vulnerablen Gruppen vorsehen. Wann lernen Deutschlands oberste Krisenmanager, erst miteinander zu reden, bevor sie twittern?
Vorausschauendes Handeln?
Es ist ein Déjà-vu. Vorausschauendes Handeln ist Mangelware. Dafür zeigt sich Angela Merkel abermals besorgt, steigt die allgemeine Nervosität, werden Rufe nach einem Krisengipfel laut. Das weckt Erinnerungen an den vergangenen Herbst, als das Land schlecht vorbereitet in den Corona-Winter hineinstolperte. Zum Glück dürften die Impfstoffe aber diesmal Schlimmeres verhindern.