Alles Kultur
Endlich wieder in die USA
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Montags geht es um Kultur.
Ich habe meine ehemalige Gastfamilie, bei der ich in den USA als Jugendliche ein Jahr gelebt habe, nun zwei Jahre nicht gesehen. Zweimal sind meine Flüge aufgrund der Pandemie storniert worden. Dabei hätte ich 20-jähriges High-School-Jubiläum gefeiert, meine Gastschwester hat ein Baby bekommen und meine Gastoma ist gestorben. Menschenskind, diese Pandemie hat so getan, als hätte sie für die Welt mal kurz den Pausenknopf gedrückt, doch in Wirklichkeit stand gar nichts still.
Zur Person
Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Und jetzt darf ich wieder einreisen! Ich habe sofort den Kalender gecheckt, tausende Termine geschoben und dann Flüge gebucht. Das Wiedersehen wird bestimmt emotional, und obwohl wir die ganze Zeit in Kontakt waren, werden wir uns viel zu erzählen haben, denn manches lässt sich nur erzählen, wenn man sich gegenüber sitzt und danach in den Arm nehmen kann.
Ich sehne mich außer nach den Menschen nach ganz vielem in den USA – vom einzigartigen Humor über Family-BBQ bis zur überschwänglichen Höflichkeit. Davon kann ich Euch dann auch hier erzählen, aber auch von völlig anderen Kloschüsseln als bei uns, typisch gelben Schulbussen und Sprühkäse. Meine Güte, wie kann es sein, dass in einer globalisierten Welt, in der fast alle westlichen Staaten die gleichen Netflixserien gucken und Jamie-Oliver-Kochbücher im Regal stehen haben, unsere Mentalität, unsere Pizzen und Badezimmereinrichtungen so verschieden sind?
Wenn ich meine Familie dort besuche, dann mache ich Dinge, die ich in Deutschland nie mache. Ein Kinobesuch ist obligatorisch! Mit allem Drum und Dran: Werbung, Filmankündigungen, ein Eimer Cola light und gebuttertes Popcorn. Und in unserem Kino dort gibt es jetzt diese neuen Kinositze, nein Sessel, man drückt auf einen Knopf und schwupps geht die Lehne nach hinten und die Füße hoch.
Also liebe Cineast*innen unter Euch, ich erwarte Eure Filmtipps im April! Ihr bekommt dafür brandneue Kolumnen in der Zeit direkt aus dem Nordosten Pennsylvanias. Da sieht übrigens alles so aus wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.
Kontakt: kolumne@zgo.de