Bremen

Ein Bremer Sieg gegen St. Pauli wäre eine Überraschung

Hans-Jürgen Gundelach
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Von Hans-Jürgen Gundelach
| 29.10.2021 19:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kehrt am Samstag mit dem FC St. Pauli an seine alte Wirkungsstätte zurück: Trainer Timo Schultz. Foto: imago images/Hubbs
Kehrt am Samstag mit dem FC St. Pauli an seine alte Wirkungsstätte zurück: Trainer Timo Schultz. Foto: imago images/Hubbs
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Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die 2. Liga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach in der Jugendabteilung des FC Hude.

Liebe Leser,

der SV Werder Bremen hinkt seinen Ansprüchen weiter hinterher. Ein glücklicher Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Sandhausen und damit gegen einen Gegner, der um den Abstieg spielt - das kann nicht die Erwartung des Vereins sein. Und die der Fans gewiss nicht. Mittlerweile muss man aber schon fast sagen: Das ist normal geworden. Die Bremer Anhänger sind Kummer gewohnt, das ist für sie alles keine Überraschung mehr.

Die Vorzeichen vor dem Duell am Samstag sind klar

Eine Überraschung dagegen wäre ein Werder-Sieg am Samstag gegen St. Pauli. Dort trifft eine wackelige Abwehr auf einen guten Sturm. Pauli-Stürmer Guido Burgstaller hat allein schon zehnmal eingenetzt, bei Bremen die komplette Mannschaft sechzehnmal. Ich glaube auch nicht, dass es für die Kiezkicker ein Nachteil ist, unter der Woche im Pokal gegen Dresden Verlängerung gespielt zu haben. Pauli hat ein gutes Trainerteam, das weiß, wie man so eine Belastung steuert. Und mit der entsprechenden fußballerischen Ausbildung spulst du noch mal locker 90 Minuten runter.

Pauli-Trainer Timo Schultz leistet gute Arbeit

Timo Schultz, mit dem ich übrigens bei Werder noch selbst eine Weile in der Amateurmannschaft gespielt habe, hat aus dem Hamburger Haufen ein gutes Team gemacht und ich traue ihm zu, dass er auch im Weserstadion nach vorne spielt. Ob das erstmals seit Monaten wieder ausverkaufte Bremer Stadion ein Vor- oder Nachteil für den SVW sein wird, hängt entscheidend von der Anfangsphase ab. Spielst du Angsthasenfußball und Pauli geht in Führung, kippt die Stimmung ganz schnell. Dann kommen die Zuschauer ins Pfeifen und ins Buhen - das kennen wir ja schon von früher. Wenn Werder allerdings von vornherein ein gutes Spiel macht, kann sich das positiv auf die Zuschauer auswirken, dann hast du einen zwölften Mann auf dem Platz.

Bremens Chancen auf den direkten Wiederaufstieg schwinden

Dass St. Pauli eine spielstarke Mannschaft ist, macht mir Hoffnung - für Bremen. Denn die Bremer brauchen für ihr Spiel Räume und Platz, und bei einem mitspielenden Gegner mit Selbstvertrauen wird es diese Räume geben, da bin ich mir sicher. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Paulianer mehr Ballbesitz haben werden.

Trotz des späten Tores in Sandhausen würde ich Niclas Füllkrug nicht zusammen mit Marvin Ducksch von Beginn an auf den Platz schicken, dafür sind beide einfach zu ähnliche Spielertypen. Allgemein muss es für die Bremer jetzt darum gehen, die Hinrunde noch mit einem halbwegs blauen Auge zu überstehen, so viele Punkte wie möglich zu sammeln und die Rückrunde vielleicht mit ein bis zwei neuen Spielern anzugehen. Immerhin dürften die Bremer jetzt das Gehalt von Florian Kohfeldt sparen, der ja nun von Wolfsburg bezahlt wird.

Ich sehe maximal noch Chancen auf die Relegation und ich denke, darauf sollte man sich am Osterdeich fokussieren. Dass Werder noch einen der beiden direkten Aufstiegsplätze erreicht, halte ich für unrealistisch.

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