Osnabrück
Blutige Netflix-Serie: Was tun, wenn mein Kind „Squid Game“ nachspielt?
Schulkinder sollen Spiele aus der brutalen Netflix-Serie „Squid Game“ nachgespielt haben – mit Ohrfeigen für den Verlierer. Ist das okay? Und wie sollten Eltern reagieren? Eine Medienpädagogin gibt Antworten.
Die blutige Netflix-Serie „Squid Game“ hat weltweit Millionen Zuschauer in ihren Bann gezogen - offenbar auch Kinder und Jugendliche. Eine Kita im Kreis Pinneberg wandte sich in einem Brief an die Eltern, weil Kinder Szenen aus der erst ab 16 Jahren freigegebenen Serie nachspielten. „Ich töte dich“ sollen die Kinder sich am Ende gegenseitig gesagt haben. An einer Schule in Augsburg sollen die Verlierer geohrfeigt oder beschimpft worden sein, wie der „Spiegel“ berichtet.
Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind teilweise gewalttätige Spiele aus einer nicht altersgerechten Serie nachmacht? Dr. Iren Schulz berät als Medienpädagogin bei „Schau hin!“ Familien zum Thema Medienerziehung, einer Initiative von ARD, ZDF sowie des Bundesfamilienministeriums und der Krankenkasse AOK. Sie rät Eltern, das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen.
Falscher Medienkonsum kann verheerende Folgen haben
Mein Kind hat mit Freunden Szenen aus „Squid Game“ nachgespielt - Wie sollte ich reagieren?
Nicht einfach nur bestrafen, sondern das Thema offen ansprechen, rät die Pädagogin: Kinder könnten die brutale Gewalt, die in der Serie gezeigt wird, nicht verarbeiten und die gesellschaftskritische Botschaft dahinter nicht erkennen. Solche Inhalte seien erst ab 16 Jahren freigegeben, weil sie die Entwicklung von jüngeren Kindern stark beeinträchtigen könnten.
Deshalb sollten Eltern ihren Kindern erklären, dass die Handlung frei erfunden ist und solche Spiele nicht in der Realität stattfinden. Man könne außerdem darüber sprechen, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen wollen - und dass Gewalt nie eine Lösung sein kann. Haben die Spiele in der Schule oder Kita stattgefunden, könne man sich mit der gesamten Klasse oder Gruppe zusammensetzen.
Gerade bei jüngeren Kindern sollten die Erziehungsberechtigen in den folgenden Wochen außerdem darauf achten, ob das Kind durch die Serie Albträume hat oder Ängste entwickelt, rät die Medienpädagogin. „Der falscheste Weg wäre, es einfach totzuschweigen“, sagt Schulz.
Wie bleibe ich hart, wenn mein Kind darum bettelt, die Serie schauen zu dürfen?
„Alle dürfen das, nur ich nicht“ - dieses Scheinargument haben wohl schon viele Eltern gehört. Wichtig sei es, klare Grenzen zu ziehen und bei diesen zu bleiben, sagt Schulz. Eltern sollten ihren Kindern begründen, wieso „Squid Game“ für sie nicht geeignet ist, und dabei die Gewalt- und Todesdarstellungen ansprechen.
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Bei Jugendlichen könnten Eltern die von Netflix empfohlene Altersgrenze von 16 Jahren einhalten oder individuell entscheiden. „Da ist es schwer zu verallgemeinern“, sagt Schulz. „Wie gefestigt schätze ich mein Kind ein?“ Eine Möglichkeit sei, den Trailer der Serie oder eine Folge gemeinsam mit den Jugendlichen anzuschauen und darüber zu sprechen.
Oft stünden Kinder und Jugendliche außerdem unter dem Druck von Gleichaltrigen, die Serie schauen zu müssen, um mitreden zu können. Manche überschreiten dafür auch ihre eigenen Grenzen, sagt die Pädagogin. Deshalb sei es wichtig, Kindern zu vermitteln, dass sie immer noch cool sind, wenn sie Nein sagen.
Wie kann ich mein Kind vor nicht altersgerechten Inhalten schützen?
Heimische Streaming-Accounts sollten grundsätzlich kindersicher gemacht werden, rät Schulz. Auch Netflix bietet die Möglichkeit an, Filme und Serien ab 12 oder 16 Jahren mit einem Passwort zu sichern. Außerdem sollten Eltern im Bilde darüber sein, welche Medien ihre Kinder wo konsumieren und mit ihnen darüber im Gespräch bleiben. Viele Influencer nutzen aktuell den Hype um „Squid Game“, um möglichst viele Klicks zu generieren - Kinder müssten also gar keinen Zugriff auf Netflix haben, um damit in Kontakt zu kommen.