Osnabrück

Vor Abba, nach Abba: Wie Skandinavien die Popwelt dominiert

Ralf Döring
|
Von Ralf Döring
| 29.10.2021 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gäste im Wohnzimmer: Abba bei einem Auftritt in Rudi Carells Samstagabend-Show „Am laufenden Band“. Foto: Schilling/dpa
Gäste im Wohnzimmer: Abba bei einem Auftritt in Rudi Carells Samstagabend-Show „Am laufenden Band“. Foto: Schilling/dpa
Artikel teilen:

In unserer Serie zum neuen Abba-Album „Voyage“ betrachten wir die skandinavische Popwelt vor Abba, als Stars die deutschen Schlagercharts eroberten. Und die Welt nach Abba, wo Skandinavien zum Brennpunkt des Pop wurde.

Von 2004 bis 2007 zeigten es drei Schlagerikonen der 1960-er und 1970-er Jahre dem deutschen Publikum noch mal. Gitte Haening, Wencke Myhre und Siw Malmkvist taten sich zusammen und schlugen gemeinsam den Bogen zurück zu Hits wie „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ (Gitte Haening), „Er steht im Tor“ (Wencke Myhre) oder „Liebeskummer lohnt sich nicht“. Damit feierten die drei riesige Erfolge, gewannen Goldene Schallplatten, waren fest gebuchte Gäste bei den großen Fernsehshows und in der ZDF Hitparade mit Dieter Thomas Heck sowieso. Gitte, Wencke, Siw hatten am Samstagabend ihren festen Platz im Wohnzimmer, wenn der Fernseher zum familiären Lagerfeuer geworden war.

Ja, es gab Musik aus Skandinavien, die jenseits von Schweden, Dänemark und Norwegen Erfolge feierte, bevor Abba die internationale Pop-Bühne betrat. Aber es ist vielleicht kein Zufall, dass Anders Eljas die Show der drei Schlagerikonen musikalisch begleitete. Der war nicht nur Lebensgefährte von Wencke Myhre, sondern hatte auch mit Abba gearbeitet. Das klingt, als wäre Abba zum Zentralgestirn des skandinavischen Pop geworden, die Sonne, um die alles kreist.

Der „Waterloo“-Urknall

Fest steht: Es gab eine Zeit vor dem „Waterloo“-Urknall, der Abba an die Spitze der Popwelt katapultierte. Daran gemessen waren die Erfolge von Gitte, Wencke und Siw überschaubar: Sie hatten ihre Fans in ihren Heimatländern - und in Deutschland. Denn der Schlager war und ist ein Phänomen des deutschen Sprachraumes. Abba hingegen eroberte nicht nur die deutschen Charts, sondern auch die britischen und die in Australien, in den USA und in der lateinamerikanischen Welt.

Mehr zum Thema:

Daneben war zu Abbas großen Zeiten kaum Platz für einen weiteren Star aus Schweden - mit einer Ausnahme. Der Sänger Harpo landete 1975 mit „Moviestar“ einen international erfolgreichen Disco-Schieber - und selbst da wirkte Abba mit, denn Anni-Frid veredelte mit ihrer Stimme den Background-Chor.

Weiterlesen:

Nachdem sich Abba in die Pause verabschiedet hatte, blühten dann weitere international erfolgreiche Bands aus Skandinavien, speziell Schweden auf: Die Hardrocker Europe landeten mit „The Final Countdown“ einen der gefürchtetsten Nummer 1-Hits der 1980-er Jahre, und das Duo Roxette schmuste die Popwelt nieder mit Songs wie „Listen To Your Heart“. 

Deutlich cooler war hingegen die Band Ace Of Base, die sich zu einer richtigen Hitmaschine entwickelte und mit ihrem Debütalbum „Happy Nation“ 1992 gleich drei Nummer 1-Hits in den Singlecharts platzieren konnte: „All That She Wants“, „The Sign“ und „Don’t Turn Around“. Der reduzierte, vom Reggae inspirierte Sound der Band kam an. Und wenn man sich die Sängerinnen anschaut, die Schwestern Jenny und Malin „Linn“ Berggren, könnte man meinen, Ace of Base“ sie die Antwort der 1990-er Jahre auf Anni-Frid und Agnetha.

Zufall oder nicht, spannend wird die Geschichte von Ace of Base durch das Team im Hintergrund, das der Band zum Durchbruch verhalf: Denniz Pop gründete die Cheiron Studios, eine Talentschmiede in Stockholm. Bis zu seinem frühen Tod - er starb mit 35 Jahren an Magenkrebs - produzierte und komponierte er Songs für Ace of Base, aber auch für die Backstreet Boys, Britney Spears oder Dr. Alban. Und er holte sich den jungen Max Martin an die Seite.

Dessen musikalische Vita liest sich nun wie ein Who is Who des Pop: Er komponierte und produzierte ebenfalls für die Backstreet Boys und Britney Spears, für Pink, Kate Perry, Christina Aguilera, er mischt bei Justin Timberlake und Ed Sheeran mit, bei Justin Bieber und Lady Gaga. Martin liegt auf der Liste der erfolgreichsten Songschreiber auf Platz 3, hinter Paul McCartney und John Lennon. Dank ihm hat der skandinavische Pop Weltrang erreicht. Was für eine Erfolgsgeschichte.

Ähnliche Artikel