Pinneberg
„Ich töte dich“: Kita-Kinder spielen Netflix-Gewaltserie Squid Game nach
In der weltweit erfolgreichen Netflix-Serie stehen Kinderspiele mit tödlichem Ausgang im Mittelpunkt. Trotzdem haben mehrere Kita-Kinder in Pinneberg sie gesehen. Die Kita hat sich nun an die Eltern gewandt.
Eine große Puppe vergräbt ihr Gesicht in ihren Händen und lehnt sich dabei an einen Baum. Auf der anderen Seite des Sandplatzes stehen Menschen in grünen Jogginganzügen. Ihr Ziel: Innerhalb von fünf Minuten auf die Seite der Puppe kommen.
„Rotes Licht, Grünes Licht“ als Spiel in der Netflix-Serie
Dann ein Ausruf, fast singend. „Rotes Licht, grünes Licht“, das Signal für die Spieler loszulaufen. Doch sobald die Puppe aufhört zu singen, darf sich keiner mehr bewegen. Wer das doch tut, wird erschossen.
Die Szene stammt aus der koreanischen Netflix-Serie Squid Game. Darin nehmen 456 hoch verschuldete Menschen an einem Spiel teil. Ihre Aussicht: knapp 33 Millionen Euro Gewinn. Das Problem: Wer bei den insgesamt sechs Kinderspielen verliert, scheidet aus - was in der Serie nichts anderes bedeutet als: wird getötet.
Viele Gewaltszenen - und viel Blut in Squid Game
Es gibt viele Gewaltszenen und viel, viel Blut. Die Altersfreigabe ist ab 16. Definitiv nichts für Kinder. Trotzdem hat man in der Kita Waldstraße in Pinneberg (Kreis Pinneberg) in den vergangenen Wochen bemerkt, dass vor allem in den Vorschulgruppen und Betreuungsklassen Squid Game angesagt ist. Teilweise spielen die Kinder die Serie nach und erzählen davon, dass sie die Serie mit ihren Eltern und/oder Geschwistern schauen.
Kommentar: „Squid Game“ auf dem Schulhof: Eltern, guckt hin!
Deshalb hat sich Matthias Richert, Ansprechpartner für Elternarbeit in der Kita Waldstraße, in einem Brief an die Eltern gewandt. Immer wieder gebe es Internet-Hypes, die Kinder in ihren Bann ziehen. Dennoch sei es gerade bei Serien wie Squid Game wichtig, als Eltern sensibel zu sein. „Die Serie ist brutal, gewaltverherrlichend und insbesondere für Kinder verstörend“, schreibt Richert.
Albträume, Ängste und psychische Probleme können die Folge sein. „Deshalb unser dringender Aufruf: Lasst eure Kinder nicht diese Serie sehen. Auch nicht, wenn ihr dabei seid“, schreibt Richert. Die Kinder könnten das, was sie sehen, nicht verarbeiten. „Auch dann nicht, wenn ihr versucht, es ihnen zu erklären“, wie es in dem Brief heißt. „Ihr fügt euren Kindern seelischen Schaden zu, wenn ihr sie derartiges sehen lasst“, heißt es weiter.
„Ich töte dich“ am Ende des Spiels
Aufmerksam sind die Erzieherinnen und Erzieher geworden, als die Kinder in der Pause „rotes Licht, grünes Licht“ gespielt haben. Zunächst mal nichts bedenkliches. Es ist immerhin ein Kinderspiel. In Deutschland ist es auch als „Donner, Wetter, Blitz“ bekannt. „Als dann aber am Ende des Spiels einige Kinder sich gegenseitig gesagt haben: „ich töte dich“, da sind die Erzieherinnen und Erzieher dann doch skeptisch geworden“, sagt Richert.
Das Jugendamt ruft das aber noch nicht auf den Plan. „Einige der Erzieherinnen und Erzieher verbieten es in ihren Gruppen, einige unterbinden es, wenn es passiert“, sagt Richert. Grundlegend wird aber erstmal mit den Kindern gesprochen und versucht, sie aufzuklären. So wie auch die Eltern in Form des offenen Briefs.
Medienpädagogische Angebote im Internet
„Das betrifft zwar nicht alle und auch nicht nur die Eltern. Einige der Kinder schauen die Serie auch mit älteren Geschwistern oder Cousins und Cousinen. Aber wir wollen alle darüber informieren, ihnen sagen: Das ist kein Spaß, sondern ziemlich heftiges Zeug“, sagt Richert.
In dem offenen Brief ist auch die Internetseite klicksafe.de verlinkt. Eine Kampagne der Europäischen Union, um Medienkompetenz zu fördern und für die Gefahren im Internet zu sensibilisieren. „Auch wir setzen uns intensiv damit auseinander“, sagt Richert. Deshalb können sich die Eltern auch an ihn oder die Kita-Leitung wenden, wenn sie mehr über das Thema wissen wollen. „Letztlich ist es uns wichtig, dass es den Kindern einfach gut geht“, sagt Richert.