Geld
Weltspartag: Immer noch beliebt oder olle Kamelle?
Sparschwein schlachten, Geschenke abgreifen und lernen, was sparen eigentlich bringt: Den Weltspartag gibt es nun fast 100 Jahre. Ist er bei Online-Banking und Zinsflaute Schnee von gestern?
Landkreis Leer - Der Weltspartag ist fast 100 Jahre alt. Das erste Mal wurde er von den europäischen Sparkassen am 31. Oktober 1925 begangen. Die Idee: den Menschen den Spargedanken nahe bringen. In den vergangenen Jahrzehnten konnten Kinder nicht nur ihre mühsam gefüllte Spardose leeren lassen, sondern bekamen dafür kleine Geschenke. Das Geld kam aufs Sparbuch und Zinsen gab’s noch obendrauf.
Durch den derzeitigen Zinstiefflug lohnt sich das kaum noch. Außerdem wickeln viele ihre Geldgeschäfte online ab. Wir wollten wissen: Ist der Weltspartag ein Auslaufmodell?
Kommen die Leute noch?
Wir haben bei Geldinstituten im Landkreis Leer nachgefragt, wie gut der Weltspartag bei ihnen noch läuft, aber wir wollten auch von den Leserinnen und Lesern wissen, wie sie mit ihrem Geld hantieren. Via Instagram haben sie abgestimmt: 77 Prozent sagen, sie sparen fleißig. 35 Prozent von ihnen in der Spardose, 65 auf dem Konto. Andere Nutzer haben uns auch geschrieben, dass sie von beidem nichts halten und lieber am Aktienmarkt investieren.
Was und warum
Darum geht es: Viele, die heute erwachsen sind, haben sich als Kinder wie die Schneekönige auf den Weltspartag gefreut. Spardose ausleeren und kleine Geschenke abstauben, super. Wir haben bei Geldinstituten sowie bei Leserinnen und Lesern nachgefragt, ob der Tag mit Hinblick auf Online-Banking und Zinsflaute eigentlich immer noch seine Bedeutung hat – und wollten wissen, wie sie heute sparen.
Vor allem interessant für: Alle, mit schönen Kindheitserinnerungen an diesen Tag und die, die sich fürs Thema Sparen interessieren.
Deshalb berichten wir: Es haben doch fast alle noch Spardosen – oder doch nicht? Geht noch einer zum Weltspartag? Wie sparst du? Der Tag löste in der Redaktion rege Gespräche aus. Also fragten wir nach. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Der Weltspartag erfreut sich bei der Sparkasse Leer-Wittmund „nach wie vor großer Beliebtheit“, sagt Pressesprecher Carsten Mohr. „Insbesondere in unseren ländlichen Filialen ist dieser Tag ein fester Bestandteil im Kalender.“ Es sei wichtig, dass man sich Jahr für Jahr bewusst werde, wie wichtig das Sparen für die finanzielle Vorsorge ist, „mit der richtigen Strategie“, so dass „in Zeiten niedriger Zinsen die Entwertung des Vermögens verhindert wird“. In einem Zeitalter in dem viele ihre Bankgeschäfte über digitale Endgeräte abwickeln, sei der Weltspartag für viele ein willkommener Anlass in unsere Geschäftsstellen zu kommen.
Kein Weltspartag bei der OLB
„Wir freuen uns, dass unsere jungen Kunden nach wie vor gerne mit ihren Eltern vorbeikommen, um ihre Spardosen zu leeren und sich für den Sparfleiß zu belohnen“, sagt Björn Nauschütt, Leiter Vertrieb und Marketing bei der Ostfriesischen Volksbank (OVB). Dabei seien die Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Leer nicht die einzigen, die den Weltspartag nutzen. „Wir können dieses Verhalten in unserem gesamten Geschäftsgebiet beobachten – von der Krummhörn über das Emsland bis hin ins Kehdinger Land.“ Spardosen böten Eltern nach wie vor eine gute Möglichkeit, Kinder an das Thema Geld und Sparen heranzuführen.
Bei der Oldenburgischen Landesbank (OLB) hat man sich vom Weltspartag verabschiedet – und zwar komplett. Es sei auch bald 100 Jahre nach seiner Einführung des Weltspartages ratsam, Kindern den Wert von Geld und den Umgang mit Geld beizubringen. „Allerdings hat sich die Welt aktuell dahingehend verändert, dass das klassische Sparen in Zeiten anhaltend niedriger Zinsen wenig attraktiv ist. Angesichts der Inflation verlieren Scheine und Münzen im Sparschwein de facto an Wert, Sparbücher haben massiv an Bedeutung verloren und auch bei den Zahlungsmethoden sind kontaktlose Varianten ohne Bargeld nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie stark im Kommen“, sagt Timo Cyriacks.
Wie läuft der Weltspartag heute?
Der Weltspartag hat bei der Sparkasse mehr als 24 Stunden: „Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir diesen zu Jugendspartagen ausgeweitet.“ Gleiches gilt bei der Ostfriesischen Volksbank: „Wir feiern den Weltspartag traditionell im Rahmen einer Sparwoche.“ Geschenke gibt es bei beiden Geldhäusern nach wie vor. „Die Geschenke sind immer noch heiß begehrt. Wir achten allerdings auch darauf, dass wir dort nachhaltiger werden. So gibt es in diesem Jahr unter anderem ein Vogelhaus aus Holz zum selbst Bemalen“, erklärt Sparkassen-Sprecher Mohr. Bei der Ostfriesischen Landesbank hält man sich bedeckt, was die Auswahl der Geschenke angeht. Man wolle die Überraschung nicht verderben.
Bei der OLB verzichte man aus Nachhaltigkeits- und Umweltschutzgedanken bewusst auf Werbegeschenke, weil diese in der Regel aus der Ferne verschifft würden. Aber „wir haben uns dazu entschieden, im Rahmen des Weltspartags die Förderungen von Projekten aus dem Kinder- und Jugendbereich in den Mittelpunkt zu stellen“, so Cyriacks. Man bitte die Kunden zum Weltspartag Projekte zu nennen, die noch nicht so umfangreich profitiert hätten.
Wie spart man heute?
„Beliebte Ergänzungen und Alternativen zum klassischen Sparen sind nach wie vor alternative Geldanlagen wie Fondssparpläne oder auch das Bausparen für Kinder“, sagt Nauschütt von der OVB.
Viele Eltern würden eine monatliche Sparsumme per Dauerauftrag für kurzfristige Anschaffungen aufs Sparkonto überweisen, sagt Sparkassen-Sprecher Mohr. Das klassische Sparbuch diene nur noch dem Ansammeln von Geld, das dann in andere Anlageformen angelegt werde. Das Sparen aufs eigene Heim oder für die Altersvorsorge beginne häufig in jungen Jahren, früher sei das meist anders gewesen. „Und dennoch nutzen viele Kunden*innen noch immer den Weltspartag um das Sparschwein zu leeren, in dass das ganze Jahr eingezahlt wurde. Denn Sparen erfüllt noch immer Wünsche. Somit bleibt uns immer noch ein Stück Nostalgie erhalten.“