Verkehr

Norden: An immer weniger Stellen kann man kostenlos parken

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 29.10.2021 07:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Norder Innenstadt muss man fast immer fürs Parken bezahlen. Kontrolliert wird häufig. Symbolfoto: Pixabay
In der Norder Innenstadt muss man fast immer fürs Parken bezahlen. Kontrolliert wird häufig. Symbolfoto: Pixabay
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In Norden sinkt die Zahl an kostenlosen Abstellmöglichkeiten für Autos, ebenso wie in anderen ostfriesischen Städten. In der 35.000-Einwohner-Stadt Papenburg sieht das hingegen ganz anders aus. Warum?

Norden/Papenburg - Wer nicht gerade einen Sonderparkausweis hat, muss in Norden und vor allem in Norddeich andauernd die Geldbörse oder das Smartphone zücken. Erst vor wenigen Tagen gab die Stadtverwaltung bekannt, dass sie eine zusätzliche Fläche beim Weiterbildungszentrum (WBZ) gekauft hat, die nun ebenfalls gebührenpflichtig ist und im kommenden Jahr neugestaltet werden soll. Schon seit dem Sommer müssen Kraftfahrer außerdem an der Norddeicher Straße zahlen, einer wichtigen Verbindungsstraße, die den Stadtkern mit Norddeich verbindet. Wie viele Einnahmen kommen dadurch aber eigentlich zusammen?

Was und warum

Darum geht es: In Norden sind zuletzt zwei Stellen hinzugekommen, an denen man Parkgebühren bezahlen muss. In der größeren Stadt Papenburg geht man hingegen einen anderen Weg.

Vor allem interessant für: Kraftfahrer, die sich über die Parkgebühren in Ostfriesland ärgern

Deshalb berichten wir: Die Stadt hatte neulich mitgeteilt, dass mit der Erweiterungsfläche am WBZ-Parkplatz eine weitere kostenlose Parkmöglichkeit in der Stadt wegfällt. Das haben wir zum Anlass für diesen Bericht genommen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

„Die Gesamteinnahmen an Parkgebühren im Bereich aller gebührenpflichtiger Parkplätze in Norden inklusive aller Stadt-/Ortsteile liegen etwa im mittleren sechsstelligen Bereich“, teilt auf Nachfrage Lars Carstens mit. Alleine im Bereich der Norddeicher Straße bewegten sie sich „abhängig von der (touristischen) Verkehrsmenge, vom Wetter und so weiter täglich im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich.“ Das auch an der Ortsdurchfahrt acht Parkscheinautomaten aufgestellt wurden, erklärt der Leiter des Fachdienstes Umwelt und Verkehr mit der „entsprechend hohen Wertigkeit der Parkmöglichkeiten (Lage zum Hafen, Nähe zu Restaurants und so weiter.“ Zahlen müsse man dort 50 Cent pro halbe Stunde, was „im Vergleich mit anderen derart günstig gelegenen Parkmöglichkeiten als durchaus angemessen und nicht hoch eingestuft werden kann.“

Verwaltung war gegen Gebühren an der Norddeicher Straße

Angemessen sind Carstens zufolge auch die Gebühren in der restlichen Stadt, die dort ansonsten mit Ausnahme des WBZ-Parkplatzes einheitlich bei 50 Cent pro Stunde lägen. Zudem sei seit Jahren auch das Kurzzeitparken möglich: Für zehn Cent könne man sein Auto eine Viertelstunde lang für kleinere Besorgungen stehen lassen.

Im Falle der Norddeicher Straße hatte sich die Stadtverwaltung eigentlich zurückgehalten, als es darum ging, ob die sogenannte Parkraum-Bewirtschaftung auf die Ortsdurchfahrt ausgeweitet werden soll. So hatte die Verwaltung zu große finanzielle Belastungen für die Anrainer befürchtet, zu denen auch viele Geschäfte und Lokale zählen. Die Politik stimmte jedoch trotzdem dafür. So gab es bereits im Jahr 2014 einen Ratsbeschluss, in dem die Stadt dazu angehalten wird, ihre Parkraum-Bewirtschaftung auf städtische Flächen auszuweiten.

Kein einziger Gebühren-Parkplatz in Papenburg

Was aber passiert, wenn man sich nicht daran hält? „Die Kontrolle des gesamten Stadtgebietes durch die zuständigen Außendienstmitarbeiter erfolgt, wenn möglich, mehrfach täglich in unregelmäßigen Abständen. Derzeit sind bei der Stadt Norden sieben Mitarbeiter in Teil- oder Vollzeit beschäftigt, die den ruhenden Verkehr kontrollieren“, so Carstens weiter. An der Norddeicher Straße habe man nach der Einführung der Gebührenpflicht zunächst noch Hinweiszettel an diejenigen verteilt, die nicht zahlten. Diese Eingewöhnungsphase sei nun aber vorbei. Insgesamt lasse sich sagen, dass durch die Strafzettel in Norden jedes Jahr im Mittel geschätzt etwa 100.000 Euro eingenommen werden. Das variiere aber von Jahr zu Jahr.

Nicht nur in Norden, sondern auch in anderen größeren ostfriesischen Städten wie Emden, Aurich und Leer werden zumindest im Zentrum vielerorts Gebühren erhoben. Anders sieht das beispielsweise im emsländischen Papenburg aus, dessen Einwohnerzahl leicht über der von Leer liegt. Die Stadt kann im Vergleich als regelrechtes Paradies für Autofahrer betrachtet werden: Fast immer und auch ganz zentral ist es möglich, direkt vor den Geschäften zu parken, ohne dass eine Gebühr entrichtet werden muss. Selbst ein kostenloses Parkhaus hatte Papenburg, bis vor wenigen Monaten das Ems-Center abgerissen worden ist. Warum wird dort auf die Einnahmen verzichtet?

Kostenloses Parken soll Einzelhandel beleben

Karin Evering ist die Sprecherin der Stadt und führt das auf „politische Beschlüsse aus den 1980er Jahren“ zurück, als beschlossen wurde, in der ganzen Stadt keine Parkgebühren zu erheben. Die Gründe: „Wegen der Vielzahl der vorhandenen Parkplätze im Stadtgebiet ist eine Parkraumbewirtschaftung durch Gebühren nicht erforderlich. Darüber hinaus wird der Einzelhandel durch kostenlose Parkplätze zusätzlich gefördert“, befand man. Andernorts, wie beispielsweise in Emden, ist man heutzutage hingegen der Ansicht, dass der Einzelhandel in der Innenstadt dadurch gefördert wird, indem der Verkehr aus dem Zentrum möglichst herausgehalten wird und Fußgänger und Fahrradfahrer mehr Rechte bekommen.

Gehen den Papenburgern zudem nicht hohe Einnahmen verloren? „Diese Frage kann kaum beurteilt werden“, so Evering weiter. „Die Einnahmehöhe ist nicht bekannt, die Installation wäre jedoch zunächst auch mit Anschaffungskosten verbunden.“ Als Beispiele nennt sie die benötigten Parkscheinautomaten, die Kontrolleure und die gesetzlich festgelegten Ausschreibungen.

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