Kultur

Emder Festival soll Regionalkultur und Innenstadt stärken

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 27.10.2021 19:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Emder Kulturschaffende „Urmel“ Meyering hatte die Idee für ein solches Festival schon länger im Kopf. Fotos: privat
Der Emder Kulturschaffende „Urmel“ Meyering hatte die Idee für ein solches Festival schon länger im Kopf. Fotos: privat
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Emder Kulturschaffende planen für 2022 ein großes und einzigartiges Musikereignis auf vier Bühnen im Stadtzentrum. Diese Veranstaltung soll in mehrfacher Hinsicht besonders sein.

Emden - Kulturfreunde sollten sich das erste September-Wochenende im kommenden Jahr schon einmal im Kalender rot anstreichen: An diesem Termin soll in Emden das erste Europäische Musikfestival der Regionalkultur über die Bühne gehen, das in dieser Form als einzigartig in Deutschland gilt und auch sonst in mehrfacher Hinsicht besonders ist. „Lüttje Welt“ haben die Initiatoren dieses Ereignis überschrieben. Die „kleine Welt“ der Regionen soll dabei ganz groß herauskommen.

Was und warum

Darum geht es: Emder Kulturschaffende wollen der Stadt mit einem Musikfestival der Regionalkultur neue Impulse geben.

Vor allem interessant für: diejenigen, die an Kultur, Musik und regionale Entwicklungen interessiert sind

Deshalb berichten wir: In einem Gespräch mit mir hatte Johannes „Urmel“ Meyering das neue Projekt kurz erwähnt. Ich habe nachgehakt, was dahinter steckt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Veranstaltung soll Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Teilen Deutschlands und dem übrigen Europa zusammenbringen, die auf vier Open-Air-Bühnen in der Emder Innenstadt traditionelle und moderne Musik in der Sprache ihrer jeweiligen Heimatregion präsentieren. Ziel ist es, den Zusammenhalt der Menschen innerhalb der jeweiligen Region sowie den Austausch von Ideen und Erfahrungen zwischen den Regionen zu stärken. „Es sind kleinen Lebenswelten, wo man sich zu Hause fühlt und die den Alltag prägen, die in den Mittelpunkt rücken“, sagt Johannes Meyering.

„Urmel“ Meyering will etwas bewegen

Der Emder Kulturschaffende ist einer der Initiatoren des Festivals. In Emden ist er unter dem Namen „Urmel“ stadtbekannt. „Die Idee geisterte schon länger in meinem Kopf herum“, sagt der Bühnenbildner, Theatertischler und Musiker. Den Entschluss, sie umzusetzen, fasste er, nachdem er bei der Kommunalwahl im September als Einzelbewerber auf Anhieb den Einzug in den Emder Stadtrat geschafft hatte.

Wolfgang Meyering ist vielen Ostfriesen als musikalischer Kopf der Emder Folkband „Spillwark“ bekannt.
Wolfgang Meyering ist vielen Ostfriesen als musikalischer Kopf der Emder Folkband „Spillwark“ bekannt.

Auch in seiner neuen Funktion als Kommunalpolitiker wolle er sich künftig „stärker in das gesellschaftliche Leben einbringen und was bewegen“, sagt das 64-jährige Multitalent. Weil er aus dem Kulturmanagement komme, sei sein Engagement in diesem Bereich „naheliegend“. Meyering hatte unter anderem jahrelang für ein freies Kulturzentrum im ehemaligen Emder Apollo-Kino gekämpft. Diese Mission scheiterte aber.

Initiatoren sind in Emder Szene bekannt

Zum Kreis der Initiatoren und Organisatoren des Lüttje-Welt-Festvials gehören auch die Musiker Wolfgang Meyering (Emden/Berlin) und Tim Gressler (Emden/Leipzig), die beide auch Erfahrungen als Veranstalter haben, sowie der Musiker und Volkskundler Dr. Ralf Gehler aus Schwerin. Alle vier haben einen Namen in der Emder Musikszene.

Die Meyering-Brüder und Gehler gehören auch zur plattdeutschen Folkband „Spillwark“, die in der Hafenstadt Kult-Status hat. Die drei sind auch Veranstalter des „Windros“-Festivals in Schwerin, das sich der traditionellen Folkmusik widmet. Daraus hat sich das Zentrum für traditionelle Musik entwickelt, das sich unter der Leitung von Gehler der wissenschaftlichen Erforschung und Vermittlung traditioneller Musikkulturen verschrieben hat.

Er ist Experte für traditionelle Musik und Regionalgeschichte: Der Musiker und Volkskundler Dr. Ralf Gehler gehört zum Organisationsteam des Emder Festivals.
Er ist Experte für traditionelle Musik und Regionalgeschichte: Der Musiker und Volkskundler Dr. Ralf Gehler gehört zum Organisationsteam des Emder Festivals.

Bis zu 36 Konzerte sind geplant

Die vier Bühnen des Lüttje-Welt-Festivals in Emden sollen auf dem Neuen Markt, im Stadtgarten, auf dem Henri-Nannen-Platz vor der Kunsthalle sowie auf dem Stephansplatz vor dem Café Einstein stehen. Diese Standorte liegen nah beieinander. Auf jeder Bühne sind acht bis neun Einzelkonzerte geplant, die jeweils einem musikalischem Schwerpunkt zugeordnet werden.

Die Künstlerinnen und Künstler, Bands und Gruppen sollen jeweils zu etwa einem Drittel aus dem plattdeutschen und ostfriesischem Raum, aus anderen Regionen Deutschlands sowie aus dem europäischen Raum kommen. Bei den Gästen aus dem Ausland wollen die Veranstalter ein besonderes Augenmerk auf die benachbarten Niederlande legen. „Etwa ein Dutzend Bands sind schon konkret angefragt“, so Urmel Meyering.

Crowdfunding als Finanzierungsmodell

Zur Einstimmung auf das Festival soll es im kommenden Sommer schon einzelne Konzerte in ostfriesischen Städten wie Leer und Norden geben. Zudem ist geplant, während der Veranstaltung weitere Konzerte in Lokalen und Kultureinrichtungen, Seminare und Vorträge zu organisieren.

Zum Kreis der Initiatoren und Organisatoren gehörte auch der Musiker und Veranstalter Tim Gressler, der ostfriesische Wurzeln hat und im Frühjahr 2022 von Leipzig nach Emden ziehen will.
Zum Kreis der Initiatoren und Organisatoren gehörte auch der Musiker und Veranstalter Tim Gressler, der ostfriesische Wurzeln hat und im Frühjahr 2022 von Leipzig nach Emden ziehen will.

Wert legen die Initiatoren darauf, das Festival möglichst klimagerecht mit einem geringen Energieverbrauch und ohne Flugreisen der Gäste zu gestalten. Um das Festival finanzieren zu können, setzen die Initiatoren auf die Allgemeinheit. Sie bereiten ein sogenanntes Crowdfunding vor. Das ist ein Modell, bei dem zahlreiche Menschen jeweils Kleinstbeträge investieren. Für bestimmte Summen soll es als Gegenleistung auch „Danke-schön-Pakete“ geben. Die Veranstalter rechnen mit Kosten im höheren fünfstelligen Bereich.

Urmel Meyering sieht in diesem Finanzierungsmodell auch eine Möglichkeit, „viele Leute zu motivieren, sich einzubringen und sozusagen Teil des Festivals zu werden“. Er und seine Mitstreiter verstehen die Veranstaltung gleichwohl als „ein Signal, selbst etwas auf die Beine zu stellen“. Das Festival gelte als Initialzündung für weitere Projekte. „Es ist ein erster Eckstein“, sagt Meyering. Weitere Ideen, wie die Innenstadt auch künftig mit Kultur belebt werden kann, gebe es bereits.

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