Hannover/Lüneburg
Jakob Blankenburg ist einer der Jüngsten im neuen Bundestag
Jakob Blankenburg hat gekämpft und gegen die CDU gewonnen: Nun ist der gerade einmal 24-jährige SPD-Politiker der jüngste Wahlkreisabgeordnete in Deutschland. Ein Porträt.
Jakob Blankenburg ragt mit seinen 2,01 Metern nicht nur körperlich heraus, auch politisch hat der 24-Jährige bei der Bundestagswahl einen großen Erfolg erzielt. Der Politikwissenschaftler, der zuletzt für die niedersächsische SPD-Landtagsfraktion als Pressereferent arbeitete, hat den Wahlkreis Lüchow-Dannenberg/Lüneburg nach zwölf Jahren von der CDU zurückerobert und ist somit als jüngster direkt gewählter Abgeordneter in den Deutschen Bundestag eingezogen. Der politische Newcomer Blankenburg hatte sich gegenüber dem bisherigen Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (59) durchgesetzt. Die jüngste Bundestagsabgeordnete ist übrigens die 23-jährige Grünen-Politikerin Emilia Fester aus Hamburg, die allerdings über die Liste ins Parlament einzog. Und der älteste Abgeordnete ist mit 80 Jahren Alexander Gauland von der AfD.
Bereits als Jugendlicher politisch engagiert
Nun ist Blankenburg also der jüngste Wahlkreisabgeordnete in Deutschland, der bei den Erststimmen gesiegt hat und damit seinen Wahlkreis direkt im Bundestag vertritt. Doch darüber allein will er sich nicht profilieren. „Ich möchte nicht nur als der junge Bundestagsabgeordnete wahrgenommen werden, sondern vor allem inhaltlich arbeiten“, sagt der Sohn eines Ingenieurs und einer Physiotherapeutin, dessen politisches Engagement bereits als Jugendlicher begonnen hatte.
Impuls kam in der Schule
Nicht etwa seine Eltern, sondern vielmehr sein damaliger Politik-Lehrer sei ausschlaggebend dafür gewesen, seiner Haltung eine Stimme zu verleihen. Blankenburg gehörte mit nur 15 Jahren zu den Mitgründern einer Bürgerinitiative gegen Fracking, der durchaus umstrittenen Gewinnung von Erdgas aus tiefen Gesteinsschichten also. Es folgten ein Praktikum beim heutigen SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sowie die Wahl in den örtlichen Kreistag und in den Gemeinderat und der Vorsitz der Jungsozialisten (Jusos) in Niedersachsen. „Umweltpolitik, öffentlicher Nahverkehr, Fahrradwege - es braucht junge Menschen in der Politik“, ist Blankenburg überzeugt. Daher freut er sich natürlich darüber, dass er in seiner Fraktion nicht alleine steht. So hat es bei der SPD gleich eine ganze Gruppe von Jusos geschafft, auf 49 Leute in der neuen Bundestagsfraktion zu kommen. Das ist fast ein Viertel der gesamten Mannschaft.
Juso-Vorsitz abgegeben
Um sich nun voll und ganz auf seine Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter konzentrieren zu können, hat Jakob Blankenburg kürzlich den Vorsitz bei der SPD-Nachwuchsorganisation abgelegt. Seit Mitte Oktober haben die niedersächsischen Jusos mit Ronja Laemmerhirt (21) und Besian Krasniqi (24) eine neue Doppelspitze. Neben Blankenburg trat auch die Co-Vorsitzende Johanna Kuipers nicht wieder an, sie will sich stärker auf ihr Studium konzentrieren. Die Jusos in Niedersachsen haben nach eigenen Angaben rund 7000 Mitglieder.
Schwerpunkte Umwelt und Digitalisierung
In welche Bundestagsausschüsse der Nachwuchspolitiker gelangt, steht noch nicht fest. Sein Interesse an Umweltthemen sei ungebrochen, aber auch am Thema Digitalisierung, das er auf kommunaler Ebene schon aufgegriffen hatte, würde er im Berliner Parlament gern weiterarbeiten.
Entlohnung wie Bundesrichter
Fest steht unterdessen, dass Blankenburg sich um seine finanzielle Versorgung in den nächsten vier Jahren keine Sorgen machen muss. Mit einer monatlichen Diät von um die 10.000 Euro werden Abgeordnete entlohnt wie Bundesrichter. Hinzu kommen monatlich 4500 Euro (steuerfrei) für Versicherungen, Anschaffungen und die Miete für ein Wahlkreisbüro. Plus 22.000 Euro monatlich für die Anstellung wissenschaftlicher Mitarbeiter. Das Geld wird vom Bundestag verwaltet und den Abgeordneten nicht direkt ausgezahlt. Die gleiche Regelung gilt für die Pauschale von 12.000 Euro jährlich für Büromaterialien. „Das ist viel Geld. Damit geht eine besondere Verantwortung einher, vor allem auch, weil es sich um Steuermittel handelt“, sagt Blankenburg. „Ich will und werde schauen, welche Initiativen ich in meinem Wahlkreis auch finanziell unterstützen kann. Außerdem werde ich bis ins letzte Detail transparent offenlegen, wo das Geld bleibt“, verspricht der junge Mann, der sich selbst als „unbestechlich“ bezeichnet. Insbesondere nach der Maskenaffäre der CDU müsse es wieder verstärkt um Vertrauen in die Politik und in Abgeordnete gehen. „Ich vertrete jedenfalls die Interessen derjenigen, die mich gewählt haben, und nicht derjenigen, die meine Stimme erkaufen wollen“, bekräftigt der studierte Politologe, dessen Bruder (18) gerade auf sein Abitur zusteuert und dessen Schwester (22) Jura in Göttingen studiert.