Entsorgung
Lässt teures Altpapier die Müllgebühren sinken?
Die Abfallwirtschaft verdient sich am Altpapier eine goldene Nase, denn die Preise explodieren. Sinken dadurch die Müllgebühren im Landkreis Aurich? Wir haben nachgefragt.
Aurich - Die Preise für Altpapier explodieren. Laut dem Branchenindex FOEX hat sich das Material in Deutschland seit Jahresbeginn um 78 Prozent verteuert. Altpapier ist das neue Gold, könnte der Laie meinen. Für Verbraucher hat das nicht nur Nachteile. Denn von hohen Preisen für Altpapier profitieren die Entsorgungsbetriebe, die alte Zeitungen und Kartons der Haushalte einsammeln und gewinnbringend verkaufen.
Sinken nun also dank des teuren Altpapiers die Müllgebühren? So weit will sich Hans-Hermann Dörnath nicht aus dem Fenster lehnen. „Es ist sehr positiv, wie sich der Marktpreis entwickelt hat“, sagt der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Landkreis Aurich und Geschäftsführer des kreiseigenen Entsorgungsbetriebs MKW. „Es kommt uns sehr zugute, dass wir diese hohen Erlöse erzielen.“ Inwieweit sich das auf die Gebührenkalkulation auswirke, könne er jedoch noch nicht sagen. Das werde gerade berechnet.
Bis zum 25. November steht es fest
Es gebe „sehr, sehr viele“ weitere Einflussfaktoren, sagt Dörnath, zum Beispiel die hohen Energiepreise. Bei den Anlagen des Entsorgungsbetriebs bestehe zudem erhöhter Sanierungs- und Instandsetzungsbedarf. Ob die hohen Erlöse beim Altpapierverkauf die hohen Kosten an anderer Stelle auffangen, ist derzeit offen. „Womöglich kommen wir an einer Gebührenerhöhung vorbei“, sagt Dörnath. Bis zum 25. November wird er es wissen. Dann legt er dem zuständigen Fachausschuss des Kreistags die Gebührenkalkulation für 2022 vor.
Die Preise auf dem Altpapiermarkt schwanken extrem. Der Abfallwirtschaftsbetrieb hatte für dieses Jahr mit durchschnittlich 50 Euro pro Tonne kalkuliert. Tatsächlich wurden von Januar bis Juli im Mittel 135 Euro pro Tonne erlöst – Tendenz steigend. „Es kann sein, dass der Markt wieder einbricht“, sagt Dörnath. „Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche sagen, das sei nur eine Blase, andere sprechen von einer dauerhaften Entwicklung.“ Der Geschäftsführer wünscht sich Letzteres. „Ich hoffe, dass es noch eine Weile so bleibt.“
Seit Jahren Netto-Importeur
Die Redaktion hat beim Spitzenverband der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie in Bonn nachgefragt. Doch auch dort will man sich nicht festlegen. „Wenn ich eine Glaskugel hätte, könnte ich es Ihnen sagen“, sagt Pressesprecher Gregor Andreas Geiger. „Die Papierbranche hofft auf sinkende Preise.“ Deutschland sei seit Jahren Netto-Importeur von Altpapier. „Das wird auf dem Weltmarkt gehandelt.“ Wie bei allen Rohstoffen seien die Preise starken Schwankungen unterworfen. Sie hingen unter anderem von Nachfrage, Exporten und Verfügbarkeit ab.
Vor zwei Jahren war die Situation eine völlig andere. Ende 2019 hatte Abfallwirtschafts-Chef Dörnath wegen des Preisverfalls auf dem Altpapiermarkt aufgrund sinkender Nachfrage aus China angekündigt, dass es 2020/21 im Landkreis Aurich voraussichtlich eine Gebührenerhöhung geben werde. Dazu war es dann jedoch nicht gekommen, weil erstens der Preisverfall gebremst wurde und zweitens an anderer Stelle Kosten gespart wurden. Somit blieben die Müllgebühren im Landkreis Aurich stabil.
Derzeit zahlt ein durchschnittlicher Haushalt mit 120-Liter-Tonnen für Bio- und Restabfall 121,50 Euro pro Jahr. Die Grundgebühr beträgt 69 Euro, die Leerungsgebühr für 120 Liter fassende Bio- und Restabfalltonnen 5,25 Euro. Zum Jahreswechsel 2018/19 waren die Gebühren um mehr als zehn Prozent gestiegen, von 2017 auf 2018 um rund fünf Prozent.