Osnabrück

„Luna frisst oder stirbt“: Tatort aus Frankfurt in der Krise

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 27.10.2021 10:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sie schwächeln: Das Frankfurter Tatort-Team mit Kriminalassistent Jonas (Isaak Dentler, links), Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Foto: HR/Bettina Müller
Sie schwächeln: Das Frankfurter Tatort-Team mit Kriminalassistent Jonas (Isaak Dentler, links), Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Foto: HR/Bettina Müller
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Der Tatort aus Frankfurt steckt in der Krise. Auch die neue Folge „Luna frisst oder stirbt“ an diesem Sonntag bleibt deutlich unter früherem Niveau.

Es ist noch gar nicht lange her, da stand der Tatort in der Kritik, weil fast ausschließlich Männer auf dem Regiestuhl Platz nahmen. Daran hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm viel geändert - und nirgendwo ist dieser Wandel deutlicher ausgeprägt als in Frankfurt: Vier der letzten fünf letzten Episoden aus der Mainmetropole wurden von Frauen inszeniert.

So schwach war der letzte Frankfurter Tatort

Diesmal ist es Tatort-Debütantin Katharina Bischof (36), die zusammen Johanna Thalmann auch das Drehbuch zu „Luna frisst oder stirbt“ schrieb. Auch im Zentrum ihres Films steht die Geschichte zweier Frauen.

Sprung von der Brücke

„Wenn ich es so schwer hätte wie Luna - vielleicht würde ich dann auch am Abgrund stehen und mir die Frage stellen, ob ich springe.“ Mit diesen Worten kommentiert die 19-jähriges Nachwuchsautorin Luise Nathan (Jana McKinnon) die erste Lesung aus ihrem Debüt-Roman „Luna frisst oder stirbt“. Das Publikum ist begeistert, nach der Lesung wird gefeiert - und plötzlich liegt Luna tot unter einer Eisenbahnbrücke. „Suizid“, diagnostiziert der Frankfurter Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch). Und die Kollegin Anna Janneke fragt sich, ob die junge Frau womöglich „ihren eigenen Abgang anmoderiert“ hat. Aber warum sollte sie? Ausgerechnet jetzt, wo die Zeichen auf eine Karriere als erfolgreiche Autorin stehen? Warum sollte sie von ihrer Party verschwinden und in den Tod springen?

Man darf sich schon fragen, warum Beamte einer Mordkommission sich derart intensiv mit diesem Fall beschäftigen, wenn sie von einer Selbsttötung ausgehen. Der Film braucht fast 20 Minuten, bis feststeht: Es war ein Tötungsdelikt.

Fortan lesen die Kommissare fleißig in Luisas Buch, suchen dort den roten Faden für ihre Ermittlung. „Wo endet die Realität und wo beginnt die Fiktion?“, fragt der Assi. Damit es auch der Zuschauer versteht. Regisseurin Katharina Bischof zeigt auf zwei Zeitebenen - wenn Passagen aus dem Buch gelesen werden, sehen wir dazu die passenden Bilder aus dem Leben der Toten. Und natürlich gibt es die Hauptfigur des Romans, eine junge Frau aus prekären Verhältnissen, auch im wirklichen Leben: Nellie Kunze (Lena Urzendowsky), eine Freundin von Luisa, wird mehr und mehr zur zentralen Figur.

Das ist ambitioniert, aber leider nicht gut umgesetzt. Manche Krimis packen ihre Zuschauer von der ersten Minute an, andere ziehen den Spannungsbogen langsam, aber unaufhörlich hoch. Dieser aber plätschert vor sich hin wie der Springbrunnen im Garten einer Seniorenresidenz. Als das Drama in der Geschichte sichtbar wird, ist schon viel zu viel Zeit verschenkt.

Immer sonderbarer wird auch die Einbindung von Brix‘ Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris), die wie ein Kai aus der Kiste immer da auftaucht, wo die Kommissare gerade ermitteln. Diesmal als ehrenamtliche Helferin in einem Kaffee für jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, das die Mutter des Mordopfers gerade eröffnet hat.

Diese Figur, die anfangs durchaus originell war, wird offenbar immer mehr zum Ballast für die Drehbuchautoren, die sie irgendwie einbinden müssen, aber keine guten Ideen dafür haben. Und damit zum Indiz eines zunehmend kriselnden Frankfurter Tatorts.

Tatort: Luna frisst oder stirbt. Das Erste, Sonntag, 31. Oktober, 20.15 Uhr.

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