Vergabe von Grundstücken

Junge Familien können in Jemgum besonders punkten

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 26.10.2021 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Gemeinde Jemgum gibt es viele Altimmobilien, die zum Verkauf stehen. Mit einem Programm will man jungen Familien den Kauf und die Sanierung alter Häuser schmackhaft machen. Foto: Gettkowski
In der Gemeinde Jemgum gibt es viele Altimmobilien, die zum Verkauf stehen. Mit einem Programm will man jungen Familien den Kauf und die Sanierung alter Häuser schmackhaft machen. Foto: Gettkowski
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Jemgum will mehr Familien anlocken. Punkten können junge Leute nicht nur bei der Vergabe der Grundstücke in den neuen Baugebieten, sondern auch beim Kauf und der Sanierung von Alt-Immobilien.

Jemgum - Die Gemeinde Jemgum steht vor einer Verjüngungskur. Bei der Vergabe von Grundstücken in den neuen Baugebieten können junge Familien besonders punkten. Gleichzeitig will man jungen Leuten den Erwerb von Altimmobilien durch finanzielle Anreize schmackhaft machen. Positive Nebeneffekte: durch die Sanierung leerstehender alter Häuser wird gleichzeitig etwas fürs Ortsbild und den Klimaschutz getan. In der Sitzung des Bauausschusses am Montagabend wurde die Umsetzung geplanten Vorgaben diskutiert.

Was und warum

Darum geht es: Baugrundstücke sind knapp und für einige junge Leute gar unerschwinglich. Weil Familien aber wichtig für den Erhalt der Infrastruktur und die Durchmischung der Altersstruktur sind, steuern Kommunen mit Förderprogrammen gegen. Vor allem interessant für: Junge Familien, die sich ein Eigenheim wünschen und alle die sich für verschiedene Facetten des demografischen Wandels interessieren.

Deshalb berichten wir: Der Bauausschuss der Gemeinde Jemgum befasste sich mit Förderprogrammen, von denen junge Familien, das Klima und das Ortsbild profitieren sollen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Weil die Nachfrage nach den mehr als 60 Grundstücken in Jemgum und Ditzum hoch ist, werden erstmals Vergabekriterien nach einem Punktesystem festgelegt. Außerdem müssen die Käufer bestimmte Bedingungen erfüllen. Für viele Kinder gibt es viele Punkte. Extrapunkte soll es auch für Personen geben, die sich in der Gemeinde ehrenamtlich engagieren. „Die Bewerber mit den meisten Punkten haben das Erstzugriffsrecht“, erklärte Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Bei Bewerbern mit gleicher Punktzahl entscheide das Los. Grundsätzlich müssen Einfamilienhäuser vom Eigentümer fünf Jahre lang als Erstwohnsitz genutzt werden. Ferien- und Einliegerwohnungen sind nicht prinziell ausgeschlossen. Sie müssen dem Wohngebäude aber baulich untergeordnet sein. „Das soll dem Eigentümer eine Einnahmequelle zur Finanzierung bieten“, so Heikens.

Neue „freiwillige Aufgabe“

Diskutiert wurde außerdem das von der CDU ins Gespräch gebrachte Programm „Jung kauft Alt“. Die Verwaltung stellte in der Sitzung einen Vorschlag vor. Käufer könnten danach über einen Zeitraum von fünf Jahren eine maximale Fördersumme für eine energetische Altgebäudesanierung in Höhe von 7500 Euro erhalten. Pro Jahr wären das maximal 1500 Euro.

„Bei dieser möglichen Föderung handelt es sich um eine neue freiwillige Leistung der Gemeinde“, räumte der Bürgermeister ein. Angesichts der Haushaltslage sieht die Kommunalaufsicht neue freiwillige Leistungen kritisch. „Man muss aber auch die Einnahmen gegenrechnen. Wenn es uns gelingt, neue Familien nach Jemgum zu ziehen, wird sich das auf die Steuerkraft auswirken“, so Ento Wübbena (CDU). Dr. Walter Eberlei sieht das Programm „Jung kauft Alt“ grundsätzlich als gute Idee. „Bei den Fördersummen würde ich am liebsten eine Null dranhängen.“ Die Finanzkraft der Gemeinde lasse das aber nicht zu. Die Förderung habe in seinen Augen daher nur symbolischen Wert.

Gute Erfahrungen gesammelt

Welche Erfahrungen hat man anderenorts gemacht? Im Landkreis Rotenburg (rund 162.000 Einwohner) durchaus gute. Seit 2019 können dort Familien, die eine mindestes 30 Jahre alte Immobilie kaufen, über einen Förderzeitraum von sechs Jahren eine maximale Fördersumme von 12.000 Euro erhalten. Nach den Worten von Matthias Cordes von der Stabstelle Kreisentwicklung gehen jährlich zwischen 25 und 30 Förderanträge ein. „2020 hatten wir Auszahlungen in Höhe unter 10.000 Euro. Für einen Landkreis ist das natürlich kein nennenswerter Betrag im Haushalt.“ Über einen Zeitraum von sieben bis neun Jahren werde sich der Betrag laut Cordes auf knapp unter einer halben Million Euro summieren. „Kommunen müssen mit einem spitzen Bleistift rechnen und finanziell einen langen Atem haben.“ Andererseits dürften die Förderbeträge nicht zu gering ausfallen. „Sonst ist das Ganze Makulatur.“ Der Förderbetrag sollte zumindest für eine Sondertilgung reichen.

In der Stadt Papenburg wurden bis Ende 2020 Fördermittel mit einem Gesamtvolumen von 280.000 Euro zur Verfügung gestellt. Bis dahin wurden 20 Anträge bewilligt. In Norden gibt es seit Mitte vergangenen Jahres das Programm „Jung kauft Alt“. Im vergangenen Jahr war hierfür im Haushalt eine Summe von 550.000 Euro bereitgestellt worden.

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