Ernährung

Bio-Trend im Landkreis Leer

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 25.10.2021 18:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Firmengründerin des Bioboten Lisa Lubas im Gespräch mit Daniel Caspers vom Johannshof in Großefehn. Foto: Biobote
Firmengründerin des Bioboten Lisa Lubas im Gespräch mit Daniel Caspers vom Johannshof in Großefehn. Foto: Biobote
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Kisten mit Bio-Lebensmitteln liefert ein Anbieter neuerdings im Kreis Leer. Die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln ist nicht neu, erlebt aber einen Aufschwung. Wir wollten wissen, warum.

Landkreis Leer - Unter anderem vom Johannshof, einem ökologischen Demeter-Hof in Fiebing (Großefehn), kommen Lebensmittel in Kisten und werden bis vor die Haustür geliefert: Das emsländische Unternehmen Biobote bringt seine Mehrweg-Kisten seit Kurzem auch in den Landkreis Leer. „Wir bekommen bereits seit unserem Gründungsjahr 2016 immer wieder Anfragen aus Westoverledingen oder Rhauderfehn. Anfang September gingen die ersten Lieferungen nun endlich auf die Reise“, wird Lisa Lubas, Gründerin der Firma Biobote, in einer Mitteilung zitiert. Bis Ende des Jahres seien bis zu drei Touren durch das südliche Ostfriesland geplant, kündigt das Unternehmen an.

Auf dem Johannshof leben auch Tiere. Foto: Biobote
Auf dem Johannshof leben auch Tiere. Foto: Biobote

Bio, Regionalität und Nachhaltigkeit: Diese Themen träfen den Nerv der Zeit. So habe der Biobote expandieren können, teilt das Unternehmen mit. Auch die Corona-Pandemie habe zum Aufschwung beigetragen. Eine neue Packhalle in Haren, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien hinzugekommen, ebenso wie neue Lieferfahrzeuge. „Neben regionalen Produkten wie Obst, Gemüse, Fleisch, Eier, Milch haben wir auch Trockenprodukte wie Müsli, Kosmetik, Klopapier, Süßigkeiten, Nudeln und Tiefkühlpizza im Programm, insgesamt rund 2000 Produkte“, erklärt Sebastian Bosse von Biobote.

Was und warum

Darum geht es: Frisch, bio, regional ist im Aufwind – ein neuer Trend ist das im Landkreis Leer allerdings nicht.

Vor allem interessant für: Die, die gerne wissen, woher ihre Lebensmittel kommen.

Deshalb berichten wir: Ein neues Angebot schwappt aus dem Emsland nun in den Landkreis Leer.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Bio-Landwirt Heiko Freese schwört auf die Frische seines Feldsalats. Foto: Archiv/Ortgies
Bio-Landwirt Heiko Freese schwört auf die Frische seines Feldsalats. Foto: Archiv/Ortgies

Pioniere im Bio-Metier

Bio ist beliebt – aber das ist kein ganz neuer Trend. „Uns gibt es seit 1985, also seit mehr als 30 Jahren als Biolandhof, das war damals Pionierarbeit meiner Eltern“, sagt Heiko Freese. Mit seiner Frau Hedda und Seniorchefin Hilde Freese betreibt er den Hof in Rhaudermoor und die dazugehörigen Hofläden in Leer und Rhauderfehn. „Bis zu 50 verschiedene Gemüsekulturen wachsen bei uns heran“, sagt Freese. Außerdem gebe es auf dem Betrieb eine Rinderherde und Freilandschweine. Mit dem eigenen Sortiment, erweitert durch das Angebot anderer Biobetriebe, sei man auf Wochenmärkten in Aurich und Rhauderfehn vertreten: „Und die Nachfrage steigt. Wir haben den eigenen Anbau stark erweitert“, sagt Freese.

Die Schweine der Freeses leben das ganze Jahr über draußen. Foto: Nobel/Archiv
Die Schweine der Freeses leben das ganze Jahr über draußen. Foto: Nobel/Archiv

„Die Menschen haben sich auf kleine Strukturen besonnen und wollten bei regionalen Anbietern kaufen“, sagt Freese. Der Wunsch, Energie sparen und auf die Umwelt achten wollen, sei gewachsen. Die vergangenen Jahre seien gut gelaufen, die Pandemie habe einen weiteren Schub gegeben. „Gleichzeitig gibt es mehr Anbieter“, sagt er. Es falle allerdings nicht schwer, die Kunden zu bewahren. „Die Frische der Produkte und die Transparenz durch Hofführungen sind Argumente, die für uns sprechen. Wir gehen auf Kundenwünsche ein. Züchten ein bestimmtes Gemüse oder bringen ihnen Produkte, wenn sie per Mail oder telefonisch danach fragen, nach Hause“, sagt er.

Hofladen und Markt statt Lieferung

Vom Lieferservice hat man sich dagegen beim Gärtnerhof ter Veen in Uplengen vor sechs Jahren verabschiedet, erzählt Willem ter Veen. Er leitet den Biobetrieb mit seiner Frau Felicitas Walczuch. „Für einen Online-Shop, der das bietet, was sich Kunden vorstellen, sind die Anforderungen sehr hoch. Wir standen vor der Wahl, Geld und viel Zeit zu investieren oder das Liefern einzustellen. Das haben wir getan. So hatten wir mehr Zeit, um die anderen Betriebszweige auszubauen. Es war die richtige Entscheidung“, so ter Veen. So habe man sich mehr auf den Hofladen, die Wochenmärkte in Leer und Jever und die Ausweitung der Anbauflächen vorrangig für Gemüse konzentriert. „Auf dem Biohof leben außerdem eine kleine Mutterkuhherde sowie Legehennen.“

„Es gibt jede Menge Wachstum im Bio-Sektor. Gerade regionale Produkte sind sehr gefragt. Wie der Einzelhandel haben auch Hofläden einen Aufschwung erlebt. Wir können gerade einen neuen Laden planen“, sagt ter Veen. Er hat zwei Thesen, warum Corona diesen Boom ausgelöst hat: „Einmal sind in anderen Bereichen Lieferketten zusammengebrochen. So gab es eine Rückbesinnung auf regionale Strukturen.“ Außerdem habe die Möglichkeit, an der frischen Luft auf Wochenmärkten einzukaufen, jede Menge neue Kunden gebracht, die geblieben seien, sagt er.

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