Gastronomie

„Ostfriesenbräu“ plant Millionen-Investition

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 26.10.2021 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Brauerei-Chef René Krischer nimmt eine Probe aus einem der Kessel. Foto: Cordsen
Brauerei-Chef René Krischer nimmt eine Probe aus einem der Kessel. Foto: Cordsen
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Anders als große Brauereien musste „Ostfriesenbräu“ in Bagband in der Corona-Krise kein Bier wegschütten. Doch um sich für die Zukunft zu wappnen, planen die Verantwortlichen massive Investitionen.

Bagband - Nein, fässerweise Bier weggekippt, wie es viele große Brauereien in Deutschland mangels Absatz an die Gastronomie während des Lockdowns im Frühjahr mussten, hat René Krischer nicht. „Daran sind wir glücklicherweise vorbeigekommen“, sagt der Braumeister, der seit über 20 Jahren in Bagband Bier braut. Um sich für die Zukunft noch besser aufzustellen, will sein Unternehmen aber trotzdem insgesamt rund eine Million Euro in Brauhaus und Brauerei investieren.

„Weil unser Bier ein kürzeres Mindesthaltbarkeitsdatum hat, war die Bevorratung der Händler geringer. Wir haben einige originalverschlossene Fässer zurückbekommen, allerdings sehr rechtzeitig, so dass wir sie auf Flaschen ziehen und in den Handel geben konnten. Aber selbst das waren keine relevanten Mengen“, sagt Krischer. In Sachen Bierabsatz habe die Pandemie seiner kleinen ostfriesischen Brauerei nur wenig zugesetzt, sagt er. „Der Außer-Haus-Verkauf ist immens gestiegen, auch bei uns. Und wir haben mehr über den Handel abgesetzt – vielleicht nicht in den deutlichen Steigerungen wie andere, die sogar 30 Prozent mehr Umsatz über den Handel gemacht haben. Aber durch das, was wir so zusätzlich absetzen konnten, konnten wir mengenmäßig den Nichtverkauf an anderer Stelle mehr als wettmachen“, sagt Krischer. „Allerdings mussten wir schon das deutlich ertragreichere Geschäft mit dem Bierverkauf auf Festen und in der Gastronomie tauschen gegen das Geschäftsfeld mit dem Handel, wo es für uns deutlich geringere Margen gibt“, sagt Krischer. „Insgesamt sind wir aber trotzdem bislang gut durch die Zeit gekommen.“

Kosten sind deutlich gestiegen

Weil in Lockdown-Zeiten auch fast keine Touristen kommen konnten, die sich sonst in Bagband gern mit perlenden Mitbringseln eindecken, habe man deutlich mehr Drittel-Literflaschen verkauft als die bei Reisenden beliebten Literflaschen. Im Sommer habe „Ostfriesenbräu“ die Preise „ein wenig“ erhöhen müssen, um im Schnitt etwa fünf bis sechs Prozent, sagt Krischer. „Die Lohnkosten sind deutlich gestiegen. Vor allem aber waren Versorgungsengpässe preistreibend: Die Preise für Leim für die Etiketten etwa haben sich binnen eines Jahres verdoppelt. Papier ist auch viel teurer geworden, und das gilt genauso für den Preis für Holz, aus dem wir unsere Kisten bei der Lebenshilfe in Leer bauen lassen.“ Mehr als verdoppelte Energiekosten, die große Brauereien für ihre jüngst angekündigten Preiserhöhungen verantwortlich machten, seien „bei uns kein erheblicher Faktor“, sagt Krischer.

Schon seit Jahren investiert er mit seinem Unternehmen in Energiespar-Projekte. Zwei Blockheizkraftwerke nutzt die Brauerei zur Energie- und Wärmegewinnung, alle Kühlanlagen sind mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. „Bei uns bleiben dadurch die Energiekosten stabil – wobei unser Primärenergieverbrauch aber stetig sinkt. Wir sparen durch die steigenden Kosten nur nicht das, was wir gern sparen würden“, sagt Krischer.

Hoffen auf Neubau für effektivere Produktion

Aktuell investiert „Ostfriesenbräu“ beim Brauhaus in neue, besser gedämmte Fenster, eine neue Lüftung und eine Isolierung des Flachdaches, geht in Sachen Energie-Effizienz also weitere Schritte vorwärts. Zudem hat Krischer ein neues elektronisches Buchungs- und Bestellsystem angeschafft (siehe Text oben). „Die Gelegenheit war günstig, weil es vom Land über das Programm ,Neustart Niedersachsen‘ eine lukrative Förderung gab“, sagt Krischer.

Darüber hinaus hofft er darauf, bald die Genehmigung zum bereits seit 2018 geplanten Bau eines neuen Gebäudes auf dem Firmengelände zu erhalten, auf dass „Ostfriesenbräu“ neue Lagermöglichkeiten erhält, zugleich aber auch die Produktion in neue Räume umziehen kann. Das Gebäude soll eine in die Jahre gekommene Rundhalle auf dem Hof der ehemaligen Molkerei ersetzen. „Zentrales Ziel ist dabei nicht, unsere Produktionskapazität zu steigern, die aktuell theoretisch bei etwa 20.000 bis 25.000 Litern pro Woche liegt. Weil wir über die Jahre gewachsen sind, ist die aktuelle Produktion räumlich nur sehr beengt und dadurch in den Abläufen an einigen Punkten umständlich“, sagt Krischer. „Im Neubau könnten wir effizienter und damit auch wirtschaftlicher arbeiten und auch sonst hätte das viele Vorteile.“

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