München

Impfdebatte: Was Spahn einer „Querdenkerin“ sagte, gilt auch für Kimmich

Justus Wilke
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Von Justus Wilke
| 25.10.2021 11:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der deutsche Fußballnationalspieler Joshua Kimmich hat erklärt, dass er noch ungeimpft ist und vorerst noch Langzeitstudien zu Corona-Impfstoffen abwarten möchte. Foto: imago images/MIS
Der deutsche Fußballnationalspieler Joshua Kimmich hat erklärt, dass er noch ungeimpft ist und vorerst noch Langzeitstudien zu Corona-Impfstoffen abwarten möchte. Foto: imago images/MIS
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Joshua Kimmich will sich vorerst nicht impfen lassen, weil er Langzeitfolgen des Vakzins befürchtet. Dabei ist diese Sorge vollkommen unbegründet – das hat Jens Spahn bereits vor Wochen einer „Querdenkerin“ erklärt.

Der deutsche Fußballnationalspieler und Bayern-Star Joshua Kimmich hat erklärt, dass er noch ungeimpft sei und sich zumindest vorerst nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wolle. Er habe „persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht“, sagte Kimmich am Samstag. Experten betonen, dass Kimmichs Sorgen größtenteils unberechtigt sind - und das ist eigentlich nichts Neues.

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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits vor einem Monat solche Bedenken bezüglich der Langzeitfolgen für unbegründet erklärt. Mitte September, wenige Tage vor der Bundestagswahl, hatte sich der CDU-Politiker in Kirchen in Rheinland-Pfalz den Fragen einer „Querdenkerin“ gestellt.

Was Spahn der „Querdenkerin“ sagte, gilt auch für Kimmich

In einem Youtube-Video ist zu sehen: Spahns Antwort von damals scheint wie eine Blaupause für das, was jetzt Experten nach Kimmichs Aussage betonen: „Der Impfstoff an sich, der ist ja nach wenigen Tagen und Wochen gar nicht mehr im Körper.“ Daraufhin lacht die Menge, in der sich viele „Querdenken“-Anhänger befinden; Spahn muss sich erklären: „Der Impfstoff ist weg, die Immun-Antwort ist noch da!“

Und der Gesundheitsminister setzt noch einmal an: „Sagen wir's mal andersrum: Wir haben jetzt mittlerweile auf der Welt Hunderte Millionen Impfungen.“ Wenn all das, was in den Whatsapp-Gruppen immer behauptet werde, wirklich passieren würde, „dann hätte es schon längst passieren müssen nach so vielen Impfungen.“ Anschließend appellierte Spahn weiter:

Was die Experten heute Kimmich entgegnen

Spahns Appell unterscheidet sich inhaltlich kaum von dem, was zum Beispiel Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, jetzt über Kimmichs Erklärung sagt: „Der große Vorteil bei den Covid-19-Impfungen ist ja, dass wir diesen Impfstoff in kurzer Zeit bei vielen Menschen angewendet haben.“ In Deutschland seien es mehr als 100 Millionen Dosen, weltweit mehr als sechs Milliarden. „Daher kennen wir die seltenen Nebenwirkungen wie Sinusvenenthrombosen, Myokarditis und andere bereits.“

Die Covid-19-Impfstoffe seien in Bezug auf seltene Nebenwirkungen bereits besser erforscht als andere Vakzine. „Nebenwirkungen einer Impfung treten immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auf“, betonte Watzl. „Dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten.“

Kimmichs Aussagen stoßen auf Unverständnis

Die Sorgen bezüglich möglicher Langzeitfolgen nach einer Corona-Impfung gelten unter Experten also größtenteils als völlig unbegründet. Dass das beim Fußballnationalspieler offenbar noch nicht angekommen ist, stößt bei einigen Fachleuten auf großes Unverständnis. So schrieb beispielsweise Marc Hanfeld, unter anderem Facharzt für Allgemeinmedizin, auf Twitter: 

Bei Langzeitfolgen nach Infektion noch vieles unklar

Einige Dinge sind aus Expertensicht klar: „Die gesundheitlichen Risiken bei Covid-Infektionen sind viel, viel größer als bei Impfungen. Hinzu kommt: Durch die Impfung vieler Menschen werden vulnerable Gruppen wie Ältere und Vorerkrankte geschützt“, sagte Dirk Brockmann vom Institut für Biologie der Humboldt-Universität. Und: Eine Corona-Infektion von Ungeimpften sei quasi unausweichlich. „Das Coronavirus wird in der Welt bleiben, es wird sicher neue Varianten bilden, aber es wird nicht verschwinden.“

Im Gegensatz zum Impfstoff bringe das Virus Bauanleitungen für sehr viele Proteine in den Körper ein. Durch das Virus werde die Hauptwirkung des Impfstoffs im Körper ebenfalls ausgelöst, „gleichzeitig aber noch viele andere Sachen, deren Folgen wir noch nicht alle verstehen“, sagte Brockmann. Kurz: „Die Infektion mit Sars-CoV-2 bedeutet eben auch eine Art Impfung - nur mit unkontrollierter Menge des Impfstoffs, weil das Virus sich ja im Körper vervielfältigt. Und zwar unkontrolliert.“ Was nach einer Impfung geschehe, sei relativ gut untersucht. Bei Langzeitwirkungen nach einer Infektion sei hingegen noch vieles unverstanden.

mit dpa

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