Soziales
Gebrauchte Bücher sind kaum noch etwas wert
Bis zu 1000 Bücher werden wöchentlich beim Emder CVJM abgegeben. Durch deren Wiederverkauf werden Projekte finanziert. Es gibt aber ein Problem. Ein Leeraner Antiquar sieht schwarz.
Emden - So manches alte Buch ist sehr viel wert. Sammler sind bereit hohe Summen zu zahlen. Das bestätigt auch Jörg Michael Nowicki-Hecht, der in der Leeraner Altstadt ein Antiquariat leitet. Für eine Erstausgabe von Goethe oder Schiller ließen sich durchaus dreistellige Summen und aufwärts verlangen. Auch sehr seltene Bücher mit Ostfriesland-Bezug fänden mit etwas Geduld dankbare Abnehmer, die bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Generell aber gelte: „Der Gebraucht-Buch-Markt ist tot“, so der Antiquar.
Was und warum
Darum geht es: Viele Menschen sortierten in Corona-Zeiten insbesondere Bücher aus. Der Gebraucht-Bücher-Markt ist aber schon mehr als gesättigt. Das sind die Folgen.
Vor allem interessant für: Menschen, die Bücher aussortieren, verkaufen oder kaufen wollen
Deshalb berichten wir: Wir hatten beim Bücherflohmarkt des CVJM mitbekommen, dass anhängerweise Schmöker gebracht wurden und die Ehrenamtlichen viel Arbeit mit dem Sortieren und Verräumen hatten. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Alles, was nach 1970 erschienen sei - insbesondere in Taschenbuchform - sei schlicht nichts mehr wert. Internetgiganten wie Amazon oder Medimops, die gebrauchte Bücher für oft unter fünf Euro verkauften, und die schiere Menge an neugedruckten Werken hätten den Markt klar verändert. Es sei heutzutage nicht mehr normal, dass in gutbürgerlichen Haushalten eine Bücherauswahl der Klassiker vorhanden sei. Und wenn Menschen mal Haus und Wohnung entrümpelten, dann würden als erstes Bücher aussortiert, die Flohmärkte und den Internethandel überschwemmen. Wirklich Wertvolles oder Seltenes finde sich dort kaum noch. Und: Antiquariate würden aussterben, sagt Nowicki-Hecht. Sein Geschäft sei wohl das letzte in Ostfriesland. Auch er selbst könne seinen Laden nicht mehr nur über den Handel vor Ort halten. „Zwei Drittel meiner Verkäufe sind online“, erklärt er.
Emder CVJM „erstickt“ in Büchern
In Emden ist der Bücherflohmarkt im Keller des CVJM eine Institution. Jeden Sonnabend von 10 bis 13 Uhr können Interessierte in den Schmökern stöbern. Aber was dem CVJM teilweise aus Hausauflösungen oder Aufräumaktionen an staubigen Schmökern gespendet wird, findet keine Abnehmer mehr. „Manchmal gibt es das Problem, dass Bücher dabei sind, die nicht zu verkaufen sind. Da landet es bei uns direkt im Altpapier und ist für unser ehrenamtliches Team eine Mammutsaufgabe große Mengen an Bücher zu filtern“, teilt der neue leitende CVJM-Sekretär Pascal Mangold auf Nachfrage mit. Insbesondere in Corona-Zeiten wird viel entrümpelt.
Pro Woche würden um die 1000 Bücher gespendet. Bevor diese im Keller des CVJM einsortiert werden können, in dem immer sonnabends von 10 bis 13 ein Bücher- und Kreativmarkt stattfindet, müssen sich die Ehrenamtlichen durchwühlen. „Wir ersticken in Büchern“, rief eine Mitarbeiterin am vergangenen Sonnabend beim Einräumen neuer Kartons aus. Eine große Ladung war auf einmal gespendet worden. Etwa 100 bis 200 Bücher würden pro Sonnabend gekauft, so Mangold. Das Problem: Uralte Bildbände, Lexika, Fremdwörter- und Schulbücher sowie Reiseführer, die sehr alt sind, fänden kaum Abnehmer, würden aber oft gespendet. „Für uns ist es wichtig die Frage zu stellen, würde ich selbst das Buch noch lesen.“ Sei das nicht so, müsse die Spende aussortiert werden. Gut verkauft würden indes gut erhaltene Taschenbücher oder Ostfrieslandlektüre.
Ein Aufnahmestopp drohe allerdings trotz der Bücherberge nicht. Stattdessen werden ein Weg gesucht, die nicht mehr zu verkaufenden Bücher gewinnbringend zu nutzen. Für Altpapier gibt es auch Geld. Er betont ganz klar: „Der CVJM Emden ist wirklich sehr dankbar für jede Spende, denn Jugendliche können dadurch erreicht werden und neue Projekte für Jugendliche in der Stadt entwickelt werden.“ Ohne das Geld, das bei dem Markt im Keller eingenommen werde, könnten Projekte wie „Offene Tür, Lego-Tage, Kindertreff, JugendMAK und weitere nicht so stattfinden können“, betont der Sekretär. Neben Zuschüssen und Spenden seien die Einnamen durch den Bücherflohmarkt die dritte finanzielle Säule des ehrenamtlichen Vereins.
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