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Koreanische Kinderspiele auch an ostfriesischen Schulen

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 22.10.2021 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Spiel „Rotes Licht, grünes Licht“ ist unter Schülern in Emden derzeit beliebt. Allerdings nicht so brutal, wie man es aus der Serie kennt. Fotos: Netflix
Das Spiel „Rotes Licht, grünes Licht“ ist unter Schülern in Emden derzeit beliebt. Allerdings nicht so brutal, wie man es aus der Serie kennt. Fotos: Netflix
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Die Serie „Squid Game“ zieht weite Kreise: Auch an Emder Grundschulen spielen Kinder Spiele aus der Netflix-Produktion nach. Der Jugendschutz arbeitet bereits an Konzepten, wie damit umzugehen ist.

Ostfriesland - Die Serie „Squid Game“ bricht alle Rekorde. Beim Streamingdienst Netflix wurde die koreanische Produktion bereits mehr als 111 Millionen Mal aufgerufen. Mit der großen Reichweite setzte auch der Hype ein: Seit Wochen wird über die Serie aus Südkorea gesprochen und diskutiert. Das geht offenbar auch an Schülern und Jugendlichen nicht vorbei, für die die Serie eigentlich gar nicht geeignet ist. Das Problem: In „Squid Game“ werden Menschen brutal hingerichtet. Das fiktive Szenario: Hunderte von verschuldeten Leuten nehmen in der Serie an einer Reihe von landestypischen Kinderspielen teil. Auf den Gewinner wartet eine große Geldsumme. Auf die Verlierer der Tod.

Was und warum

Darum geht es: Der Hype um die brutale Serie „Squid Game“ ist in Ostfriesland angekommen.

Vor allem interessant für: Eltern, Lehrer und alle, die sich für die Serie interessieren

Deshalb berichten wir: Auch an ostfriesischen Grundschulen werden die Spiele nachgespielt.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de

Die in der Serie gezeigten Kinderspiele erfreuen sich derzeit auch auf Schulhöfen in Ostfriesland wachsender Beliebtheit. „Es ist ein Hype, der nicht nur von Jugendlichen verfolgt wird, sondern sich auch in den Emder Grundschulen bemerkbar macht“, sagt beispielsweise Dennis Assing von der Stadt Emden. Vor allem das Spiel aus der ersten Folge mit dem Namen „Rotes Licht, grünes Licht“ sei sehr beliebt. Dabei würden sich die Kinder in einer Reihe aufstellen und versuchen, eine Ziellinie zu erreichen. Sie dürfen sich jedoch nur bewegen, wenn das Kind, das auf der Ziellinie steht, ihnen den Rücken zuwendet. Wer sich bewegt, wenn sich das Kind auf der Ziellinie umdreht, hat verloren. Was auf den Schulhöfen wie ein harmloses Kinderspiel aussieht, endet für die Teilnehmer in der Serie „Squid Game“ tödlich. Bei der kleinsten Bewegung werden sie erschossen.

Eltern sollen informiert werden

Die Frage ist nun, woher kennen die Kinder dieses Spiel? Und ist ihnen die Brutalität des Spiels aus der Serie bekannt? „Die Vermutung liegt nahe, dass Kinder und Jugendliche über Plattformen wie You-Tube, Tiktok oder Instagram früh mit den gewalttätigen Inhalten der Serie in Kontakt kommen“, vermutet Assing. Der Sozialpädagoge aus dem Fachdienst Jugendförderung der Stadt Emden hat selbst den Versuch gemacht: „Gibt man den Suchbegriff ,Squid Game‘ bei YouTube ein, so erhält man neben einer 25-minütigen Zusammenfassung der Serie außerdem den offiziellen Trailer, der sich mit brisanten Eindrücken nicht zurückhält.“

Ein weiteres Kinderspiel, das in der koreanischen Serie eine Rolle spielt, nennt sich wie die Serie selbst "Squid Game" – das Tintenfischspiel.
Ein weiteres Kinderspiel, das in der koreanischen Serie eine Rolle spielt, nennt sich wie die Serie selbst "Squid Game" – das Tintenfischspiel.

Der Kinder- und Jugendschutz der Stadt Emden arbeitet bereits an Informationen für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, um diese für die Wahrnehmung dieses Hypes und die Gefahren, die davon ausgehen können, zu sensibilisieren. Dabei müsse es vor allem darum gehen, wie Erwachsene die von den Kindern konsumierten Eindrücke reflektieren und mit ihnen aufarbeiten können. „Das Stichwort lautet hier Medienkompetenz“, so Assing. Das Ignorieren eines solchen massentauglichen Hypes wäre dabei der falsche Weg, erklärt der Sozialpädagoge. Ebenso wäre es falsch, den Kindern das Spielen zu verbieten.

Befürchtung: Wertevorstellungen werden verschoben

Gefährlich sind nach Einschätzungen des Fachmanns vor allem die zahlreichen Zugänge, die einen ungefilterten Kontakt mit den Inhalten der Serie für Kinder und Jugendliche ermöglichen. „Es werden Bilder und Eindrücke konsumiert, die unreflektiert zu Störungen im sozialen Umgang oder auch schädlichen Einfluss auf Wertevorstellungen nehmen können.“ Assing meint damit etwa verschobene Wertevorstellungen beispielsweise über Geld und Familie.

Was an Grundschulen ein Thema ist, spielt an weiterführenden Schulen und Jugendzentren offenbar eine nicht ganz so große Rolle.

Unter den Besuchern in den Emder Jugendzentren sei die Serie bisher kaum ein Thema, wie die Stadtsprecherin Theda Eilers auf Nachfrage mitteilt. „Grundsätzlich sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hier aber sehr aufmerksam und sensibilisiert was die Serie und die Kinderspiele angeht“, so Eilers.

Ähnliches berichtet auch Ivonne Kruse, Geschäftsführerin des Jugend- und Kulturzentrums Phönix in Moormerland. „Die Serie wurde bisher ein Mal erwähnt, aber nur in der Form, dass Mitschüler ein Spiel mit Zuckerfiguren gespielt haben. Sie selbst hatten diese Serie nicht gesehen, fanden aber das Spiel lustig.“

Auch Ulf Rott, Schulleiter am Teletta-Groß-Gymnasium in Leer, sowie Oliver Damm vom Johannes-Althusius-Gymnasium in Emden haben bisher keine Probleme mit dem Thema an ihren Schulen, zumindest sei dies bisher nicht an sie herangetragen worden. Inwieweit die Serie Thema in der Schülerschaft sei, konnte Rott auf Nachfrage in den Herbstferien nicht sagen. „Vielleicht wird das aber auch von anderen Problemen als Folge des Lockdowns überlagert?“, so seine Vermutung. Neu sei die Diskussion jedoch nicht. Rott denkt dabei beispielsweise an die Filmreihe „Tribute von Panem“. Auch da ging es in einem Spiel um Leben und Tod. Wie sich das Thema „Squid Game“ nach den Herbstferien an den Schulen weiter entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

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