Berlin
Wie das Portal „The Republic“ die konservative Revolution vergeigte
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte schon im Januar 2018 zur „konservativen Revolution“ aufgerufen. Mit dem Kampagnen-Startup „The Republic“ soll der Traum Wirklichkeit werden. Die CDU ist schwer irritiert.
Berliner Geflüster: In unserer Hauptstadt-Kolumne berichten unsere Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Tobias Schmidt jedes Wochenende über Kurioses und Bemerkenswertes aus der Berliner Blase. Sie blicken hinter die Kulissen von Bundestag, Kanzleramt und Rotem Rathaus.
Den Frust teilen viele Unions-Leute: Die „linke Revolution der Eliten“ (Dobrindt) habe zu einer antibürgerlichen Deutungshoheit in den Medien geführt. Auch auf den Online-Kanälen gäben linke Weltverbesserer von Fridays for Future bis zur Deutschen Umwelthilfe den Ton an und den „progressiven“ Parteien mächtig Schützenhilfe, was sich ja am Wahlergebnis gezeigt habe.
Da scheint das Projekt „The Republic“ von Ex-Dobrindt-Mitarbeiter Armin Peter-Multari für ein digitales Anti-Linksdrift-Feuerwerk wie gerufen. Auf Twitter und Instagram, mit Clips, Newslettern und Kampagnen wie aus US-Wahlkämpfen will man „mutig, kraftvoll und entschlossen“ für ein „bürgerliches Deutschland“ kämpfen, wie es in einem am Donnerstag veröffentlichten Startschuss-Video heißt.
Unions-Prominenz geht auf Distanz
Die Sache wäre kaum der Rede wert, wäre nicht der Eindruck geweckt worden, die Dreieinhalb-Mann-Agentur sei das Sprachrohr einer plötzlich stramm nach rechts rückenden CDU. Genau das aber war passiert, weil nicht nur Friedrich Merz oder Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß, sondern auch Carsten Linnemann als Unterstützer genannt worden waren, die das Ding angeblich aus der Taufe hoben. Linnemann ist Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion und wird als Geheimtipp für den Posten des CDU-Chefs gehandelt. Und der soll hinter einer Kampagnenschleuder stecken, die „AfD-affinen Ramsch“ verbreitet?
Nur einen Tag später war die Liste der Unions-Leute, die sich scharf von „The Republic“ distanzierten, länger als die der echten oder falschen Unterstützter. Linnemann ließ mitteilen, er habe an keinem Spendendinner teilgenommen. „Ich gehöre nicht dazu“, erklärte CSU-Frau Dorothee Bär vehement. Der CDU-Finanzpolitiker Matthias Hauer schrieb auf Twitter: „Was sich 'dem politischen Linksdrift' entgegenstellt, das sind CDU und CSU, aber keine kommerzielle Kampagnenagentur mit (ganz konservativ) englischem Namen.“
Friedrich Merz wünscht „viel Erfolg“
Selbst Friedrich Merz, der als eine Art Spiritus Rector gilt, will nicht mehr zu den Gründern gehören, traut sich aber immerhin noch, den Initiatoren „im Sinne der Meinungsvielfalt in Deutschland viel Erfolg“ zu wünschen.
Ob die Plattform erfolgreich „politische Vorfeldarbeit für die Union“ liefern wird, wie ein Greenpeace der Konservativen, wie sich die „Welt“ fragte, ist nach der heftigen Kritik eher unwahrscheinlich. Zu Dobrindts „konservativer Revolution“ schein es noch ein weiter Weg.