Osnabrück
„Abba Voyage“: Warum mich das Comeback glücklich macht
Zauberhafte Melodien, fantastische Stimmen, positive Aura: Abba machte früher glücklich und schafft es heute noch, meint unsere Autorin, die vor der Veröffentlichung des Albums „Voyage“ an ihre Kindheit erinnert wird.
Es war 1978: Die ganze Familie saß vor dem Fernseher und schaute Rudi Carrells „Am laufenden Band“. Plötzlich sprang ein gut gelauntes Quartett aus Schweden auf die Bühne und sang „Take a Chance on Me“: Abba. Ich war zehn Jahre alt. Der Rhythmus zum Mitwippen, der witzige Sprechgesang im Hintergrund und die bunt glänzenden Outfits mit großen Tiermotiven dieser zwei verliebten sympathischen Paare begeisterten mich.
Wenige Monate später wurde ich durch „The Album“, Soundtrack zum Australientournee-Film „The Movie“, zum glühenden Abba-Fan, gemeinsam mit meiner besten Schulfreundin. Es blieb unser Geheimnis. Über Musik, die auch den Eltern gefiel, sprachen wir in der Klasse nicht. Das war peinlich.
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Eingängig, aber nicht einfältig: Jedes Lied auf „The Album“ vermittelte eine andere Stimmung - mal überbordende Fröhlichkeit, mal nordische Melancholie, mal fügte sich alles clever zusammen. Bereits der Auftakt mit „Eagle“ klang so ganz anders als der Ohrwurm „Take a Chance on Me“. „Waterloo“ fand ich albern, aber im Song über die Freiheit eines Adlers begaben sich die Stimmen von Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad auf einen unglaublichen Höhenflug. „Eagle“ holte endlich diejenigen musikalisch vom Flughafen ab, die dort seit 1974 mit Reinhard Meys „Über den Wolken“ festsaßen.
Es gab das herzerwärmende Reiselied „Move on“, das die Gefühle von Abschied und Aufbruch so treffend vermittelte oder das sperrige „The Name of the Game“, das man mehrfach hören musste, um es zu lieben. Nicht zu vergessen das verrückte „Hole in your Soul“ zum Austoben. Zudem drei Szenen eines „Mini-Musicals“, darunter „Thank You for the Music“.
Doch Abba war immer auch die Geschichte zweier Liebespaare - Harmonie inszeniert auf Hochglanz-Postern. Das Quartett lieferte eine Projektionsfläche für die Illusion einer heilen Welt mit ewiger Liebe, Freundschaft und Erfolg. Zerstört wurde sie 1979 mit der Trennung von Björn und Agnetha. Ein hartes Erwachen für viele junge Fans, die nur „Dancing Queen“ hören wollten und noch nicht Liebeskrisen-Texte wie beispielsweise in „Knowing Me, Knowing You“. So wurde aus der Verehrung kindliche Enttäuschung und Wut. Es war Zeit, sich zu lösen.
40 Jahre später blickt die Gruppe mit „I Still Have Faith in You“ auf ihre Geschichte zurück und trifft wieder mitten ins Herz vieler Fans: Die Liebe geht, die Musik und die Freundschaft bleiben und bereiten den Boden für etwas Neues mit der Avatar-Konzertshow. Das versöhnt und macht glücklich. Es ist wie das späte Happy End für einen unvollendeten Lieblingsroman. Noch einmal wird Abba generationsübergreifend zum treuen, bittersüßen Begleiter für alle Lebenslagen.
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