Osnabrück

„Abba Voyage“: Das Comeback ist überflüssig

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 22.10.2021 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Abba beim Grand Prix Eurovision de la Chanson 1974 in Brighton: Benny Andersson (l.), Annafrid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus. Foto: dpa/Pressensbild/EPA
Abba beim Grand Prix Eurovision de la Chanson 1974 in Brighton: Benny Andersson (l.), Annafrid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus. Foto: dpa/Pressensbild/EPA
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Abba war früher Mist. Abba ist heute Mist. Das meint jedenfalls unser Autor, der seit seiner Jugend ein schweres Abba-Trauma mit sich herumschleppt und vor Veröffentlichung des neuen Albums „Voyage“ daran erinnert wird.

Eigentlich war der 11. Dezember 1982 ein ganz normaler Adventssamstag. Das typisch vorweihnachtliche Schmuddelwetter sorgte für trübe Stimmung. Die Regelung des langen Samstags versprach bis 18.00 Uhr Stress und Gedränge in den Geschäften. Und das Fernsehen kündigte für den Abend in der Sendung „Wetten, dass..?“ Spielereien von und mit Frank Elstner an.

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Richtig gut wurde der Tag erst, als die Meldung durchsickerte, dass sich Abba auflösen. Abba! Endlich! Zunächst die Trennung von Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus. Dann das Aus zwischen Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad. Und nun nie wieder schlechte Musik?

Es wäre zu schön gewesen. Spätestens seit 1974 ist es dem schwedischen Quartett gelungen, die Welt der Musik mit ihrem Einheitspop in eine Art Schockstarre zu versetzen, die jegliche Kreativität im Keim ersticken wollte. Offenbar nicht ganz zufällig heißt der Song, mit dem Abba einst für den Grand Prix Eurovision de la Chanson in die Schlacht zog und einen gnadenlosen Sieg errang, „Waterloo“. Die Dämme waren gebrochen und der Pop hatte seine Unschuld verloren.

Ulkige Frisuren und Karnevalskostüme

Denn was hatte die Band auch schon zu bieten außer ulkige Frisuren und Karnevalskostüme auf der Bühne? Abba, das war und das ist Trash. Mist. Kitsch. Billigste Massenware, dutzendfach weichgespült auf einen wirklich kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner des von der Musikindustrie erdachten Massengeschmacks, der jeden noch so kleinen Verdacht von Individualität und Kreativität ausradieren sollte.

Nach der damaligen Trennung wurde alles nur noch schlimmer. Ein Revival jagte das nächste. Erst kam das Musical. Dann zwei Filme. Und je mehr Jahre ins Land gingen, desto verklärter wurde der Blick auf die Band. Ja, irgendwann wurde sogar das letzte Tabu gebrochen und Abba mit den Beatles verglichen. Den Beatles - Herr wirf Hirn vom Himmel!

Abba war niemals auch nur ansatzweise so vielseitig oder originell. Im Gegenteil. Ganz egal, um welchen Stil in welchem Song sie sich gerade bemühten. Letztendlich klingt alles gleich. Wieso sonst spricht man seit beinahe einem halben Jahrhundert vom „typischen Abba-Sound“? Wegen der Vielseitigkeit, der stilistischen Virtuosität? Unfug! Bei dieser Band klingt doch sogar das traurigste Moll noch wie ein zuckerwatteweiches Dur.

Das Abba-Trauma

Am schlimmsten aber ist das Trauma, das das Phänomen Abba in den 1970er Jahren bei der damaligen Jugend hinterlassen hat. Jungs fanden Abba doof. Mädels fanden Abba toll. Aber die meisten Jungs fanden nun mal wieder Mädels toll. Was unweigerlich zu irreversiblen musikgeschmacklichen Verrenkungen geführt hat. Ist es da noch ein Wunder, wenn die Generation der Boomer heute so verstört durchs Leben schleicht?

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