Kriminalität

Fische verenden qualvoll in verbotenem Netz

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 21.10.2021 16:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So sieht das Netz aus, in dem die Fische gestorben sind. Foto: Privat
So sieht das Netz aus, in dem die Fische gestorben sind. Foto: Privat
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Angler haben in Norden ein untypisches Netz entdeckt, in dem Dutzende Fische verendet sind. Der Bezirksfischereiverband für Ostfriesland warnt, dass er jede Tat und jeden Wilderer anzeigt.

Norden - Kiemennetze bilden eine „Wand“, die senkrecht im Wasser aufgehängt wird. Sie sind so entworfen, dass Fische mit dem Kopf durch die Maschenöffnung passen, aber nicht mit dem Rest des Körpers. Werden sie nicht sofort befreit, ersticken die Tiere, weshalb Kiemennetze laut dem Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) auch verboten sind. Nun wurde jedoch ein besonders gemeines Exemplar in Norden entdeckt, in dem Dutzende Fische zu Tode gekommen sind, schreibt der BVO-Sprecher Eric Jibben unserer Zeitung.

Was und warum

Darum geht es: Mit der zunehmenden Zahl an Anglern gibt es auch immer mehr Fischwilderei und Tierquälerei. Das soll unter anderem auch mit mangelndem Wissen zu tun haben.

Vor allem interessant für: Leser, die sich für den Tierschutz oder für den Angelsport interessieren

Deshalb berichten wir: Der BVO war mit dem Fall auf uns zugekommen und hatte darum gebeten, dass wir darüber berichten.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Laut seinen Angaben hatten zwei Vereinsmitglieder das Netz vor ein paar Tagen im Norddeicher Zugschloot entdeckt, als sie selbst nördlich der Brücke Alleestraße (Landesstraße 27) angelten. Es sei etwa drei Meter mal 50 Zentimeter groß gewesen und war quer durch das Gewässer gespannt. „Die Angler bargen das Fanggerät aus dem Gewässer und konnten mehrere noch lebende Fische aus den Maschen befreien. Anschließend benachrichtigten sie die Fischereiaufsicht des BVO. Ein Fischereiaufseher zählte etwa zwei Dutzend Weißfische, Barsche und Kaulbarsche, die in dem Netz verendet waren.“

Lebendköder schon seit den 80ern verboten

Wie Jibben auf Nachfrage sagt, werden Kiemennetze vor allem auf den Schwarzmarkt gehandelt und sind gerade in Polen leicht zu bekommen. Ein Exemplar wie dieses habe er jedoch noch nie gesehen. Es habe aus sehr feinem Nähgarn bestanden, so dass sich die Fische darin besonders stark verfingen. So sei ihre Zahl auch „erstaunlich“ hoch gewesen. Sie schwammen mit dem Kopf hindurch und blieben mit den Kiemen stecken, die sie anschließend nicht mehr richtig bewegen konnten. Das sei ein qualvoller Tod. Allerdings werde ein derart feinmaschiges Kiemennetz wie dieses beim Fangen so sehr beschädigt, dass man es nicht ein weiteres Mal nutzen könne.

Der BVO-Sprecher betont, dass Fischwilderei und Tierquälerei oft miteinander einhergehen. So hätten die Wilderer häufig nicht nur keine Angel-Berechtigung, sondern ihnen fehle auch das Sachwissen. Viele Leute wüssten beispielsweise auch nicht, dass lebende Fische schon seit den 1980er Jahren nicht mehr als Köder benutzt werden dürfen. Aber auch heute komme das immer mal wieder vor.

Kein Kavaliersdelikt

Jibben betont: „Wir bringen jede Form von Fischwilderei und Tierquälerei zur Anzeige.“ Auch diesen Fall. Alleine im vergangenen Jahr wurden die Behörden dutzendfach informiert. Der ehemalige Polizist Hilko Nieland, zuständig für Fischereiaufsicht und Gewässerschutz im BVO, bündele die Fälle und leite sie weiter. Geschäfte würden immerhin auch jeden Diebstahl zur Anzeige bringen, damit man gar nicht erst daran denkt, auch nur eine Kleinigkeit einzustecken, begründet er. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei in Norden (Telefon 04931/9210) oder beim BVO direkt zu melden (04921/25575).

Nieland selbst hatte gegenüber unserer Zeitung schon vor einem Jahr gesagt, dass die Fälle von Fischwilderei zunehmen und betont, dass es sich um kein Kavaliersdelikt handelt. Auch im ganzen Land hat dieser Trend laut dem Anglerverband Niedersachsen zugenommen. Jibben führt diese Entwicklung auf die zunehmende Zahl an Anglern seit dem Beginn der Pandemie zurück. Allein die Mitgliederzahl des BVO stieg zwischen Ende 2019 und Ende 2020 um 399 Mitglieder auf insgesamt 10419, was auch den durchgeführten Online-Lehrgängen zu verdanken gewesen sein dürfte. Allerdings seien auch 295 frühere Mitglieder zurückgekehrt, die teilweise Jahrzehnte im Verband gewesen, aber zwischenzeitlich ausgetreten waren, hieß es bei der jüngsten Mitgliederversammlung.

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