Frankfurt am Main

Karin Schmidt-Friderichs: Absage von Jasmina Kuhnke bedrückt mich

Dr. Stefan Lüddemann
|
Von Dr. Stefan Lüddemann
| 21.10.2021 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zeigt sich bedrückt von der Absage schwarzer Autorinnen: Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Foto: Peter Hartenfelser via www.imago-images.de Foto: Peter Hartenfelser via www.imago-images.de
Zeigt sich bedrückt von der Absage schwarzer Autorinnen: Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Foto: Peter Hartenfelser via www.imago-images.de Foto: Peter Hartenfelser via www.imago-images.de
Artikel teilen:

„Es berührt mich sehr, wenn ein Mensch aus Angst nicht auf die Frankfurter Buchmesse kommt“: Klares Statement von Karin Schmidt-Friderichs zur Debatte um Jasmina Kuhnke und rechte Verlage.

Die Absage der schwarzen Autorin Jasmina Kuhnke sorgt auf der Frankfurter Buchmesse weiter für Debatten. „Die Absage von Jasmina Kuhnke bedrückt mich als Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und als Mensch. Es berührt mich sehr, wenn ein Mensch aus Angst nicht auf die Buchmesse kommt“, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, im Gespräch. Sie nehme jetzt zum 30. Mal auch als Verlegerin an der Buchmesse teil. Eine Situation, wie sie jetzt mit der Absage von Jasmina Kuhnke entstanden sei, habe es zuvor aber noch nicht gegeben. Hier weiterlesen: Neue Debatte um Rechte und Rassismus auf der Frankfurter Buchmesse.

Auftritt auf der Messe abgesagt

Kuhnke hatte auf der Buchmesse ihren Debütroman „Schwarzes Herz“ vorstellen wollen, ihren Auftritt dann aber unter Hinweis auf die Präsenz rechter Verlage wie des Jungeuropa Verlags auf der Buchmesse abgesagt. Ihr Platz sei nicht dort, wo Nazis seien, hatte Kuhnke gesagt. Nachdem mit Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson zwei weitere Autorinnen mit dem gleichen Argument ihre Teilnahme an der Buchmesse abgesagt haben, meldet sich jetzt auch Raul Krauthausen zu Wort. Hier weiterlesen: Mit Zensur gegen Rassismus? Der Kommentar zur Debatte um Jasmina Kuhnke.

„Gefahr von Rechts“

„Ich möchte und werde mein Buch nicht in einem Klima promoten, in dem Schwarze Frauen und Women of Color ihre Teilnahme aufgrund der Gefahr von Rechts absagen müssen“, zitiert Deutschlandfunk Kultur den Aktivisten für Inklusion. Seine Stimme hat in dieser Debatte besonderes Gewicht, weil er an dem Projekt „Wie wollen wir leben?“ mitwirkt, dass die Frankfurter Buchmesse in Kooperation mit dem Kultursender Arte auf die inhaltliche Agenda des Buchevents gesetzt hat.

„Subjektive Gefühle respektieren“

„Wir sollten das subjektive Gefühl der Angst eines Menschen respektieren und nicht darüber urteilen“, zeigte Karin Schmidt-Friderichs Verständnis für Kuhnke und andere, die sich durch die Präsenz bestimmter Verlage auf der Buchmesse bedroht fühlen. Den Vorschlag, Standerlöse rechter Verlage an Projekte gegen Faschismus zu spenden, bewertete sie abwartend. „Die Idee, Erlöse aus der Standvermietung an rechte Verlage Projekten gegen Rechts zu stiften, hätte sicher einen gewissen Signalwert. Ich bin aber nicht sicher, ob dies das Problem lösen würde“, sagte Schmidt-Friderichs.

Keine Messeteilnehmer ausschließen

Die Vorsteherin des Börsenvereins machte zugleich klar, dass es Verlage nicht von der Teilnahme an der Buchmesse ausgeschlossen werden dürften. „Die Buchmesse kann allerdings keine Messeteilnehmer ausschließen. Ich möchte nicht in einem Staat leben, in dem sich ein Veranstalter mit Quasi-Monopol dazu aufschwingen kann, zu bestimmen, wer bei einer Buchmesse dabei sein darf und wer nicht“, machte Schmidt-Friderichs klar. Die Frankfurter Buchmesse hatte zuvor bereits in einem Statement unterstrichen, dass ein Ausschluss von Verlagen nicht in Frage komme. Messechef Juergen Boos hatte auf „freedom to publish“ als unverrückbaren Grundwert der Frankfurter Buchmesse verwiesen.

Plattform für den Diskurs

Nach den Worten von Karin Schmidt-Friderichs will die Frankfurter Buchmesse eine Plattform für einen verbesserten Diskurs in der Gesellschaft bieten. „Die Rolle des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kann nicht darin bestehen, direkte Lösungen anzubieten. Unsere Verantwortung ist es, eine Plattform für den Diskurs zu bieten. Wir debattieren zu wenig“, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins. Menschen dürften nicht zu schnell auf bestimmte Meinungen festgelegt werden, auch nicht auf Halbsätze, die sie einmal geäußert hätten.

Buchungen für das nächste Jahr

Schmidt-Friderichs hob den besonderen Stellenwert der 73. Frankfurter Buchmesse hervor. „Wir erleben jetzt die beste Frankfurter Buchmesse, die man unter diesen Umständen haben kann“, sagte sie. 2021 sind nur etwa ein Drittel der sonst in Frankfurt vertretenen Aussteller präsent. Bereits in diesen Tagen würden allerdings schon wieder in großer Zahl Buchungen für das nächste Jahr vorgenommen, hob die Vorsteherin abschließend hervor. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels veranstaltet die Frankfurter Buchmesse und vergibt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Ähnliche Artikel