Berlin
Happy Birthday, Frau Bundeskanzlerin!
„Happy Birthday, Frau Bundeskanzlerin!“ Was die erste Frau im Kanzleramt verändert hat.
„Berliner Geflüster“: In unserer Hauptstadt-Kolumne berichten unsere Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Tobias Schmidt jedes Wochenende über Kurioses und Bemerkenswertes aus der Berliner Blase. Sie blicken hinter die Kulissen von Bundestag, Kanzleramt und Rotem Rathaus.
Gäbe es nicht die verstörenden Bilder von der Flutkatastrophe in Deutschland, hätte diese Szene gewiss mehr Aufmerksamkeit erfahren. Kurz vor ihrem 67. Geburtstag an diesem Samstag, steht Angela Merkel, die erste Bundeskanzlerin, in Washington neben Kamala Harris, der ersten Vizepräsidentin der USA. Es ist ein historisches Bild, das so vor wenigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wäre: Es sind die zwei mächtigsten Frauen der Welt, die sich hier treffen, die eine frisch im Amt, die andere am Ende einer langen Amtszeit, die ihr am Anfang nicht einmal die eigenen Parteifreunde zugetraut hätten. Die Frauen stehen da zusammen und sehen ziemlich vergnügt aus. Es ist ein Bild, das selbst die Herzen Merkel-kritischer Feministinnen doch ein bisschen hoch schlagen lässt.
Erst „Kohls Mädchen“, dann „Mutti“ der Nation
Merkel war „Kohls Mädchen“ und später die „Mutti“. Immer klang bei diesen Beinamen auch etwas Spott und Respektlosigkeit mit. Heute schreiben Frauen wie die Autorin Heike Specht zum Treffen mit Merkel und Harris: „Ja, es macht mich glücklich, dass unsere Töchter und Söhne es selbstverständlich finden, dass sich eine deutsche Kanzlerin und eine US-Vize-Präsidentin mit jamaikanisch-indischen Wurzeln zu Spitzengesprächen treffen.“
Angeblich fragen 16-jährige Jungs heute in Deutschland ihre Eltern, ob eigentlich auch Männer Kanzler werden können. Angela Merkel als Frau im Kanzleramt hat also schon etwas verändert. Junge Frauen in der CDU sagen, dass sie allein durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie ist, was sie ist, ein Vorbild sei. Selbst Grünen-Emanze Claudia Roth sagt anerkennend: „Als erste Frau im Kanzlerinnenamt wurde sie zum Sinnbild für eine ganze Generation von Mädchen und jungen Frauen, dass Politik den Männern nicht alleine gehört.“ Aber Roth meint auch, dass man bei einigen Männern in der Union geradezu ein Aufatmen verspüre, „als könnten wir nun endlich zur guten alten Zeit zurückkehren“. Angela Merkel hat einen Unterschied gemacht, aber sie hätte sehr viel mehr für Frauen in Deutschland bewirken können, findet Claudia Roth.
Merkel kämpfte nicht für Frauenthemen
Merkel sagt einmal in ihrer schnörkellosen Art: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aus der Tatsache, dass es mich gibt, darf kein Alibi werden.“ Sie selbst hat sich nie als Feministin bezeichnet. Während ihrer langen Amtszeit sind die weiblichen Abgeordneten im Bundestag nicht zahlreicher geworden. Sie kämpft nicht für Quoten und Teilzeitregelungen, aber sie ebnet anderen Frauen den Weg nach oben, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen.
Heute kann man es jedenfalls noch einmal sagen, und wer weiß, vielleicht zum letzten Mal für lange Zeit: „Happy Birthday, Frau Bundeskanzlerin!“