Cupertino

Über dieses Ende einer Ära können Apple-Nutzer sich freuen

Mark Otten
|
Von Mark Otten
| 19.10.2021 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kaum ein Konzern erzeugt mit seinen Produkten so viel Aufregung wie Apple. Doch in den vergangenen Jahren gab es mit einigen Geräten unerwartete Probleme. (Archivfoto) Foto: Peter Kneffel/dpa
Kaum ein Konzern erzeugt mit seinen Produkten so viel Aufregung wie Apple. Doch in den vergangenen Jahren gab es mit einigen Geräten unerwartete Probleme. (Archivfoto) Foto: Peter Kneffel/dpa
Artikel teilen:

Apples Neuheiten in 2021 verdeutlichen es endgültig: Der Konzern hat eine Ära beendet, die ein Freund von Steve Jobs geprägt hat. Dessen Abschied macht sich bemerkbar – und das ist gut für die Produkte und die Nutzer.

2019 verließ Apples frustrierter Chefdesigner Jony Ive die Firma. Seitdem korrigiert Apple die Fehler der Ära Ive. Davon profitieren vor allem die Nutzer. Doch der Reihe nach.

Apple mit Jony Ive: Von ganz unten nach ganz oben

1997 stand Apple kurz vor der Pleite. 2021 ist Apple der wertvollste Konzern der Welt. Den Grundstein für diesen enormen Erfolg legten vor allem zwei Männer: Der geniale Firmengrüner Steve Jobs und dessen Seelenverwandter - Designer Jonathan „Jony“ Ive. 

Jobs hatte die Ideen, Ive entwickelte daraus in seiner extrem abgeschotteten Design-Abteilung Geräte, die hunderte Millionen Menschen faszinierten.

Tim Cook wusste, dass er Steve Jobs nicht ersetzen kann 

Als Jobs 2011 starb, galt Ive als geistiger und kreativer Nachfolger des von Fans und Mitarbeitern angehimmelten Firmenchefs. Der biedere Tim Cook, der Jobs' Rolle als Firmenchef übernahm, war schon immer ein Mann der Zahlen, kein Produktmensch. Das wusste Cook selbst und machte deshalb Ive zum kreativen Anführer des Konzerns. Dafür übertrug er Ive die Gesamtverantwortung für die Geräte und die Software - das hatte es so noch nicht gegeben bei Apple.

Die Strategie ging auf. Apple wurde unter Tim Cook und Jony Ive zum wertvollsten Unternehmen der Welt. 

Dünn, dünner, noch dünner - schlecht

Ive ´forderte von seinen Teams maximalen Minimalismus. Die Geräte sollten so dünn und einfach sein, wie nur möglich. Diesem Credo wurde alles andere untergeordnet. 

Doch für Nutzer entstanden daraus immer öfter Nachteile. Besonders bemerkbar machte sich das bei Apples Laptops. Die wurden mit immer weniger Anschlüssen ausgeliefert, weil sie das gewünschte schlichte Design unterbrachen und aus Ives Sicht unnötigen Platz benötigten. Anwender mussten sich deshalb verschiedene Verbindungskabel kaufen - sogenannte „Dongles“ -, um externe Geräte an Laptops anschließen zu können, die bis zu mehrere Tausend Euro kosten. 

Der negative Höhepunkt war eine besonders flache Macbook-Tastatur mit „Butterfly“-Technik, die Apple eine Zeit lang in seinen Laptops verbaute. Die neue Technik erlaubte den Bau noch schmalerer und leichterer Computer. Doch die Tasten waren so flach, dass selbst Staubkrümel ausreichten, damit einzelne Tasten festklemmten. Dann reagierten sie entweder gar nicht mehr oder im Dauermodus. Das Tippen wurde für die Nutzer zum Albtraum, produktives Arbeiten war damit kaum möglich. Apple-Blogger John Gruber bezeichnete die Tastatur gar als „schlechtestes Apple-Produkt aller Zeiten“.

Apple musste als Reaktion ein Programm zum kostenloses Austausch der Tastatur aufsetzen. Das bedeutet zusätzliche Kosten für den Konzern und Frust bei den Nutzern. 

Dieses Video zeigt die Probleme der „Butterfly“-Tastatur:

Im Laufe der Jahre wurden die Risse im Verhältnis zwischen Apple und Ive größer. Schon 2015 sagte er, dass er „sehr, sehr müde“ sei. Ive zog sich immer öfter aus dem Tagesgeschäft heraus, arbeitete lieber von Zuhause aus, kümmerte sich mehr um den Bau der neuen Apple Hauptzentrale oder reiste in seine britische Heimat.

Laut US-Pressebereichten soll Ive enttäuscht und frustriert gewesen sein, weil Tim Cook sich so gut wie nie in der Design-Abteilung blicken ließ oder Interesse an der Arbeit dort zeigte.

Wie Apple die Ive-Fehler korrigiert

Seit Ives' Abschied 2019 dreht der Konzern viele Entscheidungen der vergangenen Jahre zurück. Und Produkt für Produkt schlagen diese Änderungen durch - zur Freude der Anwender, die das in allen Produktkategorien merken:

Jony Ive und Apple sind auch nach der offiziellen beruflichen Trennung verbunden. Die von Ive gegründete Designfirma LoveFrom kümmert sich vor allem um Apple. Wie genau diese Zusammenarbeit aussieht, ist nicht bekannt. 

Für das Design der Apple-Produkte sind jedoch mittlerweile andere zuständig: Ives ehemalige Kollegen Evans Hankey und Alan Dye. Sie sind nun gefordert, Apples bestehende Produkte weiterzuentwickeln und neue Designs zu schaffen, die ebenso anziehend auf Kunden wirken, wie die aus Ives Feder. Keine leichte Aufgabe, doch der Anfang ist gemacht.

Und trotz der Kurskorrektur bleibt Apple sich treu, wenn es um die Preisgestaltung seiner Produkte geht. Neuestes Beispiel: Ein Apple Poliertuch für 25 Euro, das offenbar nicht für alle Apple-Geräte geeignet ist. 

Stimmen Sie ab: Ist Apple noch innovativ?

Ähnliche Artikel