Frankfurt
„Ich rede nicht mit Nazis“: Weitere Autorinnen sagen Teilnahme ab
Jasmina Kuhnke sagte ihre Lesung auf der Frankfurter Buchmesse ab, weil dort auch der umstrittene Verlag Jungeuropa einen Stand hat. Jetzt folgen weitere Autorinnen ihrem Beispiel.
„Ich rede nicht mit Nazis. Ich höre Nazis nicht zu. Ich lese keine Bücher von Nazis“, schreibt Jasmina Kuhnke auf Twitter. Die Autorin veröffentlicht in dieser Woche ihr Buch „Schwarzes Herz“ im Rowohlt Verlag und sollte daraus eigentlich auf der Frankfurter Buchmesse lesen. Doch diesen Auftritt sagte sie kurzfristig ab. Denn auf der Messe stellt auch der Verlag Jungeuropa seine Bücher vor.
„Gefahr für mich persönlich unübersehbar gegenwärtig“
Dessen Chef Philipp Stein betreibt auch den Podcast „Von rechts gelesen“ und ist Leiter des rechten Vereins „Ein Prozent“, den der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr als Verdachtsfall im Bereich Rechtsextremismus eingestuft hatte. Medienberichten zufolge habe Stein öffentlich erklärt, der Begriff rechtsradikal sei ja leider so vorbelastet, inhaltlich aber schon passend für seine Positionen.
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Die Autorin Jasmina Kuhnke ist Schwarz, twittert seit Jahren aktiv zum Thema Rassismus und auch in „Schwarzes Herz“ schreibt sie über das Leben einer Schwarzen Deutschen in Deutschland. Ihre Entscheidung, nicht in Frankfurt daraus zu lesen, begründet sie auf Twitter mit den Worten: „Selbstverständlich bedauere ich, dass mir nur das Mittel des Boykotts bleibt, um mich als Schwarze Frau zu schützen. Ich möchte den Verantwortlichen damit aufzeigen, dass die hier getroffene Entscheidung, Nazis den Raum zu bieten (...) vor allem Konsequenzen für Betroffene wie mich hat.“
Philipp Stein habe bereits öffentlich geschrieben, dass sie abgeschoben werden solle, so Kuhnke. Sie erklärt weiter: „Es ist also damit absehbar, dass über den Verlag und Autor*innen hinaus auch weitere Rechtsextreme die Messe besuchen werden, was die Gefahr für mich persönlich unübersehbar gegenwärtig macht.“
Frankfurter Buchmesse betont Rede- und Meinungsfreiheit
Die Frankfurter Buchmesse bezog zu den Vorwürfen Stellung und veröffentlichte auf ihrer Webseite ein Statement. „Die Frankfurter Buchmesse ist der Meinungsfreiheit verpflichtet. Die Rede- und Meinungsfreiheit ist Grundlage unserer Branche und jeder Demokratie“, heißt es dort im ersten Satz. Und weiter: „Deshalb können Verlage oder Titel, die nicht gegen das Gesetz verstoßen, auf der Frankfurter Buchmesse präsent sein.“
Das Meinungsspektrum in unserer Gesellschaft sei breit gefächert, schreiben die Verantwortlichen, und es gehöre zu einer lebendigen Demokratie dazu, sich mit anderen, fremden Positionen inhaltlich auseinanderzusetzen. Genauso gehöre es dazu, für die eigenen Überzeugungen Haltung zu beziehen. „Wir stehen für die Werte und Eckpfeiler einer solchen Gesellschaft ein: für Meinungsfreiheit und den Dialog, für Toleranz, Respekt sowie für Gewaltfreiheit. Wir wenden uns gegen jede Form von Extremismus, insbesondere wenn er sich gegen die Freiheit Andersdenkender richtet.“
Auch Jungeuropa selber reagiert auf die Äußerungen von Jasmina Kuhnke und twitterte:
Auch Annabelle Mandeng und Nikeate Thompson sagen ab
Am Dienstagabend gaben weitere Autorinnen bekannt, dass sie nicht - wie ursprünglich geplant - an der Veranstaltung teilnehmen werden. Die Schauspielerin und Autorin Annabelle Mandeng zum Beispiel sollte eigentlich als Talkgast auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse über ihr neues Buch zu sprechen. „Doch nachdem ich erfahren musste, dass rechtsradikalen Verlage wissentlich wiederholt Raum gewährt wird und damit rassistische, lebensbedrohliche Verhaltensweisen wie gegenüber Jasmina Kuhnke (...) geduldet werden, verzichte ich“, schreibt Mandeng auf ihrem Instagram-Profil.
Auch Nikeata Thompson sollte ein Interview im Rahmen der Buchmesse gebe. Sie hat dieses Jahr ebenfalls ein Buch veröffentlicht. Sie „musste diese Zusage (...) heute auf Grund dieser Umstände und zu meinem konkreten Nachteil absagen, um wie im vergangenen Jahr auch Haltung zu wahren“, erklärt sie.
Bereits seit 2017 ließ die Buchmesse einen rechten Verlag gewähren
Es ist nicht das erste Mal, dass die Frankfurter Buchmesse in der Kritik steht, weil sie rechte Verlage und Autoren als Gäste begrüßt. Bereits 2017 ließ die Messeleitung den Antaios-Verlag gewähren, der sich an die rechtslastige identitäre Bewegung adressiert und auch den Rechtspopulisten Akif Pirinçci verlegt. Damals hatten sich Demonstranten mit lautstarken Protesten den Teilnehmern einer Buchpräsentation des Verlags - unter ihnen auch Björn Höcke - entgegengestellt.