Immobilienmarkt

84 Wohnungen in Constantia-West gehen in Emder Hand über

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 15.10.2021 21:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Wohnungen in Constantia-West sind größtenteils vermietet. Foto: F. Doden
Die Wohnungen in Constantia-West sind größtenteils vermietet. Foto: F. Doden
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Die Sparkasse und die städtische Gesellschaft Gewoba gründeten ein neues Unternehmen, um den Kauf einer Wohnanlage bei Larrelt zu ermöglichen. Für die Mieter soll sich nichts ändern.

Emden - Der Sparkasse und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewoba in Emden ist ein Coup auf dem Immobilienmarkt der Stadt gelungen: Sie haben jetzt gemeinsam eine Anlage mit insgesamt 84 Wohnungen in Constantia-West bei Larrelt erworben. Die zehn Mehrfamilienhäuser, die Anfang der 1990-er Jahre zwischen der Lise-Meitner-Straße, der Otto-Hahn-Straße und der Max-Born-Straße entstanden, gehörten bislang einem Immobiliengesellschaft aus Berlin.

Was und warum

Darum geht es: Der Emder Immobilienmarkt ist in Bewegung.

Vor allem interessant für: alle, die sich für das Wohnen und die Wohnungspolitik in Emden interessieren sowie die Mieterinnen und Mieter der Wohnanlage in Constantia-West, die jetzt in Emder Hände überging

Deshalb berichten wir: Die Sparkasse Emden und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba haben eine neue Gesellschaft gegründet. Sie wurde am Freitag offiziell vorgestellt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Um den Kauf zu ermöglichen, haben die Sparkasse und die Gewoba eine neue GmbH gegründet: die Emder Bau & Wohnen (EBWo). Diese Gesellschaft soll wachsen, wenn sich weitere Gelegenheiten zum Ankauf „guter Objekte“ in Emden bieten, sagten die beiden Geschäftsführer Olaf Neumann (Gewoba) und Gerhard Ludolph (Sparkasse) am Freitag bei der Vorstellung.

Oberbürgermeister begrüßt den Kauf

Für die Mieter der bis auf wenige Ausnahmen vermieteten Wohnungen in Constantia-West ändert sich durch den Wechsel der Eigentümer praktisch nichts. „Sie müssen künftig nur ihre Miete auf ein anderes Konto überweisen“, sagte Ludolph. Kurzfristige Mieterhöhungen schlossen er und Neumann aus.

Der Blick auf einen Teil der etwa 30 Jahre alten Wohnanlage in Constantia-West. Die Wohnungen befinden sich einem verhältnismäßig guten Zustand hieß es. Foto: F. Doden
Der Blick auf einen Teil der etwa 30 Jahre alten Wohnanlage in Constantia-West. Die Wohnungen befinden sich einem verhältnismäßig guten Zustand hieß es. Foto: F. Doden

Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), der dem Aufsichtsrat der Gewoba und dem Verwaltungsrat der Sparkasse vorsteht, zeigte sich „sehr glücklich“ über den Deal. „Das passt perfekt in die Strategie der Stadt“, sagte er. Ziel sei es, größere Wohnungsbestände in Emder Hand zu behalten und so guten und preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Der jüngste Ankauf sei dafür „ein super-wichtiges Puzzleteil“.

Ähnliche Projekte gab es schon

Ähnliche Deals wie jetzt in Constantia-West hat es bereits auch in anderen Stadtteilen gegeben. Der spektakulärste davon gelang im Jahr 2017 in Barenburg. Damals hatte die Stadt zusammen mit dem Emder Privatunternehmen WBN Wohnbau Nord in einem juristischen Kraftakt insgesamt 502 Wohnungen aus dem Bestand eines Berliner Immobilienfonds losgeeist. Die Stadt unterstützte das unter anderem mit einer Bürgschaft von fast elf Millionen Euro. Das gilt in dieser Form in Deutschland als bislang einzigartiger Vorgang.

Die Stadt hatte damals von einem neuen Gesetz Gebrauch gemacht: Weil der Großteil der Wohnungen im Sanierungsgebiet Barenburg lag, konnte sie gegen den Willen des Eigentümers und zugunsten von WBN ein Vorkaufsrecht geltend machen. Der bisherige Eigentümer musste zu einem festgesetzten Kurs verkaufen.

Sparkasse bekam Wind vom Verkauf

Mit den Blocks in Constantia-West verhält es sich aber anders. Die bisherigen Eigentümer, die Neumann und Ludolph als „solide und seriös“ beschrieben, wollten sich von der Anlage trennen, um sich auf ihre Geschäfte am Stammsitz Berlin und dem Umland der Hauptstadt konzentrieren zu können.

Von diesem Vorhaben bekam die Sparkasse Wind, weil deren Tochtergesellschaft Emder Bau & Boden (EBB) die Wohnungen verwaltet. Mit der Gewoba fand das Kreditinstitut für ein Geschäft dieser Größenordnung eine Partnerin, mit der es ohnehin schon langjährige Verbindungen unterhält. Finanziert wird der Kauf über Kredite. Über den Kaufpreis der 84 Wohnungen, die zwischen 60 und 90 Quadratmeter groß sind, schwiegen sich die Beteiligten aus.

Lücke im Angebot geschlossen

Die Gewoba könne mit dieser Anlage aus den 1990-er Jahren eine Lücke in ihrem Angebot schließen, sagte ihr Geschäftsführer Olaf Neumann. Denn die meisten ihrer etwa 1000 Wohnungen stamme aus den 1950-er bis 1970-er Jahren. Allein hätte die städtische Gesellschaft die Blocks nicht übernehmen können, zumal sie sich derzeit auf Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Erdnussrösterei Ültje und in weiteren Neubaugebieten konzentriere.

Allen Beteiligten geht es nach eigenen Aussagen vor allem darum, möglichst viele Objekte in der Hand von Emder Gesellschaften zu überführen, damit sie nicht Gegenstand von Spekulationen am Immobilienmarkt werden. Großinvestoren und überregional agierende Gesellschaften hätten nämlich möglicherweise kein Interesse an einem dauerhaften Engagement und zufriedenen Mietern. Sie suchten vielmehr eher den kurzfristigen Erfolg durch einen schnellen, gewinnbringenden Weiterverkauf, hieß es.

Dem wolle man entgegenwirken. Die neue EBWo wolle „ein verlässlicher und verantwortungsvoller Partner der Mieter sein“ und einen Beitrag „zur Sicherung qualitativ hochwertigen Wohnraums zu günstigen Preisen“ in Emden leisten, hieß es.

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