Kreativität
Große Faszination für kleine Steine
Zwei Tage lang zeigen Lego-Fans in Carolinensiel ihre fabelhaften Welten aus kleinen Plastikbausteinen oder naturgetreue Abbildungen der Umwelt. Im Kinderspielhaus sind die Werke zu sehen.
Was und warum
Darum geht es: eine Lego-Ausstellung in Carolinensiel
Vor allem interessant für: jeden, der sich für die kleinen Steine begeistern kann
Deshalb berichten wir: Der Verein schickte uns einen Hinweis auf die geplante Ausstellung.
Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
„Bricks am Meer“ ist ein bunter Mix Lego-Begeisterter, der sich regelmäßig trifft. Manche finden sich in Gruppen zusammen, um gemeinsam zu bauen, sagt der Vorsitzende Jan Göbel. Andere sind mit der gesamten Familie dabei. Der Jüngste im Verein sei vier Jahre alt. „Die Altersspanne ist sehr groß.“ Günter Schösser ist mit seinen 78 Jahren der älteste, aber nicht minder motiviert als der Rest der Baumeister. Mit 72 Jahren habe er durch Zufall die vielseitigen Steine für sich entdeckt, berichtet er beim Aufbau seiner ferngesteuerten Lego-Technic-Modelle. Vorher hatte er eine Modelleisenbahn, erinnert er sich. Jetzt baut er aus 3800 Kleinteilen Bagger oder Krane zusammen. Warum? „Mir macht`s Spaß.“
Manche entwickeln eigene Handschrift
Göbel hingegen kann sich für historische Bauten aus der Römerzeit oder Abbildungen aus Harry Potters Zauberschule Hogwarts begeistern. „Für mich ist es Entspannung.“ Marco Pastuschka ist mit Meeressäugetieren aus Wiesedermeer angereist. Jeder der Aussteller hat seine ganz eigene Herangehensweise an Lego: Manche bauen Sets zusammen, andere modifizieren sie und wieder andere bauen komplette Eigenkreationen. Tina Lübcke hat für die Ausstellung beispielsweise einen großen Bauernhof baut. Sie ist eine von fast 15 weiblichen der insgesamt 55 Vereinsmitglieder. Ein guter Schnitt, meint Jan Göbel. Andere Lego-Vereine könnten längst nicht so eine gute Frauenquote vorweisen.
Lübcke hat für ihr Ausstellungsstück ein Basis-Set genutzt. Also eine handelsübliche Zusammenstellung von Steinen. Sie hat dem Hof allerdings mit Veränderungen eine eigene Handschrift gegeben. Die habe laut Göbel auch Dietmar Bosold. „Ich möchte was Auffälliges machen“, verrät der. „Das ist halt mein Baustil“, sagt er mit einem Fingerzeig auf eine Prise Zerstörung und Übersinnliches, mit der er seine Kreationen würzt: Prachtvillen haben kaputte Dächer oder einen Geist auf dem Balkon. Viele Sets seien ihm im Original schlichtweg zu nüchtern. Der 68-Jährige bekam 2015 Lego von seiner Frau Marion geschenkt, die mittlerweile Seite an Seite mit ihm baut und ausstellt. Das Lego-Virus hat seither beide fest im Griff.
Bei „Bricks am Meer“ wird nicht gespielt
Pastuschka ist im Vorstand des Vereins und holte die Ausstellung 2020 erstmals unter dem Namen „Bricks am Siel“ nach Carolinensiel. Die Mitglieder kommen mehrheitlich aus dem Oldenburger Umland und Ostfriesland, aber auch aus Nordhessen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. „Es gibt nicht so viele Vereine“, erklärt Pastuschka den großen Einzugsbereich. 25 der Aktiven reisten am Freitag an, um vor Ausstellungsbeginn ihre Bauten ins rechte Licht zu rücken: Von früh bis spät wurden Module und einzelne Bricks, die Bausteine, ausgepackt und zusammengesteckt. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die Eisenbahn mit zahlreichen auffälligen Bauten entlang der Strecke. „Wir machen das vor allem für die Kinder“, sagt Göbel. „Die zeigen ihre Begeisterung richtig.“ Eine wirkliche Zielgruppe aber definiere man für die Ausstellungen nicht, meint Bosold. „Aber in erster Linie ist Lego eben Kinderspielzeug.“
Die „Bricks am Meer“- Truppe spielt allerdings nicht mit ihrem Lego. „Wir bauen oder konstruieren.“ Das dänische Unternehmen Lego hat Erwachsene schon länger als potenzielle Zielgruppe im Fokus, erklärt Göbel. Es gebe spezielle Sets für die Zielgruppe ab 18 Jahren sowie für Sammler. Lego erwirtschaftete dem Statistik-Portal Statista zufolge im Geschäftsjahr 2020 einen weltweiten Umsatz von rund 5,9 Milliarden Euro.