Osnabrück

Runter von den Bäumen: Für eine neue Kultur im Streit um Corona

Uwe Westdörp
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Von Uwe Westdörp
| 15.10.2021 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Eine Krise nährt die andere: Die Corona-Pandemie hat einmal mehr gezeigt, wie unversöhnlich sich viele Menschen in Deutschland gegenüberstehen. Es braucht eine neue Streitkultur! Ein Kommentar.

Beschimpfungen, Hassreden, ja sogar Morddrohungen: Die Corona-Krise hat bestätigt, wie unversöhnlich sich viele Menschen gegenüberstehen und wie schlecht es um die Streitkultur bestellt ist. Im Extremfall stehen am Ende wüste Drohungen, wie sie Lothar Wieler erhalten hat, der Chef des Robert-Koch-Instituts. Es ist ein Alarmzeichen, das nochmals zeigt, wie wichtig es ist, die Erregungswogen zu glätten. Oder anders: Wir müssen runter von den Bäumen!

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Der Eine sieht die Freiheit in Gefahr, der Andere Leib und Leben von Menschen. Beide streiten für eine gute Sache. Die Frage ist aber, wie sie es tun. Anderen mit Respekt zu begegnen, das haben viele Menschen in einer Welt der sich selbst bestätigenden Chat-Gruppen offenbar verlernt. Sensationslust, Angst, Vereinsamung und Katastrophenstimmung tun ein Übriges und verstärken die Neigung, dem Andersdenkenden Ignoranz oder gar niedere Instinkte zu unterstellen. Dabei steht fest: Weder droht Deutschland eine Diktatur noch eine Machtübernahme durch Verschwörungstheoretiker.

Es gibt viele Gründe, die Wirklichkeit als bedrohlich zu empfinden. Pandemien, Globalisierung, Klimakrise, digitale Transformation lauten da die Stichworte. Über all diese Herausforderungen muss offen diskutiert werden, schon allein, weil die Probleme nicht kleiner, sondern perspektivisch größer werden. Um zu Lösungen zu kommen, braucht es Klarheit in der Sache, aber auch Mäßigung in der Sprache und die Bereitschaft, auf andere ernsthaft Diskutierende zuzugehen. Wer erkennbar nur spalten und Stimmung machen will, gehört nicht dazu. Toleranz für Intoleranz darf es nicht geben.

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